Sorge vor Drogen und Sex auf der Tanzfläche

Wie der Technoclub "Tresor.West" vor 17 Jahren eine Stadt entzweite

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Raue Eleganz: So sieht es in dem neuen Technoclub „Tresor.West“ in Dortmund aus.

Die Politik hatte einst einen Riegel vorgeschoben - wie es bei Tresoren üblich ist. Alles andere als offen stand ein Großteil der Werler Verantwortlichen 2002 dem „Tresor.West“ gegenüber. Bis Investor Dimitri Hegemann den Spaß verlor. Nun kommt der Technoclub  doch noch,  17 Jahre später.

Werl – Allerdings öffnet er in Dortmund. „Gut Ding braucht Weile...“, sagt der gebürtige Werler Hegemann dazu. „Das, was vor 17 Jahren hätte in Werl stattfinden sollen, aber an der Politik scheiterte, kommt jetzt nach Dortmund.“ Ein Ableger des weltberühmten Techno-Clubs „Tresor“ aus Berlin.

Es war der 25. Juni 2002, als im Werler Planungsausschuss die Bombe platzte: Dimitri Hegemann, selbst ernannter „Kulturmanager“ aus Berlin mit Büdericher Wurzeln, wolle im alten Heizkraftwerk am Stadtwald einen Tresor-Ableger eröffnen, wurde der staunenden Politik mitgeteilt. „Bleiben Sie, es lohnt sich“, hatte Ausschusschef Rudi Kliemt (SPD) geheimnisumwittert zu Beginn der Sitzung jedem Teilnehmer geraten. 

Und dann kam „Dim“ – und sprach von seinen Plänen im jenem Gebäude mit seinem „morbiden Charme“. Damals schon galt der Berliner Tresor als Kultstätte der Techno-Musik, die ihren Feldzug durch die Charts in den 90-er Jahren angetreten hatte – und als Keimzelle der legendären und später so tragisch endenden „Love-Parade". Hegemanns Wunsch damals: Die Stadt, seine Heimatstadt, solle Mut zeigen. 

Schon da aber zuckten Vertreter der CDU merklich zusammen, als im Imagefilm von „Geschlechtsverkehr auf der Tanzfläche“ die Rede war. Der Abend habe die Politiker „zwischen Skepsis und Faszination“ zurückgelassen, schrieb der Anzeiger damals. Und es begann eine zum Teil emotionale Debatte, die sich über etliche Monate zog. Ein Hin und her, begleitet mit viel Skepsis, Vorurteilen, aber auch Wohlwollen. Podiums-Diskussionen wurden geführt. Was ist mit dem Lärm? Was mit Drogen? 

Bedenken der Suchtberatungsstelle, auch Bedenken der CDU und die Gefahr einer Ablehnung sorgten für eine Notbremsung des Vorhabens kurz vor einem Ratsentscheid Mitte Juli. Sogar die damalige CDU-Parteichefin Angela Merkel wurde kontaktiert, um zu vermitteln. Wenig erfolgreich allerdings. Die Junge Union bezog offen Stellung gegen die CDU-Älteren. Hegemann wehrte sich: Der Club werde sicher „keine gutbürgerliche Stube“– aber auch „kein Drogenschuppen“. 

Schon damals führte er Dortmund als Ausweichquartier ins Feld. Da war der Ton in Werl schroffer geworden, die Argumente waren verhärtet. Hegemann fühlte sich von der Politik im Stich gelassen. Im Januar 2003 beerdigte der ob der Diskussionen zermürbte „Kulturmanager“ das Vorhaben. Er habe „,keinen Bock mehr“ – und wolle nicht, wenn doch mal etwas passiere, der „Satan von Werl sein.“ Also sei nun Dortmund das Ziel, sagte „Dim“ schon damals . Die Stadt habe Interesse signalisiert. Mitte 2003 flammte das Interesse für Werl zwar nochmal auf – aber die Politik, allen voran die durch die Hegemann-Kritik verschnupfte CDU, beerdigte das Vorhaben endgültig.

Offenbar ließ Hegemann die Idee der Tresor-Filiale nie los. Und nun kommt sie also. Seit die Idee für den Umbau der ehemaligen Industriehalle auf dem Phoenix-West-Gelände zur Konzert- und Event-Location 2014 öffentlich wurde, gab es im Hintergrund das Raunen über einen Club im Keller. Recht früh war klar, dass Hegemann, mittlerweile 63 Jahre alt, sich des Kellergewölbes annehmen werde. Die unklare Rechtslage und umfangreiche Bauarbeiten in dem verwinkelten Kellergewölbe hatten die Eröffnung aber mehrfach verzögert, berichtet der Hellweger Anzeiger

In einem Facebook-Post in englischer Sprache sprach Hegemann vor einigen Wochen von einem „Traum“, der bald wahr werde. Er habe einen Ort mit Seele gefunden, eine Möglichkeit. Und er sei überzeugt, dass dieser Club internationale Techno-Künstler anziehen werde und für lokale Acts ein Sprungbrett werden könne. Tresor Berlin werde die Entwicklung des Clubs im Westen mit einem Künstler-Programm unterstützen, teilte Hegemann mit. Dazu veröffentlichte er Bilder vom neuen Gewölbe-Club - und erhielt dafür von Dutzenden Kommentatoren in seinem Netzwerk begeisterte Kommentare. 

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