Abschied nach 30 Jahren

Im Werler Rathaus endet eine Ära

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Lassen das Rathaus hinter sich: Das Hausmeister-Ehepaar Reinhard und Margarete Kellerhoff geht in Rente.

Werl - Reinhard und Margarete Kellerhoff beenden nach über 30 Jahren ihren Dienst für die Stadt Werl. Das Hausmeister-Ehepaar geht in Rente und zieht aus der Wohnung im Rathaus aus. Beide erinnern sich an die eine oder andere lustige Anekdote aus der Stadtverwaltung und freuen sich auf die Zeit nach der Arbeit.

Reinhard Kellerhoff ist Handwerker durch und durch. Der 65-Jährige hat riesige Hände. Der große Schlüsselbund verschwindet in seiner Rechten fast vollständig, wenn er ihn von seinem Gürtel zieht. Dutzende Schlüssel baumeln an einem kleinen silbernen Ring. Reinhard Kellerhoff war der Hausmeister im Rathaus der Stadt Werl und der „Herr der Schlüssel“. 

Gemeinsam mit seiner Frau Margarete geht er jetzt in Rente. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Margarete Kellerhoff. Sie hat seit 1986 in der Kantine gearbeitet, später auch noch in der Poststelle der Stadt. Jeden Abend haben Margarete oder Reinhard Kellerhoff eine letzte Runde durch das Rathaus gedreht – einer musste noch das Licht ausschalten. Und das konnte spät werden. Die Sitzungen des Rates waren nicht immer pünktlich zu Ende.

Nächtliche Begegnung mit dem Bürgermeister

Reinhard Kellerhoff schließt das Rathaus ab. Jeden Abend haben die Kellerhoffs noch eine Runde durch das Gebäude gedreht – dabei wurde es auch schon mal später.

Eine spezielle Begegnung mit Bürgermeister Michael Grossmann hatte Margarete Kellerhoff. „Kurz vor Mitternacht bin ich noch einmal ins Rathaus, um zu arbeiten“, erinnert sich Michael Grossmann zurück. Margarete Kellerhoff hatte etwas gehört und schaute im Rathaus nach. Die 63-Jährige erschrak, als der Stadtchef plötzlich vor ihr auftauchte. Reinhard Kellerhoff hat 1981 bei der Stadtverwaltung begonnen. Zunächst war der gelernte Elektriker für die Straßenbeleuchtung zuständig, später dann für die Elektrik im Hochbau, ehe er vor 34 Jahren Hausmeister im Rathaus wurde. 

Eine Aufgabe mit Vor- und Nachteilen, sagt der  Rentner. Damals herrschte nämlich noch Präsenzpflicht für den Hausmeister. Die Kellerhoffs mussten mit ihren Kindern in die vorgesehene Wohnung im Rathaus ziehen. Zunächst gab es noch eine Terrasse und eine kleine Grünfläche gegenüber der Wohnung, die das Hausmeisterehepaar nutzen konnte. Das Grundstück hat die Stadt dann aber veräußert. „Einfach mal zum Grillen nach draußen gehen war nicht mehr möglich“, sagt Margarete Kellerhoff.

Die Arbeit haben die Kellerhoffs gerne gemacht. Michael Grossmann lobt sie als motivierte Mitarbeiter: „Die beiden haben kein Blatt vor den Mund genommen. Fachlich findet man immer eine Lösung, aber menschlich werden sie mir fehlen.“ Einen Nachfolger für Reinhard Kellerhoff habe die Stadt bereits gefunden. Dieser werde noch offiziell vorgestellt. „Wilhelm Dirkmann war mit Sicherheit der prägendste Chef“, sagt Reinhard Kellerhoff über den verstorbenen Stadtdirektor. „Das war ein Chef.“ Zwar habe es auch mal gekracht, aber am nächsten Tag sei alles wieder gut gewesen. „Ein guter Mensch“, erklärt Reinhard Kellermann. Ein ähnliches Zeugnis stellen die Kellerhoffs auch Bürgermeister Michael Grossmann aus. „Es waren sehr gute, sehr beliebte Mitarbeiter. Beide mit einer eigenen Persönlichkeit“, gibt Grossmann zurück. 

Hilferufe aus der Toilette

Auch als aus einer Rathaustoilette Hilferufe drangen, waren Reinhard und Margarete Kellerhoff zur Stelle. Eine skurrile Situation, sagt Margarete Kellerhoff, und nach über 20 Jahren noch fest in ihrem Gedächtnis verankert. „Ein Kollege hing oben aus dem Fenster. Während er auf der Toilette saß, hatte die Putzfrau die Tür abgeschlossen.“ Fast eine halbe Stunde verharrte der Mitarbeiter der Stadt rufend auf der Toilette, dann hat das Hausmeisterehepaar ihn befreit. Heute werden die Kellerhoffs offiziell von der Stadt verabschiedet. Eine neue Wohnung musste her, denn die Dienstwohnung ist ebenfalls Geschichte.

Top-Stadt, aber kein Einkaufsparadies

Auswandern ist für das in Werl geborene Hausmeisterehepaar keine Option. „Wir kennen in Werl unglaublich viele Leute. Das ist eine Top-Stadt“, sagt Reinhard Kellerhoff, „aber kein Einkaufsparadies.“ Die Kellerhoffs haben drei Kinder und zwei Enkelkinder. 

Ein gewohntes Bild: Margarete Kellerhoff steht in der Rathaus-Kantine hinter dem Tresen. Süßigkeiten und vor allem Käsebrötchen sind bei den Mitarbeitern gefragt.

Die neue Wohnung hat einen Garten, sie wird aber noch renoviert, sagt Reinhard Kellerhoff, der die meisten Arbeiten selber durchführt. Dann feiern die Kellerhoffs die kirchliche Hochzeit von Sohn Sebastian in Werl. Der arbeitet zurzeit als Küchendirektor einer großen Hotelkette in Schanghai in China. 

Die Kellerhoffs haben ihn bereits in Dubai, Kiew und Moskau besucht. Die Töchter Friederike und Katharina sind in Deutschland geblieben. Während Friederike in der Nähe von Köln lebt, ist Katharina in Werl geblieben – mit den beiden Enkelkindern. Die neue Wohnung der Kellerhoffs ist gleich um die Ecke. „Wir freuen uns natürlich auf die Zeit mit den Enkelkindern.“ Im Garten kann dann auch endlich wieder gemeinsam gegrillt werden.

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