Fingerabdruck contra Video

Diebstahl in Werler Parfümerie: Vermeintlicher Täter vor Gericht

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Werl - War er es, oder war er es nicht? Großes Rätselraten vor dem Amtsgericht Werl. Immer wieder schauen die Prozessbeteiligten auf den Monitor, der einen Videomitschnitt aus dem Verkaufsraum der Werler Parfümerie zeigt.

Dort sind zwei Männer zu sehen, die Parfümtester in eine präparierte Tasche legen. Auch, wie eine Verkaufsmitarbeiterin die Herren anspricht und diese drei in ihren Händen befindlichen Originalparfümverpackungen im Gesamtwert von über 200 Euro wieder zurückstellen. So geschehen Anfang Mai vergangenen Jahres.

Einer der Täter sitz bereits im Haft, wird zur Verhandlung gegen den vermeintlichen Mittäter, der neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank sitzt, vorgeführt und als Zeuge befragt. Keine klare Aussage ist ihm zur Tatbeteiligung des Angeklagten zu entlocken, einem 27 Jahre alten Vater zweier Kinder. „Der Mann war es zu 100 Prozent nicht“, so die erste der zwei zum Tatzeitpunkt in der Werler Filiale anwesende Fachverkäuferin.

Verkäuferin: "Die Männer fielen mir gleich auf"

Dieser Mann sei viel älter, als der, den sie gesehen habe. Lange waren die Männer, in deren Tasche später acht Parfümtester gefunden worden waren, im Verkaufsraum. Wohl mehr als 15 Minuten. „Die Männer fielen mir gleich auf. Sie gingen umher, waren keine Stammkundschaft und hatten diese auffällige große Tasche dabei“, sagt die Mitarbeiterin aus.

Den zweiten Mann – den bereits Inhaftierten – hat sie erkannt. "Er ist schlanker geworden. Aber ich erkenne ihn", sagt sie. Eine Kappe habe er bei der Tat getragen. Daran erinnert sie sich. Die ist auch auf dem Videomitschnitt zu sehen. Ebenso sicher ist sich die zweite Mitarbeiterin, dass es sich bei dem Angeklagten nicht um den Täter handeln kann.

Geschehen auf dem Monitor verfolgt

Sie hatte im hinteren Bereich "Fernsehen“ geschaut, womit gemeint ist, dass sie die Tat am Monitor – unbemerkt von den Tätern – beobachtet hatte. Dann sprach sie die Männer an. „Der Mann sieht völlig anders aus. Ich habe gerade geglaubt, ich sei in der falschen Verhandlung“, erklärt sie.

„Dann verstehe ich aber nicht, wie es zu den Fingerabdrücken kommt, die ganz klar den Angeklagten als Täter ausweisen“, stellt die Staatsanwältin fest. „Ich glaube den Fingerabdrücken mehr“, fügt sie hinzu und bittet um eine Begutachtung. „Das Ohr des Angeklagten ist sehr prägnant. Das linke Ohr“, bemerkt sie.

"Erkenne den Angeklagte nicht mit letzter Sicherheit"

Mehrfach hatte der 27-jährige Mann, der während der Verhandlung kaum ein Wort sagt, seine linke Gesichtshälfte präsentiert, damit die Prozessbeteiligten die Möglichkeit hatten, zum Filmdokument einen Vergleich zu ziehen. „Ich erkenne den Angeklagten auf dem Mitschnitt auch nicht mit letzter Sicherheit“, resümiert die Richterin. Ein Gutachter wird nun um Stellungnahme gebeten.

Der Prozess wird fortgesetzt. „Ich möchte die Frage stellen, ob es bei dem angeklagten schweren Diebstahl denn bleiben kann“, gibt der Verteidiger zu Bedenken. Die Parfümtester seien doch für den Verkauf wertlos, insofern kann die Schadenssumme nicht so hoch ausfallen, wie beziffert. „Was die zurückgelegten Verpackungen mit den Originalverpackungen anbelangt, kommt doch allenfalls ein Versuch in Betracht“.

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