Mehrere Anklage-Punkte

Vor Polizistin ausgezogen und onaniert: Werler Serientäter vor Gericht

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Werl - Die Bevölkerung der Hellwegstadt kann aufatmen. Ein Werler Serientäter, der eine Weile sein Unwesen trieb, sitzt erst einmal hinter Gittern.

Dass er seiner Vorladung vor das Werler Amtsgericht diesmal überhaupt Folge leistete, und das schon im ersten Anlauf des aktuellen Verfahrens, war im Prinzip der Tatsache zu verdanken, dass er dies sonst nicht tut: Das Lippstädter Amtsgericht hatte nach mehreren geplatzten Terminen einen Hauptverhandlungshaftbefehl gegen den Werler erlassen, verhaftet wurde er Mitte Dezember in Bonn, seither sitzt er in der JVA Hamm ein.

Jetzt wurde er der Werler Strafrichterin vorgeführt. Der Mittdreißiger gehört zu den „Hauptdarstellern“ des örtlichen Polizeiberichts, dann stets in der Rolle des „polizeibekannten Werlers“. Ein Mann, dem von Psychologen als Folge langen Drogen- und Alkoholmissbrauchs diverse psychische und posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) attestiert werden.

"Sicherheitsempfinden hat durch ihn gewaltig gelitten“

Mit dem Gesetz kam er schon oft in Konflikt, zuletzt hatte er zwei Jahre lang in Schwerte eingesessen. Kaum entlassen und zurück in Werl, bereitete er der Polizei im August und September vergangenen Jahres so viel Arbeit, dass es für fünf Anklageschriften reichte. Oder wie es einer der beteiligten Polizisten ausdrückte: „Ich finde es extrem, wie viel er begehen konnte, bis er endlich einmal in Haft genommen wurde. Ich wurde schon dauernd gefragt, wie es denn sein kann, dass der immer noch frei herumläuft. Das Sicherheitsempfinden der Werler hat dadurch gewaltig gelitten.“

Die Vorwürfe räumte der Mann vor Gericht zwar allesamt ein, will sich aber teilweise mit Verweis auf Trunkenheit und Drogenrausch entweder nicht erinnern können oder hatte unglaubhafte Ausreden parat. Am 4. August wurde die Polizei zu einer „vermeintlichen“ Schlägerei auf offener Straße gerufen.

Polizisten beleidigt und bespuckt

Dort trafen die Beamten auch auf den Angeklagten, dem vor ihren Augen zwei kleinere Behälter mit Drogen zu Boden fielen. Bei der Feststellung seiner Personalien wurde er zunehmend renitent, da er glaubte, man wolle ihn mit der Schlägerei in Verbindung bringen. Auch vor Gericht behauptete er, von den Polizisten grundlos zusammengeschlagen worden zu sein. Vielmehr hatten die ihn am Boden fixieren müssen, was „nur unter großen Mühen und mit erheblichem Kraftaufwand möglich war“, so ein Polizist.

Ihm versuchte der Beschuldigte den Fuß wegzureißen und den über ihm hockenden Beamten so zu Fall zu bringen. Er titulierte ihn und seine Kollegen als „Wichser“, wiederholt aber vor allem als „Juden“, was für ihn eine Beleidigung zu sein scheint. Auf dem Weg ins Revier spuckte er einen an, verhielt sich auch in der Gewahrsamszelle noch sehr aggressiv. Der Alkoholtest ergab 1,72 Promille, der Drogenbefund war positiv.

Ausgezogen und masturbiert

Richtig rund ging es am Monatsende. Am 29. August wurde er erwischt, wie er in einem Lebensmittelmarkt eine Flasche Jägermeister und Kosmetika im Wert von 60 Euro mitgehen lassen wollte. In der Gewahrsamszelle zog er sich komplett aus und baute sich am späten Abend entblößt und masturbierend vor einer Polizistin auf. Angeblich sei er von den Beamten ausgezogen worden, das verneinten diese jedoch.

Am Tag darauf wieder auf freiem Fuß, marschierte er, seinem Hausverbot entgegen, wieder in den Markt, wurde dort ausfällig und von der Polizei an einer Tankstelle aufgegriffen, wo sie ihn randalierend und die Mitarbeiter terrorisierend antraf. Abermals spuckte er um sich.

Im Drogenwahn Tasche geklaut

Am 9. September setzte er noch einen drauf. Angeblich hatte er seine Tasche verloren und wollte nun an der Rezeption eines benachbarten Lokals fragen, ob sie dort abgegeben worden sei. Da habe er eine Tasche gesehen, die er im Drogenwahn für seine gehalten und daher einfach mitgenommen habe. Videoaufnahmen dagegen beweisen, wie er in einem Moment, da die Rezeption nicht besetzt war, hinter die Theke ging, eine Schublade öffnete und die Tasche daraus entwendete.

Sie gehörte dem Inhaber, in ihr befanden sich neben persönlichen Dokumenten etliche Kreditkarten und Bargeld im Wert von rund 1.000 Euro in drei Währungen. Am Tag darauf wieder bei klarem Verstand, habe er den Irrtum erkannt und sei mit seinem Anwalt zur Polizei gegangen, um die Tasche abzugeben. Bargeld habe sie jedoch nie enthalten.

Da der Werler bei der Tat nicht allein unterwegs war, besteht die Möglichkeit, dass sein Kumpel das Geld an sich genommen hat – zumal die Überwachungskameras einer Bank am folgenden Tag Bilder einer vermummten Gestalt festhielten, deren Figur jedoch nicht der des Angeklagten entsprach, der dort versuchte, mit einer der Karten Geld abzuheben.

Gutachter soll Schuldfähigkeit klären

Aufgrund seiner psychischen Situation sah die Richterin keinen anderen Weg, als einen Gutachter zu bestellen, der über die Schuldfähigkeit des Mannes entscheidet. Die Verhandlung wurde somit ausgesetzt und wird zu einem späteren Zeitpunkt mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Der Beschuldigte sitzt derweil weiterhin in der Justizvollzugsanstalt Hamm ein.

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