Unternehmen trotz Corona weitgehend optimistisch

Viele Firmen suchen neue Mitarbeiter - nicht ohne Probleme

A.T.U ist in Werl nach eigenen Angaben „solide durch des Krisenjahr 2020 gekommen“ .
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A.T.U ist in Werl nach eigenen Angaben „solide durch des Krisenjahr 2020 gekommen“ .

Die Werler Wirtschaft brummelt nicht, sie brummt eher in schwierigen Zeiten. Kaum schlechte Nachrichten melden die Unternehmen bei der Anzeiger-Umfrage. Entlassungen sind demnach trotz der Pandemie-Schwierigkeiten ausgeblieben; das ein oder andere Unternehmen setzt aber erneut auf Kurzarbeit. Gleich mehrere Firmen berichten von der Suche nach neuen Mitarbeitern - und auch der Schwierigkeit, sie zu bekommen. Ein Überblick.

Standard-Metallwerke

„Wir sind bis April einschließlich ausgebucht, die Situation kann sich allerdings auch wieder sehr schnell ändern, wir müssen vorsichtig bleiben.“ Das sagt Werner Steinweg, Mitglied der Geschäftsführung der Standard-Metallwerke. Schon seit September gebe es keine Kurzarbeit mehr. Entlassungen habe es nicht gegeben. Problematisch seien die Unwägbarkeiten über die Folgen der Corona-Situation und über die möglicherweise sich weiterhin in Europa ausbreitende Mutation, „also Planungsunsicherheit für den Rest des Jahres“. Als positiv bewertet Steinweg frühzeitig getätigte Investitionen in die Elektromobilität der Automobilindustrie. Einen langfristigen Ausblick auf das Jahr wage er aber nicht: „Erst wenn das Coronavirus nicht mehr unseren Alltag bestimmt und wir aus dem Nebel raus sind, werden wir wieder nachvollziehbar planen können.“

F. W. Brökelmann Aluminiumwerk GmbH

„Anders als im ersten Lockdown haben wir derzeit keine Kurzarbeit und sind auch optimistisch für die Monate Februar und März“, teilt Peter Schmidt, Geschäftsführer der F. W. Brökelmann Aluminiumwerk GmbH mit. Die Abrufe der Kunden seien zwar „teilweise etwas reduziert“, aber das komme nicht unerwartet. Womöglich liege das auch an der weltweiten Halbleiterunterversorgung der Kunden. Wie im Vorjahr sieht das Unternehmen mit seinen zwei Werken in Werl auch in diesem Jahr keine Entlassungen, selbst wenn die Wirtschaft auf dem derzeit niedrigen Niveau weiter laufe. Im Gegenteil: „Für unsere mittlerweile angefahrenen neuen Werke, eins davon in Werl, suchen wir zusätzliche Kollegen“, sagt Peter Schmidt.

Das Thema Corona werde hingegen „immer mehr zur Nervensache. Die Mitarbeiter und Kollegen ertragen die privaten und beruflichen Einschränkungen mit vorbildlicher Disziplin.“ Die Anzahl der Erkrankungen sei in den Brökelmann-Werken bisher unterdurchschnittlich, „auch weil wir seit Dezember nur noch FFP-2-Masken tragen“. Eigene Schnelltestkapazitäten erlauben seit Spätherbst unmittelbare Reaktionen auf Verdachtsfälle. „Das wirkt sehr beruhigend auf alle.“ Reiseverbote und Homeoffice seien seit Beginn der Pandemie obligatorisch. Aber: „Mit Sorge schauen wir auf die Virus-Mutationen und haben unsere Maßnahmen erneut überprüft.“ Das Unternehmen sieht sich weiter auf einem guten Weg, hofft auf die Impfungen und investiere wie geplant in Kapazitätserweiterungen. „Dass sich die Elektromobilität auch in der Krise sehr positiv entwickelt, hilft uns in unbeständigen Zeiten, den Blick weiterhin streng nach vorne zu richten.“

A.T.U ist solide durch das Krisenjahr 2020 gekommen.

