Digitales Lernen an etlichen Schulen liegt brach

Schulportal der Ursulinenschulen nach „Angriffswellen von außen“ nicht nutzbar: Strafanzeige wird erstattet

Die Ursulinenschulen, hier das Gymnasium, haben massive Probleme mit dem Schulserver.
+
Die Ursulinenschulen, hier das Gymnasium, haben massive Probleme mit dem Schulserver.

[Update 14.15 Uhr] Beim Lernen sahen die Schüler schwarz – und zwar an Laptop und Co. Denn das Schulportal des Erzbistums Paderborn, das auch die Schüler und Lehrer der beiden Ursulinenschulen Werl für den digitalen Kontakt nutzen, war am Mittwoch nicht nutzbar. Auch am Donnerstag gab es Ausfälle. Grund sind „Angriffswellen von außen“. Die sind laut Anbieter „massiv“.

Werl - Das teilte das Erzbistum Paderborn auf Anfrage unserer Zeitung mit. Am Mittwoch hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass der Hintergrund ein Hacker-Angriff gewesen sein könne. Das bestätigte sich so nicht. Aber „durch das Einwirken von außen war es zu Nutzungsproblemen bis hin zur Nichterreichbarkeit des Portals gekommen“, teilte Erzbistums-Pressesprecher Benjamin Krysmann am Donnerstag mit . Der zuständige Dienstleister DigiOnline habe die Störung beheben können „und wird Strafanzeige erstatten“.

Es sei nicht auszuschließen, „dass es zu weiteren Angriffen und damit erneut zu Einschränkungen der Nutzung kommen kann“, sagt Krysmann. An verschiedenen Stellen werde daran gearbeitet, wieder eine störungsfreie und sichere Nutzung des Schulportals zu gewährleisten. „Der Bereich Schule und Hochschule des Erzbischöflichen Generalvikariats hat bereits am Mittwoch die Schulleitungen über einen erfolgten DDoS-Angriff auf das Schulportal informiert.“

DDoS-Attacke auf Schulportal: tausende Schüler betroffen

DoS steht für die Nichtnutzbarkeit eines Internetdienstes, der verfügbar sein sollte. Dabei kann eine Überlastung des Datennetzes mit Absicht verursacht werden, zum Beispiel durch einen konzertierten Angriff auf die Server. Bei durch eine Masse gezielter Anfragen verursachten mutwilligen Blockade wird von einer  DDoS-Attacke gesprochen (Distributed-Denial-of-Service attack, zu deutsch „verteilter Dienstverweigerungsangriff“ ). Bei solchen Angriffen kommen die Anfragen von vielen Quellen; daher gilt es als nicht möglich, den Angreifer zu blockieren, wenn man nicht das Netzwerk komplett herunterfährt .

Betroffen sind laut Sprecher rund 900 Lehrer und 12 000 Schüler der insgesamt 20 Schulen in Trägerschaft des Erzbistums.

Es habe vom Erzbistum Paderborn als Träger des Gymnasiums und der Realschule einen Hinweis an die Schulen gegeben, dass es Probleme beim Online-Anbieter gebe, hatte Schulleiterin Anne-Kristin Brunn auf Anfrage unserer Redaktion am Mittwoch mitgeteilt. Aber auch am Donnerstag sei das Schulportal zum Teil nicht nutzbar gewesen, ergänzte die Leiterin von Gymnasium und Realschule – was in Zeiten digitalen Lernens im Schul-Lockdown natürlich problematisch sei. Lehrer und Schüler seien durch den Vorfall „herausgefordert in ihrer Kreativität, neue Wege zu finden“.

Und das passiere auch. Ob nun per Mail oder andere Plattformen: Die Lehrer der Ursulinenschulen seien auch am Donnerstag mit den Schülern digital in Kontakt getreten. Bei allem Ärger über die Angriffe gelinge das digitale Lernen trotzdem, wenn auch uneinheitlich und eingeschränkt, sagt Anne-Kristin Brunn. Mal funktioniere das Schulportal, mal nicht. Noch sei unklar, wie lange die Probleme anhalten werden. Für Donnerstagnachmittag kündigte die Schule eine Elterninfo auf der Homepage an.

DDoS-Attacke auf Schulportal: „Keine Daten abgegriffen“

Bis dahin sei vor allem eines wichtig: dass es sich eben nicht um einen Hacker-Angriff gehandelt habe, bei dem auch Daten verloren gehen können. „Das ist alles sicher“, sagt die Schulleiterin. „Es wurden keine Daten abgegriffen.“ Gleichwohl sei die Störung digitalen Lernens „ärgerlich“, zumal die Nutzung des Schulportals als Plattform gut angelaufen sei. „Wir hoffen, dass wir bald zu den Routinen zurückkehren können.“ Denn der Wille zum digitalen Lernen sei an den Ursulinenschulen ausgeprägt.

DDoS-Attacke: Anbieter DigiOnline spricht von „massivem Angriff“

Laut Anbieter DigiOnline mit Sitz in Köln ging die DDoS-Attacke gezielt gegen die IP der Schulplattform des Erzbistums Paderborn, versichert Geschäftsführer Werner Grafenhain. Das Hosting-Unternehmen habe technische Abwehrmaßnahmen durchgeführt, „dadurch ist die Plattform des Erzbistums wieder verfügbar“. Durch den Angriff sei kein wirtschaftlicher Schaden für das Erzbistum entstanden, aber die Plattform war Mittwoch und am Donnerstag „einige Zeit für die Schüler und Lehrer in Rahmen ihren Fern- bzw. Home-Unterrichts nicht erreichbar“. Auch der Chef von DigiOnline versichert: „Grundsätzlich werden durch einen DDoS-Angriff keine Daten entwendet oder beschädigt.“

Gibt es Vermutungen, woher der Angriff kommt? „In der Regel gibt es eine Person oder Gruppe , die den DDoS-Angriff beauftragt und bezahlt und ein Anbieter, der über ein Botnetz für einen Angriff verfügt und ihn dann durchführt“, erläutert Grafenhain. „Die Transaktion selbst findet in der Regel im Darknet statt.“ Die Frage, ob und wie man sich vor einem solchen Angriff schützen kann, hänge von der Stärke des DDoS-Angriffs an, also der Bandbreite, mit der angegriffene Server geflutet wird. „Der Angriff gegen die Schulplattform des Erzbistums war so massiv, dass die Angriffe nicht herausgefiltert werden konnten, sondern massiver reagiert werden musste.“ Grundsätzlich sei niemand vor solchen Attacken gefeit.

DDoS-Attacke auf Schulportal: Ausstattung mit Tablets läuft

Offen ist, wann alle Probleme behoben sind. Bis dahin sollen die insgesamt rund 1 200 Schüler der Ursulinenschulen weiter ausprobieren, ob der Zugang gelingt oder nicht. Über das Schulportal werden unter anderem Aufgaben verteilt. Erst vor kurzem waren die Möglichkeiten auf dem Schulportal vom Träger ausgeweitet worden, um ausreichende Kapazitäten zu haben. Denn das digitale Lernen ist mehr denn je gefragt, wenn der Präsenzunterricht wegen der Corona-Pandemie ausfallen muss.

Noch bis zum 31. Januar werden landesweit die Schulen geschlossen bleiben müssen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Ursulinen setzen aber auch darüber hinaus verstärkt auf das digitale Lernen; alle Lehrer und künftig auch alle Schüler werden künftig mit einem Tablet ausgestattet sein. Für die ersten Jahrgänge laufen derzeit die Anschaffungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare