Nur noch ein Pächter

Reitverein kommt nicht zur Ruhe

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Reinhard Nenkenherm vom Reit- und Fahrverein Werl und Umgebung schaut jeden Tag nach seinem Pferd. Es gehört zu den Glücklichen der Anlage, die auch ohne den Schulbetrieb Bewegung haben: Es ist ein Kutschpferd, und Nenkenherm lässt sich auch dieser Tage von ihm durch die Region fahren.

Werl – Der Zucht-, Reit- und Fahrverein Werl hat nur noch einen Pächter – und der ist erkrankt. Auch Corona sorgt dafür, dass der Verein nicht zur Ruhe kommt.

Zum 1. Mai hatte das Ehepaar Wodke aus Arnsberg die Reitanlage inklusive Außenplätzen und Stallungen übernommen. Einen schönen Stall mit neuem Hallenboden und einer komfortablen Außenanlage: „Wir haben einen Spring- und einen Dressurplatz, einen Fahrplatz, den einzigen im Kreis Soest, und wir haben Wiesen“, schwärmt Vorstandsmitglied Jochen Werkmüller.

Der Zeitpunkt für die Übernahme war zwar denkbar ungünstig wegen Corona, aber der Reitverein war zufrieden mit den Pächtern. Innerhalb kürzester Zeit sei es ihnen gelungen, alle 22 Pferdeboxen zu vermieten, im Sommer wurde die Anlage weiter aufgehübscht. Das Reiterstübchen erhielt eine neue Küche, Eingangsbereich und Stallgasse wurden neu gestrichen und der Waschplatz für Pferde vergrößert und großflächig neu gepflastert.

„Uns war wichtig, dass wir nicht mehr Betreiber der Anlage sind. So sparen wir als Verein die Umsatzsteuer, die wir zahlen müssten, sobald wir Dienstleistungen erbringen. Deswegen haben wir an Wodkes verpachtet.“

Nach einem halben Jahr in Werl geht das Ehepaar Wodke getrennte Wege, Armin Wodke ist alleiniger Pächter. Vorstandsmitglied Jochen Werkmüller findet: „Es läuft ganz gut.“ Vorstandsmitglied Susanne Gosemärker dagegen sagt, es sei „chaotisch“. Unterschiedliche Wahrnehmungen? Armin Wodke ist erkrankt. Für die Pferde werde aber gesorgt: „Herr Wodke hat Mitarbeiter, die sich um sie kümmern“, sagt Werkmüller. 

Ausbleibende Reitschüler

Wegen ausbleibender Reitschüler wurde bereits vor fünf Jahren der Schulbetrieb eingestellt, wurde die Reitlehrerin entlassen. „Das hat sich finanziell nicht mehr rentiert.“ Viele der 130 Mitglieder seien keine aktiven Reiter und der Reiternachwuchs, die Kinder, besuchen inzwischen fast alle Ganztagsschulen und kommen dann nicht mehr nachmittags zum Reitunterricht wie früher. Jetzt stehen nur noch Privatpferde in den Boxen, alles Freizeitpferde und Ponys sowie Fahrpferde.

Werkmüller hat den Trainer-A-Schein und bildet Kutsch-Fahrschüler auf dem 40 mal 80 Meter großen Fahrplatz aus. Im Moment natürlich nicht, denn während des Lockdowns ist Reit- und Fahrunterricht verboten. „Die Pferde dürfen bewegt werden, auch gefahren, aber es darf nicht ausgebildet werden“, erläutert Werkmüller.

Der Stall habe sich ganz gut mit den Vorgaben arrangiert: „Kommen darf nur, wer ein Pferd zu bewegen hat. Wer kommt, muss sich in eine Liste eintragen und Reiter von außerhalb dürfen die Stallgasse nicht betreten, höchstens mal mit Maske die Toilette benutzen.“

Der Außenreitplatz wurde für den Winter so eingeteilt, dass die Tiere, voneinander getrennt, aber mit Sichtkontakt, tagsüber stundenweise draußen an der frischen Luft stehen können. „Es gibt Leute, die füttern, misten und die Pferde rausstellen“, erklärt Werkmüller.

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