Fünfalte Räder sollen weichen

Investor beantragt Bau und Betrieb von 250-Meter-Windrädern

Die fünf Windräder südlich von Mawicke an der Autobahn 44 könnten bald durch zwei neue und größere Anlagen ersetzt werden.
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Die fünf Windräder südlich von Mawicke an der Autobahn 44 könnten bald durch zwei neue und größere Anlagen ersetzt werden.

Werls größte Windräder könnten sich schon bald nicht mehr in Hilbeck, sondern südlich von Mawicke drehen. Die SL Windenergie GmbH hat beim Kreis Soest den Genehmigungsantrag zum Bau und Betrieb von zwei 250 Meter hohen Windenergieanlagen eingereicht. Das teilte das Unternehmen der Gladbecker SL NaturEnergie-Gruppe am Donnerstag mit. Es wäre der erste Neubau von Windrädern in Werl seit 2015.

Werl - Die beiden Anlagen des neuen Typs Siemens SG 6.0-170 sollen mit einer Nabenhöhe von 165 Metern und einem Rotordurchmesser von 170 Metern jeweils eine Leistung von 6,2 Megawatt erreichen.

Damit können sie doppelt so viel Strom produzieren wie die fünf älteren Anlagen am Standort zusammen. Diese wurden alle im Jahr 2001 errichtet und haben eine Leistung von jeweils 1,8 Megawatt. Eine Anlage hat eine Nabenhöhe von 65 Metern, die anderen sind 98 Meter hoch.

Zum Vergleich: Die bislang höchsten Windräder auf Werler Stadtgebiet stehen westlich von Hilbeck. Die drei Anlagen, die 2015 in Betrieb genommen wurden, haben eine Nabenhöhe von 139 Meter und einen Rotordurchmesser von 122 Meter. Bis zur Flügelspitze sind sie also genau 200 Meter hoch und sie haben eine Nennleistung von 3 Megawatt.

Weniger Räder, mehr Strom

Die fünf Räder bei Mawicke sollen im Zuge des „Repowering“, also dem Ersatz von alt gegen neu, zurückgebaut werden. Somit könnten trotz geringerer Anlagenanzahl doppelt so viele Werler Haushalte mit Strom versorgt werden wie zuvor. „Für den Klimaschutz in Werl wäre das noch mal ein großer Schritt nach vorn“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. „Die Planung eines Repowering-Projekts ist ebenso komplex wie ein Neuprojekt“, erklärt Milan Nitzschke, Geschäftsführer von SL NaturEnergie. „Obwohl wir in Mawicke in einer ausgewiesenen Windzone bauen, in der bereits Anlagen stehen, haben wir zum Schutz der einheimischen Vogelarten erneut umfassende Kartierungen und Raumnutzungsanalysen von Fachgutachtern durchführen lassen. Diese haben ergeben, dass auch die neuen Windenergieanlagen in keinem Konflikt mit dem Artenschutz vor Ort stehen werden“, so Nitzschke.

Konzentrationsfläche umgeben von Vogelschutzgebiet

Hintergrund: Die Konzentrationsfläche ist umgeben vom Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, das erst nach dem Bau der Windräder eingerichtet wurde. Das Repowering in Vogelschutzgebieten wird zwischen Branchenvertretern, Kommunen und Naturschützern kontrovers diskutiert. 2015 gab es aber eine vom Land begleitete Mediationsvereinbarung, nach der das Repowering in der Hellwegbörde grundsätzlich möglich sein soll.

Der mehr als 1200 Seiten starke Genehmigungsantrag, den die SL Windenergie GmbH nun bei der Kreisverwaltung in Soest einreichte, umfasse außerdem Informationen zur Technik sowie Gutachten unter anderem zu Schall und Umweltbelangen.

„Für eine saubere, sichere und bezahlbare Energieversorgung brauchen wir Windenergie: Neuanlagen, ebenso wie den Ersatz älterer Anlagen durch neue, leistungsstärkere am gleichen Standort. Wir hoffen, dass die örtliche Genehmigungsbehörde hier mitzieht und wir schnell in die Umsetzung gehen können.“

Beteiligung von Anwohnern

Beim Bau der Windenergieanlagen sollen laut der SL Windenergie möglichst lokale Partner und Unternehmen mit einbezogen werden. 95 Prozent der Gewerbesteuer sollen direkt an Werl gehen, heißt es in der Mitteilung. Für Anwohner soll auch die Möglichkeit zur direkten finanziellen Beteiligung geschaffen werden. Zudem soll eine eigene Stiftung, die sich anteilig aus den Energieerträgen der Windräder speist, gemeinnützige Vereine, Projekte und Initiativen vor Ort unterstützen. Nitzschke: „So bleibt möglichst viel Wertschöpfung im Stadtgebiet. Denn wenn in einer Stadt klimafreundlich Energie erzeugt wird, sollen die Bürger davon auch profitieren können.“

Unternehmensgruppe ist auch in Hamm aktiv

Seit 1996 realisiert die SL NaturEnergie Unternehmensgruppe Windenergie- und Fotovoltaikanlagen „mit dem Ziel, eine tragende Rolle zur Sicherung der Energiewende in Nordrhein-Westfalen zu übernehmen“, wie das Unternehmen selbst schreibt. Dabei lege sie höchsten Wert auf die Einbindung lokaler Partner bei der Planung, Finanzierung und dem Bau der Projekte. Firmensitz der SL NaturEnergie Unternehmensgruppe ist in Gladbeck. In der Nachbarstadt Hamm, im Raum Freiske/Weetfeld, errichtet die SL NaturEnergie-Gruppe zurzeit zwei 200 Meter hohe Windkraftanlagen des Typs Enercon E-138 EP 3. Die Fundamente sind bereits gegossen, die Arbeiten sollen eigentlich im Sommer abgeschlossen sein. Doch gegen den Bau hat unter anderem eine Bürgerinitiative geklagt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Arnsberg, ob der Bau gestoppt werden muss, wird für Februar erwartet. Weitere Informationen zur Unternehmensgruppe und ihren Projekten finden sich im Internet.

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