So geht es mit der Brücke im Werler Kurpark weiter

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Darunter herschwimmen geht, darüberlaufen nicht: Die Brücke im Kurpark ist seit vergangenem Sommer gesperrt. Die Bretter hat Rentner Franz Schäfer bereits in Eigenleistung abgeschraubt.

Werl - Wie geht es mit der maroden Brücke weiter, die über den Kurpark-Teich führt? Das könnte sich am  Mittwoch entscheiden. Denn dann wird ein Statiker die Reste des Bauwerks unter die Lupe nehmen.

Von dem Gutachten des Statikers hängt ab, ob die neue Brücke auf dem vorhandenen Fundament oder komplett neu errichtet werden muss. 

Eugen Höhn, der sich gemeinsam mit anderen Bürgern für den Erhalt des Bauwerks einsetzt, zeigte sich am Montag im Gespräch mit dem Anzeiger zuversichtlich. Ein Ingenieur der Stadt und ein Zimmermann hätten bei einer Sichtprüfung festgestellt, dass große Teile des vorhandenen Tragwerks bei der Sanierung wiederverwendet werden könnten. Demnach seien einige Bauteile zwar oberflächlich morsch, im Kern aber noch stabil. Ist das tatsächlich so, könnte die Brücke in sechs Wochen saniert sein, glaubt Höhn. 

Und zwar deutlich günstiger als zunächst angenommen. Auf jeden Fall sei es dann realistisch, dass die Werler noch dieses Jahr wieder über ihre Kurpark-Brücke spazieren können. Doch Höhn weiß auch, dass eine Stadtverwaltung nicht einfach ein paar Bretter im Baumarkt kaufen kann, um sie anschließend auf die Brückenträger zu schrauben. 

Nachweis für Standsicherheit notwendig

Stadtplaner Ludger Pöpsel ist daher auch deutlich zurückhaltender bei der Bewertung dieser ersten Prüfung, für die die Feuerwehr eigens das Wasser im Kurpark-Teich um zehn Zentimeter abgesenkt hatte. Wichtig sei, was der Statiker sagt: „Die Brücke ist eine öffentliche Einrichtung. Da benötigen wir einen Standsicherheitsnachweis.“ Klar sei aber bereits, dass die Tragbalken der Widerlager und das Geländer ersetzt werden müssten, so Pöpsel. 

Sind die Pfähle morsch, wird es komplizierter

Wie schnell die Brücke wieder benutzt werden kann, darüber entscheidet aber vor allem der Zustand der acht Pfähle, die einst bis zu vier Meter tief in den Boden gerammt wurden, und auf denen das Tragwerk ruht. Können sie weiter verwendet werden, könnte die Sanierung tatsächlich relativ flott und kostengünstig erfolgen. Sind sie aber zu morsch, werde es komplizierter, erläutert Pöpsel. Dann müsse man auch über eine ganz neue Konstruktionsweise ohne Pfahlgründung nachdenken. Doch das würde mehr Zeit in Anspruch nehmen. Und hier fände dann wohl auch die angebotene Eigenleistung der Brückenfreunde ihre Grenzen. Dabei stehen Höhn und Franz Schäfer schon bereit. 

480 Schrauben gelöst

Augenscheinlich macht zumindest dieser Längsträger einen schlechten Eindruck. Wie es tatsächlich um die Brückenkonstruktion steht, soll am Mittwoch ein Statiker klären.

Schäfer hatte jüngst bereits mit Unterstützung des Bauhofs die Bretter von den Längsträgern entfernt. 480 Schrauben habe er lösen müssen, sagt der 81-Jährige. Zum Glück habe er ihm der benachbarte Reifenhändler dafür einen Luftdruck-Schrauber geliehen.  Denn die Schrauben hätten ziemlich fest gesessen, was für Schäfer ein Beleg für den guten Zustand der Längsträger ist. 

Als „altem Werler“ liege ihm die Brücke am Herzen, sagt der gelernte Landwirt. Höhn lebt seit zwölf Jahren in Werl, weiß den Kurpark mit der Brücke aber zu schätzen: „Viele Bürger wissen gar nicht, welches Kleinod sie da haben.“ 

Weitere Helfer willkommen

Wenn nach dem Gutachten klar ist, wie es mit der Sanierung weiter geht, würden sich beide über weitere Helfer freuen. Diese können sich per E-Mail an die Adresse kurparkbruecke-werl@gmx.de melden. 

Seit Sommer 2018 gesperrt

Seit dem vergangenen Sommer ist die vor 25 Jahren errichtete und inzwischen marode Brücke im Werler Kurpark für Besucher gesperrt. Schnell war klar, dass nicht nur ein paar Bretter auszutauschen sind, sondern eine aufwendigere Sanierung oder ein Neubau notwendig ist. Auch ein Verzicht auf die Brücke stand angesichts der hohen Kosten kurz zur Diskussion. Doch viele Werler sprachen sich für den Erhalt aus. 

So plante die Stadt bis 2022 rund 230 000 Euro für einen Neubau ein. Allein im Haushalt 2019 sind 30 000 Euro für die Planung angesetzt. Einige Werler boten an, Neubau oder Sanierung mit Eigenleistung zu unterstützen, um so die Kosten zu senken.

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