Shitstorm auf Facebook

Taubenflug für mehr Klimaschutz in Werl: Das Netz läuft Sturm

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Heiner Altewulf wehrt sich gegen Vorwürfe zum Tauben-Einsatz.

Werl - Mit dem täglichen Aufstieg weißer Tauben als Zeichen des Friedens, des Neuanfangs und der Hoffnung, verband Heiner Altewulf den Wunsch, Passanten für mehr Klimaschutz zu begeistern. Jetzt folgte jedoch reichlich Unmut: Rund 130 Facebook-Nutzer entluden einen Proteststurm im Netz.

Im Gespräch an Altewulfs Taubenschlag erklärt der Diakon nun, warum die Sorge um die Tiere unberechtigt sei. 

Während viele User im digitalen Diskurs annahmen, dass Altewulf mit seiner Aktion neue Stadttauben produziere oder die Tiere „irgendwo sterben oder stranden“ würden, glaubten einige Kommentatoren, dass der Diakon die Tauben nach dem Aufstieg ihrem Schicksal überlasse. Ob mit Kommentaren wie „Tierquälerei im Namen des Klimaschutzes“ oder „Tierschutz mit Füßen treten“ – die durch Greta Thunbergs „Fridays for Future“-Bewegung inspirierte Aktion polarisierte im Netz und gipfelte in hitzigen Beiträgen. Eine Userin meinte gar: „Noch ironischer wäre eigentlich nur ein Grillfest für den Tierschutz.“

 Für den Werler Umweltaktivisten sind die kritischen Reaktionen ein weiterer Grund, Interessierte vor die Wallfahrtsbasilika einzuladen und mit den Menschen in den Dialog zu treten. Wenn Altewulfs täglicher Impuls für mehr Umweltschutz nämlich um 11.55 Uhr seinen Höhepunkt erreicht, wartet seine Gattin bereits am heimischen Taubenschlag: „Meine Frau wartet zu Hause auf die Ankunft der Tauben.“ 

Alle zurückgekehrt

Der Taubenschlag sei offen, sodass die Tiere sofort wieder rein und Futter und Wasser zu sich nehmen können. Altewulf versichert: „Seit Beginn der Aktion am ersten April sind alle Tauben stets heimgekommen.“ Auf unsachliche Reaktionen wolle sich der Werler Diakon nicht einlassen, dennoch zeigt er sich dankbar für sachliche Zuschriften: „Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Lesern, die sich Sorgen um die Tauben gemacht haben“, so Altewulf. 

Da es sich bei seinen Tieren um Brief- und nicht um Ziertauben handele, sei die Art ohnehin lange Flüge gewohnt. „Egal wo ich sie in Werl rauslasse: Innerhalb kürzester Zeit sind die Tiere wieder zu Hause.“ 

Wir haben auch ein Video der Aktion

Auch der Sorge um möglichen Stress, dem die Tauben während des Endtransports im Korb ausgesetzt sein könnten, widerspricht der Werler. Das Motto, das er auch Kindern immer wieder vermittele, sei „langsam, lieb und leise“: „Ich möchte zeigen, dass man langsam auf die Tiere zugehen muss, um ihnen kein Stress zu bereiten.“ Inmitten seiner Tauben, die etwa „Frau Doppelring“ oder „Frau Schwarzgelb“ heißen, sind deshalb stets behutsame Gesten gefragt. 

Das vorsichtige Einkorben der Tauben nimmt Altewulf zudem in der Dunkelheit vor. „Dabei verteile ich sie zunächst auf drei Körbe.“ Im Anschluss kommen maximal zehn Tiere für den Transport vor die Basilika in einen großen Korb, in dem sie laut Altewulf maximal 30 Minuten verweilen. Der Umweltschützer verspricht: „Die Tauben sind zu keinem Zeitpunkt Stress ausgesetzt. Das ist mir wichtig.“ 

Es geht weiter

Trotz teils harscher Kritik will Altewulf seinen Protest bis auf Weiteres fortsetzen: „Ich möchte von meinen Enkelkindern später nicht hören, dass ich nichts getan habe“, unterstreicht er. Ihm gehe es vor allem um einen Anstoß für die Menschen, anders mit ihrer Umwelt umzugehen. „Jeder sieht die Umwelt anders. Mir geht es darum, dass wir darüber nachdenken, wie wir unseren Enkeln eine gute Welt hinterlassen.“ 

Auch die positive Resonanz abseits der sozialen Netzwerke zeige, dass sich die Aktion lohnt: „Jeden Tag sind einige Leute da. Ich stehe ungefähr zehn Minuten vor der Basilika und komme mit den Menschen häufig ins Gespräch“, berichtet Altewulf. Kritische Stimmen lädt der Werler nun ein, sich während des täglichen Aufstiegs um 11.55 Uhr ein eigenes Bild vom Wohlergehen seiner Tiere zu machen.

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