Markus Meißner, Firmensprecher

A.T.U

Knapp fällt das Statement beim Autoteile-Unternehmen Unger mit Sitz in Weiden aus, das vom Werler Distributionszentrum aus etliche Filialen beliefert. „A.T.U ist solide durch das Krisenjahr 2020 gekommen“, teilt Sprecher Markus Meißner mit. „Besonders unser E-Commerce, der logistisch in Werl abgewickelt wird, hat sich sehr positiv entwickelt.“ Im Logistikzentrum Werl habe es „keine nennenswerten Veränderungen beim Personalbestand“ gegeben. Ergänzend heißt es: „Kurzarbeit gibt es in Werl derzeit nicht.“

LWZ GmbH

Händeringend sucht die LWZ GmbH zusätzliche Mitarbeiter in diversen Produktionsbereichen. Man habe bereits seit Mitte 2020 deutlich aufgebaut. Dass die Erweiterung auf die benötigte Mitarbeiterzahl bei bereits ausgeweiteter Maschinenkapazität kaum gelingt, „macht uns zu schaffen“. Daher greife man erstmals seit Jahren wieder auf Zeitarbeit zurück. Die Kurzarbeitsphase endete Ende August, Kündigungen blieben aus. Auf der Auftragsseite gab es einen „deutlichen Jahresendspurt, sodass wir mit einem positiven Ergebnis in den Jahreswechsel gehen“, teilt das Unternehmen für Löttechnik und Wärmebehandlung mit. „Im Automotive-Bereich sind wir durch Aufträge im Bereich der E-Mobilität teilweise bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet, allerdings gibt es Probleme bei unserem Endkunden, was die Vormaterialbeschaffung angeht“, sagen Ralf Schmetz und Holger Rodegra. Man habe für 2021 mit Spitzenmengen gerechnet. „Aktuell fragt ein großer deutscher Produzent allerdings nochmals gesteigerte Stückzahlen ab Mitte 2021 an, die zusätzliche Erweiterungen der Kapazität mit Investitionen notwendig machen.“ Grund: der stark gewachsene Bedarf an E- und Hybridfahrzeugen, für die LWZ Komponenten liefert.

„Aktuell fragt ein großer deutscher Produzent nochmals gesteigerte Stückzahlen ab Mitte 2021 an, die zusätzliche Erweiterungen der Kapazität mit Investitionen notwendig machen.“

Ralf Schmetz und Holger Rodegra, Geschäftsführer LWZ

Der Bereich Heizung- und Sanitär laufe stabil; sogar die bislang schwachen Bereiche Maschinenbau und Elektrotechnik ziehen deutlich an. „Hier reden wir in Teilbereichen sogar von Mengenverdoppelungen.“ Die Produktion komme kaum hinter den Bestellmengen her, in fast allen der durch LWZ belieferten Branchen. Es stehen nach wie vor Investitionsentscheidungen in Millionenhöhe an; die Banken unterstützen die Vorhaben. Grundsätzlich schaut die Chefetage positiv aufs Jahr, lobt das Engagement der Mitarbeiter, wisse aber, dass ein negativer Pandemieverlauf gravierende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft „mit Folgen auch für uns haben kann“.

Kulle Logistik

„Die Kulle Logistik konnte das Jahr 2020 mit einem sehr guten Ergebnis abschließen und startet mit viel Rückenwind ins Jahr 2021“, sagt Geschäftsführer Torsten Kulle. Sowohl im Logistikbereich, als auch im Transportsektor sei die Auslastung und die Zukunftsprognose „verheißungsvoll“. Im Unternehmen am Lohdiecksweg gab es Mitarbeiter, die am Virus erkrankt waren. Das habe man aber „gut in den Griff bekommen.“ Kulle habe keine Kurzarbeit einführen müssen und plane das aktuell auch „auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil verstärken wir gerade unser Logistik-Team in der Lagerverwaltung und auf der Lagerfläche sowie bei den Staplerfahrern“. Die aktuelle Herausforderung liege darin, aufkommender „Corona-Müdigkeit“ zu begegnen. „Gerade im Bereich Lagerlogistik sind die Entwicklungen sehr positiv und rasant und ziehen den Transportsektor in unserem Betrieb mit“, sagt Kulle. „Wir erwarten für 2021 nicht mehr und nicht weniger Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten als im abgelaufenen Jahr.“

Die Situation ist angespannt, aber nicht schlecht.

Ralf Neuhaus, Chef der Neuhaus Lighting Group

Neuhaus Lighting Group

„Die Situation ist angespannt, aber nicht schlecht“, bilanziert Ralf Neuhaus, Chef der Neuhaus Lighting Group. Und: „Der Januar war etwas besser als gedacht.“ Mit zunehmender Dauer des Lockdowns der Kunden (Möbel- und Baumärkte), fallen aber die Umsätze. Daher gibt es in dem Unternehmen am Olakenweg in Teilen Kurzarbeit seit Januar; sie werde im Februar ausgebaut. Es gebe aber keine Entlassungen. „Größtes Problem ist die Unsicherheit, wann es wirklich weitergeht“, sagt Neuhaus. Aus China komme „extrem viel Ware und wir wissen nicht, wann wir unsere Kunden wieder beliefern können“. Ein weiterhin großes Problem sei die Erhöhung der Container-Preise um das bis zu Sechsfache, „sodass wir unseren Kunden die Preise zum Teil deutlich erhöhen müssen, was diese in dieser Zeit gar nicht gebrauchen können“. Sollte es bei Reiseverboten bleiben, werde in der Regel im Einrichtungssektor mehr Geld ausgegeben. „Dies könnte zu erhöhter Nachfrage führen, so war es ja auch letztes Jahr“, sagt Neuhaus. Investitionen ins Werk seien derzeit nicht geplant.

