Mit Messer und Pistole

Trio soll aus purer Lust an Gewalt Menschen angegriffen haben

Zweiter Anlauf in einem Prozess, in dem es um Gewaltexzesse geht – und offenbar die reine Lust an Krawall und Prügel. Vor über einem Jahr machte sich ein Trio auf den nächtlichen Weg, um willkürlich Opfer zu finden. Zumindest wirft ihnen das die Anklage vor.

Werl – Vor einigen Wochen war der Prozess verschoben worden. Nun aber sollen sich die Männer verantworten vor der 6. Große Strafkammer als Jugendkammer. Am 10. Dezember wird um 11 Uhr verhandelt. Ein Fortsetzungstermin ist am 20. Dezember (12 Uhr) angesetzt. 

Werden die Männer verurteilt, werden sie Heiligabend hinter Gittern verbringen. Die Vorwürfe sind deutlich detaillierter als noch vor einigen Wochen. Die drei Angeklagten aus Werl (22), Hövelhof (19) und Soest (20) sollen in Werl und Westönnen Menschen angriffen haben. Dem Trio wird unter anderem „gemeinschaftlich versuchter Raub“ vorgeworfen. 

Die Angeklagten sollen in der Nacht zum 7. Oktober des Vorjahres zwischen Ense und Werl herumgefahren sein, „um Gelegenheit zu finden, Personen zu berauben oder zu schlagen“, so heißt es in der Prozessankündigung. So sollen die Männer gegen 3.30 Uhr in Westönnen auf vier Zeugen gestoßen sein, die sie in eine Auseinandersetzung verwickelten und mehrfach zur Herausgabe ihrer Ausweise und Portemonnaies aufforderten, so der Vorwurf. Die Zeugen seien mit einer Schreckschusspistole und einem Einhandmesser mit rund 10 Zentimeter langer Klinge und den Worten, „sie abzustechen, wenn sie nicht die Ausweise herausholen würden, bedroht worden sein“. Einer sei geschubst und in den Graben geworfen worden. 

Zudem hätten die Männer ihre Opfer heftig attackiert, ein Zeugen erlitt einen splitternden Kieferbruch durch einen Faustschlag ins Gesicht. Wertgegenstände oder Ausweise hätten die Opfer nicht herausgegeben, sondern die Polizei verständigt. Daraufhin seien die Angreifer geflüchtet. 

Gegen zwei der Angeklagten richten sich weitere Vorwürfe. So sollen die beiden jüngeren Männer aus Soest und Hövelhof gegen 4 Uhr in derselben Nacht in der Werler Fußgängerzone auf einen weiteren Zeugen gestoßen sein. Sie hätten ihn „wechselnd am Arm ergriffen und versucht, ihn in abgelegenere Straßenbereiche zu ziehen, nachdem dieser zuvor abgelehnt habe, ihnen in die Bachstraße zu folgen“, so heißt es in der Prozessankündigung. 

Einer habe dem Zeugen vors Knie getreten, sodass dieser zu Boden ging. Der Soester soll das Opfer an den Hals gegriffen und gegen eine Hauswand gedrückt haben, „um seine Taschen nach Wertgegenständen durchsuchen zu können.“ Der Angeklagte aus Hövelhof habe die Herausgabe des Handys und Portemonnaies gefordert „unter der Drohung, ihn fertig zu machen“. Zunächst konnte der Attackierte fliehen, aber die Angeklagten sollen ihn eingeholt und gleichzeitig mehrere Schläge in das Gesicht sowie Tritte in den Bauch versetzt haben. 

Weitere Menschen seien auf die Situation aufmerksam geworden, daher flüchteten die Angeklagten. Einer stürzte. Zeugen hielten ihn fest und riefen die Polizei. Daraufhin soll der Soester sie mit einer zuvor aus dem Auto geholten Waffe zur bedroht haben. Gegen den Werler richten sich bei dieser Folgetat keine Vorwürfe. 

Es gibt aber ergänzende Anklagepunkte: Der Hövelhofer soll am 10. Oktober 2018 in seinem Zimmer in Ense 27,50 Gramm Marihuana besessen haben, „Unerlaubt“ – und zum Eigenkonsum, wie es in der Ankündigung zum Prozess heißt. 

Auch gegen den Soester gibt es einen weiteren Vorwurf: Er soll am 20. Oktober gegen 1.30 Uhr im Alkoholrausch gefahren und einen Verkehrsunfall verursacht zu haben. Dabei beschädigte er eine Toreinfahrt inklusive Fundament, der Schaden am Mauerwerk beläuft sich auf 4 000 Euro. Die um 2.37 Uhr entnommene Blutprobe habe eine Blutalkoholkonzentration von 1,14 Promille ergeben. 

Die beiden Männer aus Soest und Hövelhof gelten noch als Heranwachsende; daher ist ein unterschiedliches Strafmaß zu erwarten, sollten sie verurteilt werden.

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