Porsche-Prozess

Autosammler verklagt Werler Firma: Streit um teuren Luxus-Wagen vor Gericht

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Es geht um viele PS – wobei „PS“ auch für „Porsche-Streit“ stehen kann. Denn um einen solchen Wagen, ein altes, sehr seltenes und vor allem teures Exemplar, geht es vor Gericht. Und um vier weitere Autos, die im Tausch als Bezahlung herhalten sollten.

Werl/Arnsberg - Im Streit um einen Porsche 911 RS 3.0 (Baujahr 1974) hat ein Schweizer Autosammler eine Werler Firma verklagt; die 2. Zivilkammer des Landgerichts verhandelte jetzt in dem Fall. Es geht um einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag und ein Auto, das vom Traumwagen zum „Albtraumwagen“ wurde. Ein Urteil steht noch aus. Am 26. Juli soll es um 10 Uhr einen Verkündungstermin geben. Und es zeichnet sich ab: Beide Seiten könnten offenbar das sein, was man „gelackmeiert“ nennt im dubiosen Spiel um insgesamt fünf Sportwagen.

Zunächst ging es nun vor Gericht darum, Licht in die Vorgänge um die fünf Autos zu bringen mit einem Gesamtwert weit jenseits der Millionen-Grenze. Ziel des Klägers ist, den Kaufvertrag über jenen Porsche rückabzuwickeln. „Der Kläger sammelt als Hobby klassische Sportwagen, mit denen er regelmäßig an deutschen Sportwagenveranstaltungen teilnimmt“, teilt das Landgericht Arnsberg mit. Die beklagte Werler Firma handelt demnach mit klassischen Sportwagen.

Schweizer "sportwagenverrückt"

Als „sportwagenverrückt“ bezeichnet der Hamburger Anwalt Dr. Mathias Creon seinen Schweizer Mandanten. Eine Sammlung von sportlichen Oldtimern nennt der Mann sein eigen. Dann erregte jener Porsche aus Deutschland seine Aufmerksamkeit, der offenbar zu erwerben war – ein seltenes Sammlerstück deutscher Automobilgeschichte, mit rund einer Million Schweizer Franken taxiert. Hier kommt die Werler Firma ins Spiel, über die jener Wagen über einen Dritten offeriert worden sein soll.

Der Werler Geschäftsführer soll selber einst in der Schweiz gearbeitet haben bei einer Firma, die in Branchenkreisen als renommiert für den Vertrieb von Porsche galt. Später machte sich der Werler selbstständig mit einem Betrieb in der Wallfahrstadt – auch hier mit einem Schwerpunkt jener Sportwagenmarke. Unter anderem gibt es einen Vertriebsstandort in der Schweiz.

Kenner der Branche schaltete sich ein

Die Verwicklungen nahmen ihren undurchsichtigen Lauf: Ein ehemaliger Arbeitskollege des Werlers schaltete sich ein, ein Kenner der Branche; er soll den Schweizer Kunden auf jenen legendären Sportwagen aufmerksam gemacht und auch den Verkaufsdeal in der Schweiz eingefädelt haben, sagt Anwalt Creon. Der Porsche 911 RS 3.0 sei vorübergehend aus Deutschland zur Begutachtung in die Schweiz zu seinem Mandanten gebracht worden. Es wurde gefeilscht um den Preis bis zur Einigung: 710.000 Schweizer Franken (rund 670.000 Euro).

Der Käufer müsse nicht in bar, sondern könne auch mit Wagen seiner eigenen Sammlung bezahlen, habe der Mittelsmann angeboten. Das habe sein Mandant angenommen, sagt der Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht: Zwei Porsche, einen Renn-Ford Capri und eine Corvette aus seiner Sammlung wollte der Schweizer abgeben, um den Sportwagen aus Deutschland zu erwerben. Allerdings sollte das Auto der Begierde in Deutschland zugelassen werden und dort in einer Garage verbleiben, um mit ihm zum Beispiel auf dem Nürburgring fahren zu können; auch das sei Teil der Absprache gewesen. Per Fax sei dann das Geschäft mit der Werler Firma vertraglich geregelt worden, sagt Anwalt Creon, und zwar am 15. August 2018, auf dem Briefpapier des Werler Unternehmers, unterschrieben und gestempelt.

