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Eine Frau mit großer Strahlkraft: Schwester Werburga (90) ist verstorben

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Von: Gerald Bus

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Eine Frau mit großer Strahlkraft und Wurzeln in Werl: Schwester Werburga ist verstorben.
Eine Frau mit großer Strahlkraft und Wurzeln in Werl: Schwester Werburga ist verstorben. © Freundeskreis

Werl trauert um eine Ordensschwester, deren Brücken von Brasilien in die alte Heimat nie abgebrochen sind: Schwester Werburga Schaffrath ist verstorben. Das teilt der Förderkreis Centro Social Caruaru e.V. mit.

Werl - Am 28. August 2021 sei „Tante Waltraud“ verstorben; nach einer „letztlich zu langen Leidenszeit“ sei sie einer schweren Krankheit erlegen.

„Ich geh jetzt meinen letzten Weg. Grüßt noch einmal alle herzlich von mir!

Schwester Werburga

Ihre letzten Wochen habe sie medizinisch gut versorgt und von ihrer Mitschwester Juliana „liebevoll umhegt“ im Krankenhaus der Missionsbenediktinerinnen in Barbalha verbracht. Zuvor habe sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechtert, so dass sie im Pflegeheim in Recife (Brasilien) nicht mehr adäquat habe versorgt werden können. „Ihre letzte Botschaft an uns war: „Ich geh jetzt meinen letzten Weg. Grüßt noch einmal alle herzlich von mir!“

Seit Jahrzehnten hatte Schwester Werburga sich für ihr Lebenswerk, das „Centro Social“ in Brasilien stark gemacht. Der Freundeskreis betont: „Das Centro lebt weiter.“ Nach und nach habe sie diese soziale Arbeit loslassen können und in andere Hände gelegt.

„Sie hat ein großes Werk hinterlassen“

„Sie war die weibliche Kraft unserer Familie und hat ein großes Werk hinterlassen“, so die Familienangehörigen. Schwester Werburga wurde 90 Jahre alt, hätte in einigen Tagen am 6. September Geburtstag gehabt. Sie ist in Werl aufgewachsen und hatte 1956 ihr ewiges Gelübde abgelegt.

Die Ordensfrau kam 1968 nach Caruaru in Brasilien, zunächst als Lehrerin im Kolleg der Missions-Benediktinerinnen. 1970 begann sie mit dem Aufbau des Sozialzentrums. 1972 folgte der Bau des Kindergartens, in dem noch heute zwischen 120 und 140 Vorschulkinder betreut werden.

Es gab immer wieder Probleme auch finanzieller Art rund um das soziale Engagement. 2019 wurde im Dezember das „Centro Social São José Do Monte“ durch die Missionsbenediktinerinnen geschlossen, daran erinnert der Freundeskreis. 2020 eröffneten die Mitarbeiter ihre Nachfolgeorganisation „Centro de Educac¸a~o Popular Irma~Werburga“ in eigener brasilianischer Trägerschaft.

Erinnerung an das Vermächtnis

Der Freundeskreises verweist in der Trauer um die Ordensfrau auf ihre Strahlkraft: „Im Centro ist viel geschafft, bearbeitet, verarbeitet, neu angefangen worden. Eine Kontinuität der Hilfe wurde hergestellt. Es hat sich eine Tradition des gegenseitigen Austausches gebildet, die einem modernen Ansatz von Entwicklungshilfe entspricht. Hier wird tatsächlich Selbständigkeit gefördert und immer wieder neu mit denen angefangen, die dazukommen.“

Es gebe ein großes Vermächtnis von Schwester Werburga: „Sie hat uns gezeigt, dass Großes da entstehen kann, wo man Vertrauen schenkt und Hilfe annimmt. Sie war risikobereit aber nicht verantwortungslos – ganz im Gegenteil. Sie wusste immer, was sie wollte, musste aber ihren Weg erst finden. So ist sie ein lebendiges Zeugnis dafür, dass man doch was ändern und erreichen kann, auch wenn es dafür keine Garantien gibt.“

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