Preußen-Abteilungsleiter zieht Bilanz: "Die Außendarstellung ist oft falsch"

+
Zurzeit spielt die erste Mannschaft von Preußen, wie hier gegen Wickede, in der Kreisliga A. Langfristig soll es die Bezirksliga sein.

Werl – Ein Jahr ist mittlerweile vergangen, seitdem Patrick Timm seine Arbeit als Abteilungsleiter der Fußballer von Preußen TV Werl aufnahm. Im Interview mit Anzeiger-Volontär Matthias Scheuren spricht er über den Start und warum er der Fußballabteilung zu einem besseren Image verhelfen möchte.

Herr Timm, warum wollten Sie vor einem Jahr Abteilungsleiter von Preußen TV Werl werden?
Ich bin, wie so viele in meiner Position, durch die Familie zum Fußball gekommen. Ich bin ursprünglich Handballer, aber mein neunjähriger Sohn spielt in der E-Jugend von unserem Verein. Ich habe zwei Jahre vorher in der Jugendabteilung als Trainer meine Erfahrungen gemacht. Dann wurde ich vor einem Jahr gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mich im Vorstand zu engagieren. Und da es zeitlich gerade passte, bin ich der Anfrage gerne nachgekommen. Man merkt ja schnell, ob es passt und ob es einem Spaß macht, sich im Verein einzubringen. Dann gab es auch auf der Vereinsseite das Bestreben, den Vorstand zu verjüngen – und so griff ein Rad ins andere. Ich bin bei Preußen vorher nicht bekannt gewesen, bin also kein Ur-Preuße. Ich bin neutral dazu gekommen. Und das hat wahrscheinlich den Ausschlag gegeben – da es für den Verein gut sein könnte, objektive Ansichten auf die Gesamtentwicklung zu bekommen. 

Jetzt ist ein Jahr vergangen, wie ist der Stand der Dinge sportlich, im Vorstand und im Vereinsleben?
Zunächst musste ich den Vorstand an sich kennenlernen. Da ging es um die grundlegenden Fragen, wer macht was, wer kümmert sich um was, welche Aufgaben gibt es überhaupt? Natürlich habe ich mich vorher informiert, was ein Vorsitzender oder in unserem Fall Abteilungsleiter so tut. Ich finde, die einzelnen Vorstandsposten sind gut besetzt, und nach einem Jahr läuft das schon ganz gut. 

Gibt es schon erste Ziele, die Sie sich bei Amtsantritt gesetzt hatten, und die sie verwirklichen konnten?
Durch meine Tätigkeiten als Trainer und im Jugendvorstand war mir schnell klar, wo es Optimierungen geben muss und Luft nach oben ist. Ich bin beruflich im Vertrieb tätig. Dort arbeite ich ja auch strukturell auf Ziele hin, und das kann ich auch auf eine Fußballabteilung übertragen. Da gibt es immer Sachen, die laufen sehr gut, und es gibt Sachen, die sind eher verkrustet, wo man neue Wege gehen kann.

Können Sie da konkret werden?
Zum Beispiel veranstalten wir im Winter immer ein Jugendturnier, auch als Nikolausturnier deklariert. Da kommen immer rund 70 Mannschaften zu uns, die größtenteils für dieses Jahr schon wieder zugesagt haben. Das ist also überregional bekannt mit einem besonderen Highlight für die Bambini, wenn der Nikolaus zu Besuch kommt. Da brauche ich zum Beispiel nicht einzugreifen, da das unser Jugendleiter Kevin Ptacek wunderbar koordiniert. Ein ähnliches Turnier veranstalten wir auch im Sommer, und auch das läuft sehr gut. Da können wir den Verein sehr gut nach außen darstellen. 

Also wird ein großes Augenmerk auf die Jugend gelegt?
Wir dürfen die Senioren natürlich nicht aus dem Blick verlieren, aber ein Verein bekommt erst ein Gesicht durch seine Jugendarbeit. Uns ist es nicht wichtig, irgendwelche Bundesliga-Stars auszubilden. Wir wollen eine Begegnungsstätte sein, in der die Kinder soziale Kompetenzen entwickeln, beispielsweise lernen, Streitigkeiten, die es im Fußball immer gibt, zu lösen. Und wir wollen eine Möglichkeit geben, die Kinder von den Medien, wie Computer oder Playstation, fernzuhalten. Daher ist es mir auch wichtig, mich viel mit den Eltern auszutauschen. Bei uns herrscht zum Beispiel ein Handyverbot auf dem Platz. Klar nutzen wir auch manchmal das Vereinsheim, um mal eine Runde Fifa 20 zu spielen, das gehört auch dazu. Der Zusammenhalt untereinander ist generell sehr gut, wir haben eine familiäre Atmosphäre und ein gutes Vereinsleben. Die Grundvoraussetzungen sind vorhanden. 