Porsche 911 verschwunden

Der Schweizer Käufer sei daraufhin seiner vertraglichen Pflicht nachgekommen und habe kurzfristig die vier Oldtimer seiner Sammlung an drei ihm benannte Empfänger in der Schweiz übergeben. Der Porsche aber, um den sich alles dreht, sollte nach ein paar Tagen zunächst wieder nach Deutschland gebracht werden, unter anderem wegen einer kleinen Reparatur – und weil er eh hier zugelassen werden sollte.

Der „911“ sei absprachegemäß beim Käufer wieder abgeholt worden – und seitdem verschwunden, sagt der Hamburger Anwalt. Sein Mandant sei erst nach einiger Zeit misstrauisch geworden, habe nachgehakt und schließlich Strafanzeige erstattet. Die Versuche, die vier ausgelieferten Autos wiederzubekommen, seien gescheitert; die Erwerber hätten angegeben, den Mittelsmann bezahlt zu haben.

Schweizer bleibt auf dem Schaden sitzen

Nun sitzt der Schweizer auf seinem Schaden. Vor Gericht habe es geheißen, sagt Creon, dass der teure Wagen der Werler Firma nie gehört habe. Da der Schweizer aber mit der Werler Firma den Vertrag geschlossen hat und der Kläger sie in der Vertragserfüllungspflicht sieht, habe man den Werler verklagt auf Schadensersatz – auch wenn letztlich der Mittelsmann derjenige sein könnte, der Böses im Sinn hatte, ohne dass der Werler etwas davon ahnte.

Es sei gut möglich, dass der Werler Händler einem Falschen vertraut habe, sagt Anwalt Creon; haften müsse der Händler dennoch. Noch vor Gericht stellte der Anwalt einen Hilfsantrag, der die Herausgabe der vier getauschten Oldtimer vorsieht, „womit sich die Sache ebenfalls erledigen ließe“. Unterm Strich stehen womöglich gleich zwei Betrogene: sein Mandant und der Händler aus Werl. „Aber der Betrug ging bis jetzt allein zu finanziellen Lasten meines Mandanten. Das beabsichtige ich zu ändern.“

"Mandant hat den Vertrag erfüllt"

Ganz anders sieht der Soester Anwalt Dr. Kai Boin, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, die Sachlage. Im Gegenteil habe sein Werler Mandant Ansprüche an die Gegenseite und sei der Geschädigte. Schließlich habe der Schweizer den seltenen Porsche nachweislich erhalten, und das Fahrzeug sei auch für jedenfalls zwei Wochen in der Schweiz im Besitz des Käufers gewesen. Dass der Sammler es dann jenem nicht befugten Dritten hinterließ, es in dessen Werkstatt verbrachte und es danach verschwand, könne man dem Händler in Deutschland nicht anlasten. „Mein Mandant hat den Vertrag erfüllt“, sagt Dr. Boin. „Aber wir warten noch auf die Erfüllung der Gegenseite.“

Die angekündigten vier Tausch-Fahrzeuge seien nie in Deutschland angekommen; vielmehr habe der Käufer zwischenzeitlich erklärt, die Fahrzeuge abredewidrig an Dritte übereignet zu haben. Sein Mandant habe den Porsche rechtmäßig an den Sammler veräußert und sei mithin nun auch finanziell geschädigt. An der Befugnis, den Wagen zu verkaufen, bestehe kein Zweifel. Aufgrund der Aussagen des Käufers vor Gericht prüfe man, nun Gegenansprüche gegen den Schweizer Sammler geltend zu machen, sagt Dr. Boin. Dass jener Dritte, den der Käufer aus der Schweiz gut gekannt habe, erst für den Schaden gesorgt hat, zeichne sich in der Tat ab. Es gebe entsprechende Strafanzeigen gegen den Mann von beiden Seiten, dem Werler Händler und dem Schweizer Sammler.

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