Fachfirma beseitigt Schmierereien am Gerichtsgebäude

Spur durch die ganze Stadt: Polizei sucht Sprayer - Staatsschutz ermittelt, Beseitigung läuft

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Eine Fachfirma beseitigt die Schmierereien am Gerichtsgebäude.

[Update, 13.37 Uhr] Ein Sprayer hat etliche Gebäude der Werler Innenstadt mit blauer Farbe beschmiert. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Viele Bürger zeigten sich entsetzt - genauso Amtsgerichtdirektor Hans-Joachim Berg. Eine Werler Fachfirma ist dabei, die Schmierereien am Gerichtsgebäude zu beseitigen.

Werl  - Sieben beschädigte Häuser meldete die Polizei zunächst am Freitagmorgen - im Laufe des Tages kamen aber noch weitere hinzu. Demnach hat ein unbekannter Mann in der Nacht  auf Freitag zwischen 23.45 Uhr und 0.30 Uhr zahlreiche Gebäude in Werl mit blauer Farbe beschmiert. 

Da laut Polizei auch "Kennzeichen von verfassungswidrigen Organisationen" verwendet wurden, habe der Staatsschutz in Dortmund die weiteren Ermittlungen übernommen.

Betroffen von den Schmiererein sind unter anderem das Werler Amtsgericht im Herzen der Stadt an gleich zwei Stellen, zudem die Walburgisschule an zwei Bereichen, ein Versicherungsgebäude an der Ecke Schützenstraße/Hedwig-Dransfeld-Straße sowie Elektro Wächter in der Klosterstraße mit einem Satanssymbol; auch das Ärztehaus am Kletterpoth ist an einem Pfeiler beschmiert. 

Am Freitagmittag wurden zwei weitere Fälle bei der Polizei angezeigt, sodass sie die Zahl der Fälle auf neun erhöhte. Auch an der Soester Straße hinterließ der Täter seine blauen Spuren, zudem an einem weiteren Gebäude der Klosterstraße. 

Nicht automatisch versichert

Versichert sind Vandalismusfälle nicht automatisch. Das muss als Extra-Baustein mit abgedeckt sein, sagt Dominique Kothe. Auch er ist mit seiner AXA-Versicherung von der Sprüh-Attacke betroffen. Ein Mitarbeiter habe am Morgen den Schriftzug „Islam oder Tod“ am Gebäude am Eck Schützenstraße entdeckt. „Wir haben das erstmal selbstständig entfernt, mit Orangensäure“, sagt Kothe.

Das Problem: Das Mittel griff auch die Fassadenfarbe mit an. Dort gab es eine Anzeige und die klare Aussage: „Das geht gar nicht, musste sofort weg – gerade jetzt zum Schützenfest.“

Sprayer ziehen Spur durch Werl - Staatsschutz ermittelt

Was an der "Serie" auffällt: Die Schriftzeichen sind allesamt unterschiedlich; nur die blaue Farbe ist überall die gleiche. 

Amtsgerichtdirektor ist entsetzt

Amtsgerichtdirektor Hans-Joachim Berg zeigt sich „erschrocken“ über die Schmierereien am Gericht. Hakenkreuz, SS-Zeichen und Worte wie „Fuck“ zogen sich über die weiße Fassade. Was Berg sich nicht erklären kann: Als er am Morgen zur Arbeit kam, hatte ein Unbekannter bereits weiße Farbe über das Blau getüncht. „Wer das war, wissen wir nicht.“ 

Unmittelbar beauftragte der Direktor eine Werler Fachfirma, damit sie die noch immer lesbaren Zeichen und Worte endgültig verblassen und verschwinden lässt. „Wir wollen solche Dinge natürlich nicht an unserem Gebäude haben – schon gar nicht am Schützenfest-Wochenende“, sagt Berg auf Anfrage. 

Am Wochenende werden tausende Besucher zum 525-Jahr-Jubiläum der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in Werl erwartet. Das Gericht hat Strafanzeige gestellt. „Ich kann nicht verstehen, wer so etwas macht“, sagt der Gerichts-Chef. 

Kopfschütteln war am morgen auch bei zahlreichen Besuchern in der Stadt beim Marktbummel zu sehen. Viele blieben stehen und schauten auf die Schmiererei. Kommentar einer Bürgerin: „So eine Sauerei. Einsperren sollte man die.“ Und ein anderer lakonisch: „Na, wenn 'se den kriegen, steht der bald einen Raum höher und wird verknackt...“

So wird der mutmaßliche Täter beschrieben

Der Vandalismus blieb nicht unbemerkt. Ein Zeuge sah den Mann gegen Mitternacht flüchten, nach dem er eine Hausfassade in der Melsterstraße mit der blauen Farbe besprüht hatte. Er wird beschrieben als etwa 40 Jahre alt, rund 1,70 m groß, schwarzes Haar mit stabiler bis untersetzter Figur. Er soll ein weißes T-Shirt, eine blaue Jogginghose und ein buntes Kopftuch getragen haben. 

Zeugen werden gebeten sich beim Kriminaldauerdienst in Dortmund unter Telefon  0231-1327441 zu melden.

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