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Stadt als nicht leuchtendes Beispiel - aber ein „Bau“ muss taghell strahlen

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Von: Gerald Bus

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Im Norden bleibt es auch in den Nachtstunden hell: Die JVA muss aus Sicherheitsgründen beleuchtet bleiben
Im Norden bleibt es auch in den Nachtstunden hell: Die JVA muss aus Sicherheitsgründen beleuchtet bleiben. © Hans Blossey

Die Stadt will und muss als nicht leuchtendes Beispiel vorangehen – und knipst zum Teil die Lichter aus. Die Musikschule wird schon abends nicht mehr angestrahlt, auch beim Bahnhof sollen die Gebäudestrahler aus bleiben – aus Energiespargründen. In den Kirchen gibt es Decken - aber ein „Bau“ musss aus der Reihe tanzen: die JVA.

Werl - Bahnhof und Musikschule sind nur zwei Beispiele für ein Maßnahmenpaket zur Umsetzung der bundesweiten „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“. So lang das Wort auch ist, so knapp sind die Möglichkeiten für Werl, tatsächlich weiter Energie zu sparen, sagt Fachbereichsleiterin Alexandra Kleine (Verwaltung). Schließlich kommt die Stadt frisch aus dem Stärkungspakt, das über viele Jahre zum Sparen in allen Bereichen gezwungen hat. „Da ist also kein riesiges Potenzial mehr.“

Gleichwohl beschäftigt sich seit geraumer Zeit eine hausinterne Projektgruppe „Energiemanagement“ im Rathaus mit dem Spar-Thema. Wo sind doch noch Sparpotenziale? Und wie kann die Stadt selber Energie gewinnen, zum Beispiel durch Solaranlagen? „Dazu nehmen wir jedes städtische Gebäude unter die Lupe“, sagt Kleine. Am Dienstag tagte die Gruppe zu den aktuellen Fragen, auch bereits in Vorbereitung auf die für den Oktober erwartete weitere Verordnung des Bundes für langfristige Sparmaßnahmen.

Energiesparen in Werl: 19 Grad in Büros

Die Vorgabe der Senkung der Temperaturen in Büros in städtischen Dienstgebäuden auf 19 Grad kommt die Stadt nun nach. Da die Heizungsanlage zum Beispiel im Rathaus keine digitale Steuerung hat, wird die Vorlauftemperatur gesenkt. Wegen unterschiedlicher Schaltkreise wird sich das nach und nach einpendeln müssen. „Aber wir haben es sowieso nie übermäßig warm gehabt“, sagt Kleine. Und wenn es darum geht, dass sich Mitarbeiter bei Behörden die Hände auch kalt waschen können, muss die Fachbereichsleiterin schmunzeln – in Ermangelung an Warmwasserhähnen. Im übrigen habe sich die Stadt schon im Sommer um die nötigen Wartungen der Heizungen gekümmert.

Energiesparen in Werl: Schulen außen vor

Kleine betont: „Schulen, der Ganztag und Kitas bleiben außen vor.“ Und natürlich bleibe das Licht dort an, wo sicherheitsrelevante Bereiche betroffen sind, zum Beispiel im Straßenverkehr.

Energiesparen in Werl: Stadtquellen bleiben aus

Die sprudelnden Stadtquellen auf dem Markt sind im Zuge des Kirmes-Aufbaus bereits ausgestellt worden und werden für die paar Rest-Tage des Jahres auch nicht wieder eingeschaltet; die Programmierung muss noch geändert werden. Wie es weitergeht mit den Stadtquellen, das ist noch offen.

Energiesparen in Werl: Straßenbeleuchtung

Das gilt auch für die Straßenbeleuchtung. Die Verwaltung werde sich darüber noch mit den Stadtwerken beraten. Die Ampeln nachts auszuschalten, daran werde aber zurzeit nicht gedacht. Grundsätzlich dürfe man die Verkehrssicherheit durch die Beleuchtung des öffentlichen Raums nicht aus dem Blick verlieren.

Selbst mit dem Schriftzug „Stadthalle“ an Werls guter Stube hat sich die Verwaltung beschäftigt. Der könne aber im Dunkeln nicht ausgestellt werden, weil er mit der Platzbeleuchtung gekoppelt ist. Das zu ändern, brächte einen unverhältnismäßig hohen Aufwand. Es gelte, „mit Augenmaß“ zu prüfen, was geht und was nicht.