Und wo sind Stellschrauben, an denen Sie noch drehen müssen?
Wir müssen an unserer Außendarstellung arbeiten. Uns eilt immer der Ruf voraus, dass wir Tretertruppen sind, die eine unfaire Spielweise an den Tag legen. Das hat mich schon immer als Papa gestört – und jetzt als Abteilungsleiter umso mehr. 

Woher kommt dieses Image?
Wer einen Blick auf die Statistiken der Gelben und Roten Karten wirft, wird feststellen, dass wir eine der fairsten Mannschaften sind. Ich finde, Emotionen gehören zum Sport dazu. Aber oft haben die Fans ein verschobenes Bild auf die Realität. Es ist schwierig, gängige Vorurteile abzulegen. Objektiv kann man doch auch nicht erklären, warum Dortmunder und Schalker sich nicht leiden können. Aber das sind Gegebenheiten, die einfach so sind, obwohl die Menschen sich ohne den Fußball verstehen würden. Die Außendarstellung ist oft falsch. Wir nehmen eigentlich jeden mit, egal, welches Aussehen, welche Nation oder welche Hautfarbe. Mein Ziel ist es zu erreichen, dass wir Preußen positiv wahrgenommen werden. Und daran arbeiten wir täglich.

Abteilungsleiter Patrick Timm möchte das Image seines Vereins aufbessern.

Was sind die nächsten Schritte, die Sie gehen möchten?

Wir arbeiten an einem Jugendkonzept. Das heißt, wir wollen genaue Rahmenbedingungen schaffen, dass alle wissen, wie wird ein Kind oder ein Jugendlicher bei uns im Verein behandelt. Das machen wir, damit jeder, der im Verein tätig ist, vor allem die Trainer, ein Leitbild hat, an dem er sich orientieren kann. Dafür haben wir mit vielen Vereinen gesprochen, auch über die Kreisgrenzen hinaus, um zu schauen, wie es dort funktioniert und was wir davon gebrauchen können. Das soll kein 30-seitiges Buch werden, sondern vielleicht acht klar formulierte Sätze, die dann im zweiten Schritt problemlos umgesetzt werden können. Dafür werden wir uns in Kürze mit der ganzen Abteilung treffen, um es dann auch relativ zügig nach außen zu tragen. 

Und langfristig?
Als ein Verein, der aus einer Stadt mit 35 000 Einwohnern kommt und über 350 Mitglieder verfügt, wollen wir natürlich sportlich so gut dastehen wie möglich. Das heißt, im Seniorenbereich wollen wir schon langfristig in der Bezirksliga mitmischen. Natürlich hängt das auch immer von den Gegebenheiten ab. Und, um auf die Jugendarbeiten noch einmal zurückzukommen: Wir wollen Kindern neben dem stark zunehmenden Schulstress ein sicheres und geborgenes Umfeld bieten, wo sie sich ihren Ausgleich holen und mal zwei Stunden abschalten können. 

Gibt es da andere Vereine, die Sie sich als Vorbild nehmen?
Da muss ich natürlich die Jugendarbeit von Westfalia Soest nennen, die hervorragend ist. Auch Westfalia Rhynern oder im Dortmunder Raum Brünninghausen machen das sehr gut. Wir haben in der Stadt Werl mit Büderich und Westönnen auch andere Vereine, die viele Kinder binden. Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt. Wir bieten mit einem Naturrasenplatz auch beste Trainingsbedingungen, wir haben eine schöne Außenanlage auch für die Eltern. Unsere Trainings werden immer gut besucht, und wir bieten ihnen dort gerne Kaffee und Kuchen an. Das verbindet. Wir müssen auch sagen, dass die Stadt Werl uns gut dabei unterstützt, Angebote über den Fußball hinaus zu verwirklichen.

Gibt es in Sachen Jugendsportplatz etwas Neues zu vermelden?
Hinter unserem Vereinsheim ist ein nicht genutzter Platz. Da wollen die Stadt und das Land Fördermittel zur Verfügung stellen. Wir arbeiten mit dem Werler TV daran. Da gibt es keinen neuen Stand. Aber wir arbeiten daran, damit wir den wachsenden Jugendzahlen gerecht werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare