Prozessausgang noch völlig offen

Im Sicherungsverfahren gegen Werler (34): Arzt spricht von guter Entwicklung

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Die Liste der Vergehen ist lang. Doch noch ist die Schuldunfähigkeit des Werlers nicht final geklärt.

Arnsberg/Werl – Das Sicherungsverfahren gegen einen 34-jährigen Werler mit usbekischer Abstammung ging am gestrigen Mittwoch im Landgericht Arnsberg in die nächste Runde. Nach Prozesstagen im Januar und Februar stand gestern der sechste Verhandlungstag an.

Nachdem in den letzten Wochen das Verfahren wegen schwerer Körperverletzung, Misshandlung, fahrlässiger Körperverletzung, Nötigung, Diebstahl und Sachbeschädigung eingeleitet und mit einigen Zeugen verhandelt wurde, kamen gestern weitere Details ans Tageslicht. 

Zur Erinnerung: In einem Sicherungsverfahren soll festgestellt werden, inwiefern der Angeklagte schuldunfähig ist oder nicht. Da der Werler an einer psychischen Erkrankung leidet, gilt er für die ihm insgesamt elf vorgeworfenen Taten als schuldunfähig. Daher fordert die Staatsanwaltschaft, dass der 34-Jährige aufgrund seiner Gemeingefährlichkeit in ein psychiatrisches Krankenhaus soll.

Besonders aufschlussreich war gestern die Vernehmung des Psychiaters, der den Mann in seiner vorläufigen Unterbringung in Herne bis zur Fällung des Urteils behandelt. Dort ist der Werler seit Juli 2019 untergebracht. Der Arzt erklärte vor Gericht, dass beim Usbeken anfangs starke psychotische Symptomatiken vorzufinden waren. Ein großes Problem war und ist noch bis heute, eine richtige Medikamentierung für ihn zu finden. Bisher habe der 34-Jährige mehrere Medikamente ausprobiert und wenig später wieder abgesetzt.

Besserung durch neues Medikament

Zudem sei eine Behandlung schwierig gewesen, da der Werler weder Einsicht noch Akzeptanz in Bezug auf seine diagnostizierte psychische Erkrankung, die paranoide Schizophrenie laute, zeigte. Früher habe er oft Probleme gehabt, Vereinbarungen einzuhalten und sei „nicht gesellschaftstauglich“ gewesen. 

Doch seit gut zwei Wochen gebe es ein anderes Bild. Man habe ein Medikament gefunden, mit dem der Usbeke offenbar gut zurechtkomme und es wohl regelmäßig einnimmt. Dadurch seien die Stimmungsschwankungen weniger geworden. 

Eine Wende in dem Prozess? Zumindest wurde auch der Staatsanwalt hellhörig und wollte von dem 41-jährigen Arzt eine Einschätzung haben, wie gefährlich der Werler zurzeit wirklich sei. Der Arzt antwortete daraufhin, dass der 34-Jährige unbehandelt und unter Drogenkonsum als „sehr gefährlich“ einzustufen sei. Mit Behandlung und der Einnahme der richtigen Medikamente sehe der Fall schon anders aus. Final könne er das aber nicht einschätzen, da es in diesem Krankheitsbild häufig spontane Besserungen gebe, ohne erkennbare Ursache. 

Weitere Zeugen aus den letzten Verhandlungstagen und auch gestern sind ebenfalls zwiegespalten. Scheinbar seien die Stimmungsschwankungen beim Werler immer wieder festzustellen. Manche beschreiben ihn als ruhig und urplötzlich als angespannt. Sein aggressives Verhalten käme häufig aus heiterem Himmel. 

Am 9. März soll die Verhandlung fortgesetzt werden, bevor am 17. März ein Urteil fallen soll. Der Ausgang ist noch offen.

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