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Historiker bestärkt die Stadt Werl in ihren Geburtstagsplänen

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Von: Matthias Dietz

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© Dörfler

Werl - Die Stadt am Hellweg darf ruhigen Gewissens und voller Vorfreude die Feier zu ihrem 800. Geburtstag planen. Gründe, an der Berechtigung dieses Jubiläums zu zweifeln, haben Bürgermeister Michael Grossmann und Stadtarchivar Michael Jolk in einem Pressegespräch zerstreut. Unverdächtiger Rat kommt in diesem Zusammenhang von allerhöchster Instanz – der westfälischen Landesforschung.

Es gab, mehr als ein Jahr vor dem allerersten Tag des Geburtstags-Jahres, gleich doppelte Irritationen. Hier das farblich gelungene, aber ob seiner Gebäudeauswahl umstrittene Logo einer heimischen Designerin – dort die kritischen und zweifelnden Anmerkungen einiger Werler, die in dem Antrag der WP gipfelten, das Jubiläum nicht 2018, sondern erst 2022 zu feiern. Es bedarf keiner prophetischen Gabe, um vorauszusagen, dass der Rat in seiner nächsten Sitzung diesen Antrag, so er ihn denn überhaupt behandeln sollte, ablehnen wird. 

Auch die Logo-Problematik ist ohne großes Aufsehen gelöst worden: durch zwei ausgetauschte Gebäude. Eines macht der Archivar gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich: Natürlich sei allen Verantwortlichen, die 1972 den letzten, den 700. Geburtstag Werls feierten, klar gewesen, dass sieben Jahrhunderte zuvor Werl länger schon das Stadtrecht besessen haben muss. 

„Gefeiert“, betont Jolk, „hat man seinerzeit die erste Beurkundung Werls als Stadt nach Rüthener Stadtrecht.“ Hier kommt besagter Erzbischof Engelbert I. ins Spiel, in Amt und Würden von 1216 bis zu seiner Ermordung im Jahre 1225. Und der, um seine Macht zu zementieren, wohl auch Werl, wie viele andere Orte, zur Stadt erhoben haben dürfte. Konjunktiv gewiss, denn schriftliche Belege fehlen. „Weil zu Engelberts Zeiten Urkunden nicht zwingend üblich waren. Außerdem hat es in der Stadt mehrere größere Brände gegeben, denen auch Dokumente zum Opfer gefallen sein könnten“, sagt Michael Jolk. 

"Keine Bedenken habe, 2018 zu feiern"

Der Archivar hat umfassende Unterlagen zusammengetragen, die in ihrer Gesamtheit geeignet sind, Zweifel zu beseitigen. 1218 – dafür spricht laut Nachlass des Münsteraner Professors für Landesgeschichte, Dr. Albert K. Hömberg, die Tatsache, dass Engelbert wohl nur in dem Jahr in der näheren Umgebung Werls war. Gewichtig die Aussage von Professor Dr. Wilfried Reininghaus. Der Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen lässt die Verwaltung wissen: „Sie sollten keine Bedenken haben, 2018 zu feiern, allerdings mit dem Hinweis, dass Werl um 1218 im Rahmen der Territorialpolitik von Erzbischof Engelbert vermutlich Stadtrechte verliehen bekommen hat.“ 

Nichts anderes war und ist im Rathaus bisher Ziel und Sinn der Planung. „Genau genommen,“ schmunzeln Jolk und Michael Grossmann, „war die Stadt Werl 1972 erst drei Jahre alt, denn ein weiterer Grund für das Jubiläum 1972 könnte die kommunale Neugliederung im Jahre 1969 gewesen sein. Die Eingemeindungen der damals selbstständigen Dörfer und heutigen Werler Ortsteile sollten durch die gemeinsamen identitätsstiftenden Feierlichkeiten gestärkt werden.“ 

Mit Hilbeck kam 1975 der letzte Stadtteil hinzu 

Unberücksichtigt hierbei: Mit Hilbeck kam der letzte Stadtteil sogar erst 1975 hinzu. „Feierlichkeiten richten sich also auch nach der Betrachtungsweise“, fassen Grossmann und Jolk zusammen. Schon jetzt machen sie darauf aufmerksam, dass spätestens 2024 die nächste große Fete anstehen könnte: „1.000 Jahre Werl“. 1024 nämlich fand die urkundliche Ersterwähnung des Ortsnamens Werl statt. 

Die letzten gedruckten „Brockhaus-Enzyklopädien“ übrigens, die von vielen wissenschaftlichen Redakteuren betreut wurden, haben „um 1218“ als Stadtgründung in dem Werl-Beitrag aufgenommen. Alles, was wichtig ist, steht übrigens ab heute auf der Internetseite der Stadt Werl, zusammen mit einem Kalender, der sich im Laufe der kommenden Wochen und Monate mit Programmpunkten fürs Jubiläumsjahr füllen wird. 

Bleibt das Logo. „Korrigiert“, sagt Alexandra Falkenau, Sachgebietsleiterin Zentrale Dienste im Rathaus, „hat Martina Dörfler zwei Gebäude.“ Alte Wallfahrtskirche und Konvikt wurden zugunsten des Gradierwerks und der ehemaligen evangelischen Johanneskirche ausgetauscht. Die Künstlerin selbst sagt, die unerwartete Diskussion habe „Kraft gekostet“. Sie habe ihren Vorschlag nicht auf Religion abgestellt. „Es ging mir nur um historische Gebäude und gestalterische Aspekte.“

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