10-Millionen-Euro-Projekt des Erzbistums

Baustelle des neuen Wallfahrtszentrums ruht: So soll es weiter gehen

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Der Kran steht, die Baustelle am Kloster ruht zurzeit. Ende April soll es mit dem Umbau zum Wallfahrtszentrum weitergehen. Auf der planierten Fläche vorne rechts, auf der früher die Druckerei stand, soll ein Anbau errichtet werden.

Werl – Auf der Kloster-Baustelle in der Werler Innenstadt herrscht Ruhe. Das hat nichts mit der Corona-Pandemie zu tun, sondern mit der ohnehin geplanten Pause nach der erfolgreichen Schadstoffsanierung. Anfang Mai sollen die Arbeiten fortgesetzt werden, heißt es in einer Mitteilung des Erzbistums. Stand jetzt.

Denn auch im Bistum kann niemand voraussagen, wie sich die Corona-Krise auf das Baugewerbe auswirken wird. Bislang beschränkten sich die Folgen darauf, dass die heutige Baukonferenz erstmals per Videoschalte durchgeführt wird, sagte Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best. 

Die nächsten Schritte beim 10-Millionen-Euro-Projekt Mitten im Herzen der Stadt seien das Einrüsten für die Sanierung der Außenfassade und das Decken der Dachflächen, so Best. Grundsätzlich wird sich die Außenansicht nur geringfügig ändern, schließlich soll der Charakter des Denkmals erhalten bleiben. 

Zur Westseite sollen auf dem Dach wieder Gauben entstehen. Die habe es früher schon mal gegeben und seien später entfernt worden, erläuterte Best. Auch der Anbau auf dem Gelände der früheren Druckerei und der Innenausbau sollen bald starten.

Größerer Pilgersaal für 160 Personen

Im ehemaligen Klostergebäude ist ein Pilgersaal für rund 160 Personen geplant. Zudem soll das Foyer beziehungsweise der Eingangsbereich zum Gebäude geöffnet und barrierefrei umgestaltet werden. 

Der Raumplan fürs Erdgeschoss: Dort werden die Büros des Wallfahrtsteams Platz finden. Der alte Pforten-Bereich soll heller und offener gestaltet werden, unter anderem mit einem Fenster, das Basilika und Kloster verbindet. Der Pilgersaal (oben links) wird um einen benachbarten Raum erweitert und hat dann fast die doppelte Größe.

Für Pilger werden bis zu 80 Schlafplätze geschaffen und es entstehen 29 angegliederte Parkplätze – auch Ladestationen für E-Autos und E-Bikes. Die komplette Umbaufläche des ehemaligen Klosters liegt bei circa 3600 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche. Davon sind für die Marienwallfahrt Werl mit Verwaltung und Pilgerunterbringung circa 1800 Quadratemetern geplant. Die zwei Wohnungen für Geistliche sind mit 350 Quadratmetern veranschlagt. 

Für zwei Obdachlose wird eine Übernachtungsmöglichkeit mit 40 Quadratmetern geschaffen. Der Wohnraum für den Konvent der Ursulinen umfasst 880 Quadratmeter. 

Die Ursulinenschwestern ziehen in das ehemalige Franziskaner-Kloster, da ihnen ihr eigenes Kloster an der Neuerstraße zu groß geworden ist. Das Dekanatsbüro für das Dekanat Hellweg wird 360 Quadratmeter groß sein. „Wir schaffen Neues und wir schaffen Bleibendes“, sagt Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best im Hinblick die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten. „Wir bauen für die Zukunft der Wallfahrt in Werl.“

Das steckt hinter dem Projekt

Die Westansicht des Wallfahrtszentrums nach dem Umbau. Der Charakter des denkmalgeschützten Klosters soll erhalten bleiben. Das Dach erhält wieder Gauben.

170 Jahre lang hat der Franziskanerorden die Wallfahrt in Werl betreut. Am 1. September 2019 wurden die Franziskaner von Erzbischof Hans-Josef Becker aus dem Marienwallfahrtsort verabschiedet und zugleich wurde vom Paderborner Erzbischof ein diözesanes Wallfahrtsteam eingeführt, das die Seelsorge für die Wallfahrer zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ übernimmt. Das ehemalige Franziskanerkloster, das an die Werler Wallfahrtsbasilika unmittelbar angrenzt, wurde vom Erzbistum Paderborn erworben und wird zu einem Wallfahrtszentrum umgebaut. 

Nach dem Weggang der Franziskaner im September 2019 wurde mit den Arbeiten begonnen. Diese werden kontinuierlich fortgeführt und sollen Ende 2021 abgeschlossen sein. Verschiedene Bauarbeiten konnten bereits abgeschlossen werden: Die ehemalige Druckerei wurde schon im Juli 2019 abgebrochen, die Schadstoffsanierung wurde bis Dezember 2019 durchgeführt. Im Innen-Putz des Klosters war Asbest gefunden worden, das als krebserregend gilt. Weil die Gefahr bestand, dass dieser bei den anstehenden Umbauarbeiten freigesetzt werden könnte, musste dieser zunächst entfernt werden.

Am 4. November 2019 wurde das Klostergebäude zudem in die Denkmalliste der Stadt Werl eingetragen.

Die Marienwallfahrt

1661 gelangte durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Werl. Zuvor war es in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden. Damit begann in Werl die bis heute lebendige Marienwallfahrt. Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik. Traditionell wird jährlich am 1. Mai die Wallfahrtszeit eröffnet. Bis zum Abschluss der Wallfahrtssaison am Hochfest Allerheiligen kommen rund 100 000 Menschen als Pilger nach Werl.

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