Der Umbau läuft

Werler zieht in seine alte Schule

+
Michael Grams (links) und Robert Schaeffer bauen die „Alte Schule“ in Hilbeck gerade für ihre Zwecke um. Noch vor Weihnachten wollen sie dort mit ihrem Architektur-Büro einziehen.

Der Hilbecker Robert Schaeffer hat seine ehemalige Schule gekauft. Was er damit vorhat, verrät er im Gespräch mit dem Anzeiger.

Werl-Hilbeck - Weil Mitschüler miteinander quatschten, packte den Lehrer die Wut. Mit voller Wucht trat er gegen den Papierkorb neben seinem Pult. „Der Mülleimer verfehlte mich nur knapp und flog gegen die Wand“, erinnert sich Robert Schaeffer mit einem Schmunzeln an diese Episode seiner Schulzeit zurück.

1978 wurde er in Hilbeck eingeschult. 41 Jahre später steht er wieder in seinem alten Klassenraum. Bald wird es sein Büro sein. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Michael Grams hat er die „Alte Schule“ gekauft. Von außen wirkt das Gebäude unverändert, innen ist es eine Baustelle: Die Handwerker haben bereits mit Leichtbauwänden einen Teil des Flurs für zwei Toiletten abgetrennt.

Bauarbeiten in der ehemalige Schule

In den zwei früheren Klassenräumen wurden – vor allem aus Schallschutzgründen – zwei neue Decken eingezogen, wodurch die künftigen Büros 40 Zentimeter ihrer Höhe einbüßten. Außerdem stemmten die Bauarbeiter eine neue Türöffnung, die nun beide Räume miteinander verbindet. Im ehemaligen Lehrerzimmer, das künftig ein Besprechungsraum sein wird, soll ein Fenster noch auf Bodentiefe zu einem Ausgang erweitert werden, außerdem sind die Handwaschbecken aus den Räumen verschwunden.

Architekten-Gemeinschaft baut alte Schule in Hilbeck als Büro aus

Das wären aber auch schon die wesentlichen Eingriffe im Gebäude. Schließlich wollen die beiden Architekten möglichst viel vom alten Charme des Schulgebäudes bewahren. So bleiben die Klassenräume in ihrem Zuschnitt unangetastet. Die Eichendielen und die hölzernen Flügeltüren werden aufgearbeitet. Auch die roten Spaltklinker und die hölzernen Sprossenfenster im Flur bleiben erhalten. Dort sollen außerdem zwei Garderobenbänke wieder ihren Platz finden.

Es sind die einzigen Einrichtungsgegenstände der alten Schule, die Grams und Schaeffer noch auftreiben konnten. Um zu betonen, wie wenig an der Grundstruktur geändert wurde, sollen die neuen Elemente, etwa die Tür zwischen den Klassenräumen und das neue bodentiefe Fenster im früheren Lehrerzimmer schwarz hervorgehoben werden. Die beiden Firmen „Grams und Schaeffer Architekten“ und „Grams und Schaeffer Projektbau“ hatten bislang ihren Sitz in Bönen.

Büroräume werden privat genutzt

Doch der Bönener Grams will die Büroräume künftig privat nutzen. Und Schaeffer sagte zu seinem Partner: „Ich wüsste da noch eine coole Immobilie.“ Als Hilbecker, der dort einst die Schulbank drückte, habe er sich schon länger Sorgen um die Zukunft des Gebäudes gemacht. Den Umbau zu Wohnzwecken hatte er vor einigen Jahren schon mal erwogen und aus Kostengründen wieder verworfen. Doch als Büro sei das Gebäude gut geeignet. Lage und Bausubstanz seien gut. Der alte Baumbestand sorge für einen ganz besonderen Charme. Und von größeren Überraschungen seien sie beim Umbau bislang verschont geblieben.

Kleinere Überraschungen

Kleinere gab es durchaus: „Wenn wir das Wasser abdrehen wollen, wird es bei den 15 Rädchen im Keller schon mal zum Ratespiel. Und als wir den Strom abgestellt haben, war in der Dachgeschosswohnung komischer Weise der Fernsehempfang weg“, sagt Schaeffer. In der Wohnung hat die Stadt Flüchtlinge untergebracht. Deshalb werden Grams und Schaffer sie auch weiter an die Stadt vermieten. 

Noch vor Weihnachten wollen die beiden Architekten mit ihren drei Mitarbeitern die Büros beziehen. Im nächsten Jahr sollen dann Dach und Fassade saniert werden. Dabei hoffen sie auf eine Förderung für den „Erhalt von ortsbildprägender Bausubstanz“. 

Abriss hätte vielen weh getan

Über genau diesen freut sich auch Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Westervoß: „Der Abriss hätte vielen weh getan.“ Mit Blick darauf, dass in direkter Nachbarschaft viele Vereine aktiv sind und viel gefeiert wird, sei es auch zu begrüßen, dass ein Büro einzieht. Mit klassischer Wohnbebauung hätte es wohl Konflikte gegeben, glaubt Westervoß. „Dass es auch noch ein Hilbecker Junge ist, ist das I-Tüpfelchen.“

Die "Alte Schule"

Das Gebäude wurde 1940 als Teil der Volksschule errichtet. Nachdem Hilbeck 1968 Teil der Großgemeinde Rhynern wurde, verblieben in Hilbeck nur noch die Schüler der Klassen eins bis vier aus dem Dorf und aus Osterflierich sowie Teilen Allens. Die älteren Schüler gingen in Rhynern zur Schule. 

1975 wurde Hilbeck ein Teil Werls.  Doch die Verbindung nach Rhynern überdauerte diesen Einschnitt. Die Hilbecker Grundschule wurde zur Dependance der Carl-Orff-Schule. Schulträger wurde die Stadt Hamm, um die Gebäude, auch um den Bau von 1940, kümmerte sich die Stadt Werl. 

Vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen entschied sich Hamm schließlich, den Standort Hilbeck aufzugeben. Die letzten Schüler wechselten im Sommer 2013 nach Rhynern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare