Mit Pro und Contra

Stadt will Steingärten in Neubaugebieten verbieten

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Steingärten sind in Mode, in Werler Neubaugebieten sollen sie künftig verboten sein.

Erst gerieten sie in Mode, dann in die Kritik. Und künftig will die Stadt Werl sie in Neubaugebieten verbieten: Vorgärten, die als Kies- oder Steingarten angelegt werden.

Entsprechende Festsetzungen hat die Verwaltung erstmals für die Baugebiete Werl-Süd II und nun auch an der Weststraße in Westönnen vorgesehen. In Westönnen soll den Bauherren zudem erstmals eine helle Fassade vorgeschrieben werden.

Ähnliche Gestaltungsvorgaben gibt es in anderen Städten und Gemeinden schon länger, die Stadt Werl hatte sich bislang in Zurückhaltung geübt. Beim Baugebiet Schlesienstraße in Büderich hatte die Verwaltung auf diese Art der Festsetzungen noch verzichtet. 

Und Stadtplaner Ludger Pöpsel hatte sich noch vor einem Jahr skeptisch gegenüber einem solchen Eingriff in die Gestaltungsfreiheit gezeigt. Eher müsse man an die Freiwilligkeit der Bürger appellieren, aufklären und für das Versiegelungsproblem ein Bewusstsein schaffen, forderte er damals. 

Stimmungslage wandelt sich

Doch nicht nur das Klima wandelt sich, sondern auch die Stimmungslage in der Gesellschaft. Und innerhalb eines Jahres ist das Thema Klimaschutz sehr in den Vordergrund gerückt. Dem will nun auch die Stadt Rechnung tragen: „Die übergeordneten Ziele haben inzwischen einen deutlich höheren Stellenwert bekommen“, sagt Pöpsel. Entsprechend fällt auch die Abwägung anders aus.

Der Satz „Die Gestaltung von Vorgärten als Kies- oder Steingarten ist unzulässig“ fand erstmals im Plan für das Baugebiet Werl-Süd II Eingang. Nun soll diese Festsetzung auch im Bebauungsplan für das neue Baugebiet in Westönnen stehen. 

Helle Hausfassaden

Pöpsel kann sich gut vorstellen, dass dies künftig zum gängigen Prozedere beim Ausweisen von Neubaugebieten wird. Das gelte auch für eine weitere Festsetzung, die die Stadt nun erstmals für das Baugebiet Westönnen mit aufgenommen hat: Die Gebäude sollen mit hellen Fassaden versehen werden, um durch Reflexion der Sonnenenergie eine starke Erwärmung der Gebäude zu verhindern. 

Die Stadt nimmt in diesem Fall eine Anregung auf, die Siegbert May (BG) im jüngsten Planungsausschuss gemacht hatte. Pöpsel macht deutlich: „Es geht nicht um gestalterische, sondern rein um ökologische Gründe.“ Wer durch ein Baugebiet mit einem hohen Versiegelungsgrad gehe, könne spüren, wie sich die Luft zusätzlich aufheize. 

Noch weitergehende Vorschriften lehnt Pöpsel hingegen ab. Das Vorschreiben des Baustandards „kfw 55“ – ein solches Haus verbraucht nur 55 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus – hält er nicht für nötig. Meinhard Esser (SPD) hatte in der Ausschusssitzung gefragt, ob dies Sinn ergeben würde. Doch Pöpsel hält die geltenden gesetzlichen Regelungen für ausreichend.

Pro und Contra

Für ein Verbot
Von Dominik Maaß

Jeder kleine Beitrag zählt

Der Vorstoß der Stadt, Bauwilligen vorzuschreiben, wie die Vorgärten und Fassaden auszusehen haben, ist gerechtfertigt. 

Die Freiheit des Einzelnen ist ein hohes Gut. Doch sie entscheidet sich nicht an ein paar Steinen vor dem Haus oder der weinroten Wandfarbe. Und sie findet ihre Grenzen im Allgemeinwohl. Und um dieses geht es beim Klimaschutz. 

Wenn es Gestaltungsvorgaben für ein einheitliches Bild in der Altstadt gibt, müssen Vorgaben aus ökologischen Gründen erst recht möglich sein. 

Ein paar mehr Büsche und Blumen werden das Klima nicht retten, aber es geht auch darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jeder kleine Beitrag zählt. Und für jeden gilt nun mal auch: Eigentum verpflichtet.

Gegen ein Verbot
Von Detlev Stute

Einsicht lässt sich nicht erzwingen

Verbote sind oft nicht mehr als die tiefe Besorgnis darüber, dass sich Menschen nicht so benehmen oder handeln, wie man es von ihnen erwartet oder gerne hätte. Der Vorstoß der Stadt, Bauwilligen nun vorzuschreiben zu wollen, wie ihre Vorgärten und Fassaden auszusehen haben, passt in dieses Denken.

Es setzt nicht auf die Durchsetzungskraft des guten Arguments, sondern will Einsicht in das als richtig Erkannte erzwingen. 

Dass in diesem Zusammenhang ausgerechnet eine Verwaltung, die bis vor Kurzem noch ein riesiges Outlet-Center auf der grünen Wiese auf Biegen und Brechen errichten wollte, ihren Regulierungswunsch nun mit dem Hinweis auf einem hohen Versiegelungsgrad von Flächen begründet, mutet wenig glaubhaft an.

Das Westönner Baugebiet ist Thema im nächsten Planungsausschuss. Dieser findet am Montag, 11. November, ab 18 Uhr im Saal des Rathauses statt.

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