Tecnamic GmbH

Das vierte Quartal des Vorjahres und der Januar zeigen „nach einem schwierigen Jahr eine positive Tendenz“, sagt Martin Hammerschmidt, Geschäftsführer der Tecnamic GmbH. Insbesondere der Januar zeige „sehr positive Auftragseingänge“. Aktuell gebe es keine Kurzarbeit und sei auch nicht geplant. Schon gar nicht habe man Mitarbeiter entlassen müssen. Im Gegenteil werden Mitarbeiter gesucht für den technischen Vertrieb, Zollabwicklung und als Fachlagerist/Fachkraft für Lagerlogistik. Probleme bereiten die Corona-Regulierungen durch erhöhten Aufwand, Entzerren der Büroräume, tägliches Fiebermessen und die Bereitstellung von Masken. Aber auch die Infrastruktur (Glasfaserleitung) laufe nicht optimal, es gebe häufig Netzprobleme. Als positiv bewertet Hammerschmidt die Reduzierung der Reisetätigkeit und die Videocalls, die Zeit sparen. Nach den Investitionen in den Neu-Standort Werl 2019 seien nur kleinere Investitionen geplant. Man müsse „Chancen auch in der Krise erkennen und umsetzen“.

Werneke Logistic

„Wir sind mit der aktuellen Situation zufrieden“, vermeldet die Werneke Logistic GmbH mit Sitz in der Hafervöhde. „Sollte jedoch der Lockdown verlängert werden, sehen wir schon Probleme besonders im Automobilbereich/Industrie und auch beim Konsum, die nicht unerheblich sein werden“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Valerius. Bedingt durch die Stärkung des Lagergeschäftes („Wir bewirtschaften zurzeit 43 000 Quadratmeter“) und Neugewinnung von Lagerkunden habe Werneke keine Kurzarbeit gemacht. Aber: „Wie sich das Jahr entwickelt, hängt davon ab, wie die in Berlin es endlich mit der Impfung hintereinander bekommen und wie weiter mit dem Lockdown verfahren wird.“

 Insgesamt gilt für dieses Jahr der Tenor des mild positiv gestimmten Abwartens.

Hubertus Kaiser, Athex GmbH

Athex GmbH

„Die Situation der Athex würde ich im Augenblick mit ausreichend bewerten“, sagt Hubertus Kaiser. Die GmbH von der Runtestraße hatte im Geschäftsjahr „noch zwei gute letzte Monate, sodass wir in Summe über die Runden gekommen sind, aber doch mit einem Umsatzminus von über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, so der Geschäftsführer. Er ist dankbar über das Instrument Kurzarbeit, „mit dem wir unsere Mitarbeiter halten, aber auch Kosten sparen konnten. Ohne dieses Instrument wären wir um einen größeren Personalabbau nicht herum gekommen.“ Das neue Jahr fange dort an, wo das alte aufgehört hat: „Mangelnde Planungssicherheit lässt nur ein Fahren auf Sicht zu. Wir rechnen mit einem zähen Verlauf noch für mindestens sechs Monate.“ Nach wie vor fehlen coronabedingt größere Projektgeschäfte. „Unsere Kunden bauen in dieser Situation auch keine größeren Lagervorräte auf, sodass die Durchschnittsgröße von Bestellungen deutlich kleiner ist.“ Athex bietet Infektionsschutzscheiben an, aber dieses Geschäft sei rückläufig. Kurzarbeit werde deshalb auch 2021 immer wieder Thema sein. „Es bleibt zu hoffen, dass irgendwann viele der gestoppten Projekte zur Ausführung kommen“, sagt Kaiser. Aber immerhin dürfe man arbeiten. Investitionen werden in beschränktem Rahmen durchgeführt, „aber insgesamt gilt für dieses Jahr der Tenor des mild positiv gestimmten Abwartens“.

Keine Stellungnahmen

Keine Stellungnahme gab es von Gebhardt-Stahl unter Verweis auf die „unveränderte Lage“. Zudem äußerten sich folgende Firmen nicht: Nino-Leuchten, Prinz & Co. GmbH, Flachstahl Werl GmbH, DreiMeister, Europart GmbH, Hermanussen, Mawick Kunststoff-Spritzgusswerk

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