Bezirksverband Werl-Ense

Schützen wollen schützen: Konzept gegen Missbrauch von Kindern

+
Für den Bezirks-Entwurf verantwortlich: Ulrich Frieling (Sieveringen, rechts) und der Westönner Brudermeister Christoph Zeppenfeld.

Werl/Ense - Schützen wollen die Schützen – und zwar Kinder. Der Bezirksverband Werl-Ense hat ein Schutzkonzept zur Vorbeugung gegen den Missbrauch von Kindern entworfen und wird es bei der Frühjahrsversammlung zur Debatte stellen.

Ziel sei die Schaffung einer „neuen Transparenz in der Jugendarbeit der Schützen“ – und die „Etablierung einer neuen Kultur der Achtsamkeit und Schutz der den Bruderschaften und Vereinen anvertrauten jungen Schützen und Schützinnen“.

 Das Papier wird auch Grundlage sein für die 14 Bruderschaften und den Schützenverein Hilbeck sowie die Jungschützen. Jede einzelne Bruderschaft als kirchlicher Rechtsträger muss ein solches „Institutionelles Schutzkonzept“ auf den Weg bringen. Denn der Schutz von Kindern ist eine kirchenrechtliche Vorgabe, die die Schützen zu erfüllen haben, sagt Ulrich Frieling (Sieveringen), der im Bezirk gemeinsam mit dem Westönner Brudermeister Christoph Zeppenfeld verantwortlich für den Entwurf zeichnet. 

Worum es geht

 In der Hauptsache geht es um die Sensibilisierung des Einzelnen im respektvollen Umgang mit dem ihm anvertrauten Jugendlichen. Nicht, dass es Missbrauchs-Fälle im Schützenbezirk gegeben habe, von denen man wisse. Und es sei auch nicht so, dass man bislang keinerlei Maßnahmen getroffen habe. Im Gegenteil habe schon vieles stets als „selbstverständlich“ gegolten. Aber mit dem Schutzkonzept für Haupt- und Ehrenamtliche sorge man für zusätzliche Absicherungen. Man habe durch den neuen Verhaltsenskodex bindende Vorgaben, die dauerhaft gelten und vor allem für mehr Sensibilität sorgen sollen. Denn darum gehe es, sagt Zeppenfeld: „Wir wollen mehr Wachsamkeit, dass alle darauf achten, wie mit Kindern und Jugendlichen umgegangen wird.“ 

Das sagen die Bruderschaften zum Thema Liberalisierung

Schließlich haben viele Schützenbruderschaften Jugendabteilungen oder Kinderkompanien, die betreut werden müssen und für die man Verantwortung trage. Dabei, so Frieling, stelle sich immer die Frage, für welche Positionen künftig polizeiliche Führungszeugnisse vorgelegt werden müssen und welche Schulungen die Betreuer solcher Gruppen durchlaufen müssen. Schulungen, die letztlich ja auch den Betreuern helfen, Sicherheit im Umgang mit dem Nachwuchs bieten. „Das Ziel ist, Transparenz zu schaffen bezüglich der Jugendarbeit, wie wir sie uns vorstellen“, sagt der Sieveringer. Daher werde man die einzelnen Vorstandsämter zu beleuchten haben und den Schulungsbedarf ermitteln. „Ein Kassierer hat mit Jugendlichen nun mal weniger zu tun als ein Jungschützenmeister.“ Es gelte, die „Gefährdungslage“ zu analysieren. 

Die Abläufe 

Vom Bundesverband und Diözesanverband zur Bezirks- und dann auf die Ortsebene: Das ist der Weg des Papiers, das die einzelnen Ebenen durchlaufen hat und noch durchläuft. Man folge damit der kirchenrechtlichen Vorgabe, sagt Frieling. Nach den Missbrauchsfällen in der Kirche habe diese sich auf den Weg gemacht, mehr für die Prävention und den Schutz von Kindern zu tun. Aber jeder Bezirk, jede Bruderschaft muss die Inhalte auf den eigenen Bedarf anpassen, daraus Umsetzungsvorgaben und Handlungsvorschläge erarbeiten. „Alle sind betroffen, aber alle profitieren auch“, sagt Zeppenfeld. Man schaffe eine „neue Form der Transparenz gegenüber den Skeptikern.“ 

Musterkonzept 

Gut ein halbes Jahr hat Frieling am Entwurf für den Bezirk mit seinen nahezu 10 000 Schützen gearbeitet, der sich allein auf die Veranstaltungen auf Bezirksebene bezieht. Er und Zeppenfeld werden den Bruderschaften aber beratend zur Seite stehen. „Es wird ein Musterkonzept geben, an dem sie sich orientieren können.“ Jede Bruderschaft werde einen Ansprechpartner benennen müssen, der die Einhaltung kontrolliert. 

Frieling ist überzeugt, dass sich die neuen Vorgaben nicht negativ auf das Ehrenamt auswirken. „Wer Jugendarbeit betreiben möchte, lässt sich davon nicht abschrecken.“ Zeppenfeld geht davon aus, dass die Brudermeister des Bezirkes Werl-Ense das Konzept begrüßen. „Denn das sichert letztlich ja auch sie ab.“

Zeitplan des Schutzkonzeptes

Das Schutzkonzept wird bei der Frühjahrsversammlung am 29. März in Westönnen sowie bei der Bezirksjungschützenratssitzung am Mittwoch, 2. April zur Diskussion gestellt. Ob es dann auch schon verabschiedet werden kann, wird sich zeigen müssen. Man wolle das aber so schnell wie möglich, sagen Zeppenfeld und Frieling.

Lesen Sie auch:

Schützenfest-Saison 2018 im Kreis Soest

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare