Zerstörungswut und Müll

Schulleiter wollen Videokameras an allen Schulen

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Bilanz einer kleinen Sammlung an der Büdericher Marienschule: Immer wieder wird der Schulhof verdreckt, es gibt Zerstörungen.

Die Hausmeister fühlen sich oft im „falschen Film“: Dreck, Zerstörung, Schmierereien sind ein Dauerproblem auf Schulhöfen. Die Täter auf Film zu bannen oder sie abzuschrecken, dabei soll Videoüberwachung helfen. Den Schulleitern gehen die ersten Schritte aber nicht weit genug.

Werl – Ihr Wunsch sei „eine Videoüberwachung an allen Werler Schulen“, sagte Schulleiter- Sprecher Michael Prünte im Schulausschuss. Was an der Sälzer-Sekundarschule und künftig an der Petrischule und Walburgisschule Recht ist, sollte der Stadt an den anderen Schulen billig sein. 

„Büderich und Westönnen freuen sich auch über eine Videoanlage“, sagte Prünte. Am Marien-Gymnasium, das er leitet, fehle eine solche Anlage auch. Es habe immer viel Vandalismus gegeben; das sei erst besser geworden, als der Schulhof abgeschlossen worden sei. 

Genau das will die Stadt allerdings eigentlich nicht. Vielmehr sollen die Schulhöfe als Treffpunkte außerhalb der Schulzeiten zur Verfügung stehen. Das Problem: Nicht alle Besucher verhalten sich problemlos, sondern hinterlassen Spuren. Scherben weisen auf Trinkgelage, Beschädigung an Gebäuden oder Mobiliar gibt es regelmäßig. Und Einbrüche melden die Schulen auch immer wieder mal. 

Die Stadt allerdings habe zu unterscheiden, ob man „über Dreck nach Treffen oder über Vandalismus, also Straftaten“ rede, sagte Fachbereichsleiterin Iris Bogdahn im Ausschuss. Im Innenstadtbereich könne man dieses Vorkommen an Straftaten bestätigen. „Aber in den Ortsteilschulen ist das nicht so der Fall.“ Sei ein Schulhof vermüllt, schaue man nicht auf die Bildaufnahmen der Videokameras. „Das machen wir nur bei Vandalismus und polizeilichen Ermittlungen.“ Dass durch die Überwachung die Zahl der Vorfälle an der Sekundarschule sank, hatte Bogdahn zuletzt betont. Irgendwann zahle sich die Videoanlage trotz hoher Anschaffungskosten also aus. 

„Wir wissen, was da los ist“, sagte Bogdahn zur Situation auf den Schulhöfen in der Stadt. Ausgangspunkt der Pläne, nun auch an der Petri- und Walburgisschule auf Videoüberwachung zu setzen, sei die Frage der Schulleitungen gewesen, ob man die Schulhöfe nicht einzäunen könne zum Schutz des Eigentums. „Wir investieren da viel Geld“, sagte sie zu den jeweiligen Ausbauten. Aber man wolle die Areale dennoch frei zugänglich lassen. 

Am MG schützt das verschlossene Areal nicht vor Vorfällen, betonte Michael Prünte auf Anfrage. Es gebe immer wieder ungebetene Besucher, die die Schutzanlagen übersteigen. Scherben, auch Hinweise auf Drogen, zeugen davon. „Daher hätte das MG gerne die Videoüberwachung“, sagt Prünte. Natürlich müsse es in der Stadt Treffpunkte für Jugendliche geben. „Und wer friedlich ist, für den ist Überwachung ja kein Problem.“ Aber derartiges Fehlverhalten sei nicht akzeptabel. 

„Tonnenweise“ Flaschen, Scherben, Einschusslöcher in Fenstern, abgetretene Holzlatten und Briefkästen, mit Tomatensaft, Sprühfarbe oder Stiften beschmierte Wände: „Ich freue mich nicht so, wenn ich montags die Schule aufschließe“, sagt Stefan Cordes, Leiter der Büdericher Marienschule. Schließlich wisse man nie, was einen erwartet. Natürlich sei es ekelig, wenn es klebt und man nicht weiß, was da verschmiert worden ist. Und auch Scherben und Zerstörungen sind Realität an der Grundschule. 

Nicht an jedem Wochenende ist das so, sagt Cordes. „Aber wenn in Büderich oder in der Umgebung eine Feier ist, dann weiß man schon was kommt“. Und wer kommt. Dann nämlich treffen sich vorwiegend Jugendliche zum „Vorglühen“ auf dem nicht umzäunten Schulhof. Grundsätzlich sei dagegen nichts einzuwenden. „Hier spielt sich Dorfalltag ab – und das soll es auch“, sagt der Rektor. Er sieht das auch eher pragmatisch: „So lange das hier belebt ist, bricht keiner ein.“ Aber dass einige sich dermaßen daneben benehmen, dafür fehlt ihm das Verständnis. 

Zumal nicht nur Scherben Gefahren für die Schüler bergen. Auch Holzlatten mit herausstehenden Nägeln, getreten aus der Bretterwand, finden sich immer wieder. Zuletzt stand gar eine Schubkarre auf dem Schulhof. Skater hatten sich offenbar mit Hilfe von Brettern Hindernisse gebaut. Vorfälle, wegen der sich Cordes eine Überwachung des Schulhofs wünscht. 

Einen hohen Zaun ums Schulgelände wolle man nicht, „das wirkt auch nicht schön“ – und es ist auch teuer. Aber einer Videoanlage könnte der Chef der Marienschule etwas abgewinnen. Die gebe es schließlich an anderen Schulen auch, mit Erfolg. „Ich verstehe nicht, warum eine Kommune nicht einen Standard für alle Schulen schafft“, sagt Cordes. Nicht unerwähnt lässt er, dass es auch Hinweise auf Drogen gibt. Die Weitergabe von Tütchen sei beobachtet worden. 

„Ärger und Frust“ gebe es also im größten Ortsteil rund um den Schulhof. Dabei habe das Kollegium anderes zu tun, als sich um diese Dinge kümmern zu müssen. Der Hausmeister mache, was er könne, sei aber eben auch nicht immer da. Nun will der Büdericher den Kontakt zur Streetworkerin suchen.

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