Energiesparen in Werl: Stadthalle

Apropos Stadthalle: Dort gibt es weiter Veranstaltungen. Grundsätzlich mache es keinen Sinn, die Heizung zwischendurch ganz auszustellen, weil dann das Wiederhochfahren mehr Energie verbrauchen würde, als wenn es bei einer Grundtemperatur bleibt. 19 Grad soll die Temperatur an den Arbeitsplätzen betragen; bei ungenutzten Räumen könne es auch weniger sein, aber auch nicht so kalt, dass eingelagertes Gut oder das Gebäude Schaden (Beispiel Schimmel) nimmt. Im Saal dürften es bei Veranstaltungen auch ein paar Grad mehr sein, wenn auch nicht mehr so warm wie bislang. „Denn die Zuschauer sollen ja nicht frieren müssen“, sagt Kleine.

Im Rathaus wird zum Jahresende auch automatisch Energie gespart: Vom 27. bis 30. Dezember ist das Haus geschlossen, eine Notbesetzung wird erreichbar sein. Neustart ist am 2. Januar

Energiesparen in Werl: Justizvollzugsanstalt

Wo es in Werl nachts leuchtet, da ist Norden: Die Justizvollzugsanstalt überstrahlt seit jeher im Dunkeln alles. Das bleibt auch so – aus Sicherheitsgründen. Lichtscheue Gestalten sollen es schließlich nicht einfach haben. Gleichwohl wird auch hinter Mauern gespart, teilt JVA-Sprecherin Verona Voigt auf Anfrage mit. Alle Bediensteten seien informiert worden, dass Betriebsabläufe überdacht werden müssen. Dabei gibt es konkrete Vorgaben zur Energieeinsparung:

Wärme: Die Raumtemperatur wird angepasst (Büroräume: 19 Grad/Werkhallen 18 Grad). Parallel kommt es zur Reduzierung oder Abschaltung der Beheizung in Treppenhäusern, Fluren, Eingangshallen sowie Lager- oder Technikräumen. Die Verwendung von Heizlüftern und Radiatoren ist untersagt. Der Brühschutz aller Duschen wird von 42 auf 38 Grad angepasst.

Strom: Dienstrechner sollen zum Dienstende heruntergefahren und auf die Nutzung nicht unbedingt notwendiger Geräte verzichtet werden. Gleichzeitig sollen alle Insassen Licht und elektronische Geräte beim Verlassen des Haftraums/der Zimmer ausschalten.

Zum Umgang mit einem „Blackout“ gibt es ein anstaltsinternes Notfallmanagement, das die Fragestellungen hinsichtlich eines Stromausfalls erörtert und mögliche Lösungen erarbeitet.

Energiesparen in Werl: Decken in Kirchen

Der Kirchenvorstand der Propsteigemeinde hat nach „eingehender Beratung“ beschlossen, alle Kirchen geöffnet zu lassen, aber auf maximal 10 Grad zu heizen und zwischen 30 und 60 Decken pro Kirche anzubieten. Zudem bleibe außen das Licht aus „aus Gründen der Solidarität zum Energiesparen“, heißt es im Pfarrbrief. Kirchen werden nur noch zu den Adventssonntagen, Weihnachten und Jahreswechsel angestrahlt.

Energiesparen in Werl: Protestanten weichen aus

Die Evangelische Kirchengemeinde Werl hat entschieden, dass die Gottesdienste am Sonntagmorgen ab Oktober im Foyer des Hauses der Begegnung gefeiert werden. Am Reformationstag, zu den Weihnachtsgottesdiensten und für Konzerte werde die Paulus-Kirche aber beheizt. Für den kirchlichen Unterricht stellt die Stadt Werl einen Klassenraum in der Walburgisschule zur Verfügung.

Energiesparen in Werl: Bäder senken Temparatur

Beschlossen ist eine Absenkung der Wassertemperaturen um zwei Grad auf 28 Grad. Mehr sei nicht möglich, „sonst gibt es blaue Lippen“, sagt Bäder-Geschäftsführer Ulrich Canisius. Kommende Woche tagt der Aufsichtsrat, dann werde der Aspekt „Energiesparen“ noch mal mit beleuchtet.

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