Streit um Ananas-Schale: Flasche auf Kopf geschlagen

WERL ▪ Wohin mit den Ananasschalen? Auf einer türkischen Hochzeitsfeier entbrannte im Dezember 2011 ein Streit darüber, ob die Schale auf einen Teller gelegt wurde, auf dem noch Essen lag, oder auf einen Abfallteller mit Essensresten. Jetzt sah man sich vor Gericht wieder.

Der Vorfall war schon längst vorbei, als einer der Beteiligten seinem Tischnachbarn dann später noch eine Mineralwasserflasche auf den Kopf schlug. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich nun ein Rentner vor dem Amtsgericht Werl verantworten.

Eine Haftstrafe von sieben Monaten, zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, lautete das Urteil gegen den Fröndenberger, der auf der Hochzeit in Werl zugeschlagen hatte. Bei der Urteilsfindung gegen den 70-Jährigen berücksichtigte das Gericht allerdings eine verminderte Schuldfähigkeit. Der Angeklagte sei seit acht Jahren wegen Depressionen in nervenärztlicher Behandlung. Seit zwei Jahren liege bei dem Angeklagten eine „hirnorganische Störung“ vor, die auch schon zu einer stationären Behandlung geführt habe. Aufgrund dieser Erkrankung sei zur Tatzeit bei dem Angeklagten die „Steuerungsfähigkeit“ beeinträchtigt gewesen. Der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte bekam als Bewährungsauflage, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 1 200 Euro in 24 Monatsraten zu je 50 Euro zu zahlen.

Zum dem Vorfall kam es am 25. Dezember 2011 auf einer türkischen Hochzeitsfeier in Werl. Der Angeklagte und der Geschädigte saßen zusammen an einem Tisch. Im Laufe der Feier kam es zwischen beiden zu einem kurzen Streit. Der Geschädigte hatte sich von einem Obstteller eine Ananas genommen und schälte diese. Dass er dabei die abgeschälten Teile auf einen Teller geworfen habe, auf dem sich noch Essen befand, störte den Angeklagten. Der als Zeuge vernommene Geschädigte behauptete allerdings, dass der Teller, auf den er die Teile gelegt und nicht geworfen habe, ein Abfallteller mit Essensresten gewesen sei. Ob die Reste der Ananas nun richtig entsorgt wurden oder nicht, dürfte für das Gericht wohl ohnehin unerheblich gewesen sein. Ausschlaggebend war schließlich für die Urteilsfindung, was später geschah. Zunächst ging es an dem Tisch dann noch eine ganze Zeit friedlich weiter. Gegen 21 Uhr verabschiedete sich der Angeklagte dann per Handschlag von allen Tischnachbarn. Dabei gaben sich auch der Geschädigte und der Angeklagte die Hand. Als sich nach diesem letzten Handschlag der Geschädigte ahnungslos herumdrehte, ergriff der Angeklagte plötzlich eine auf dem Tisch stehende Mineralwasserflasche und schlug sie unvorhergesehen dem Geschädigten auf den Kopf. Dieser erlitt erhebliche Verletzungen mit einer verbleibenden Narbe.

Der Geschädigte und fünf weitere als Zeugen vernommene Teilnehmer der Feier konnten sich das Verhalten des ihnen bekannten Angeklagten nicht erklären – nicht zuletzt auch wegen des zeitlichen Abstands zwischen der Sache mit der Ananas und dem Schlagen mit der Flasche. Der Gutachter informierte vor Gericht dann über die Erkrankung des Angeklagten, den er zum Tatzeitpunkt als vermindert schuldfähig einstufte. J wi

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