Nach Wetterkapriolen

So fällt die erste Ernte-Bilanz für Werl aus

+
Die Getreide-Ernte ist für die Werler Landwirte nicht zur Katastrophe geworden.

Werl - Die Getreide-Ernte ist für die Werler Landwirte nicht zur Katastrophe geworden. Man sei mit einem blauen Auge davongekommen, sagt Ortslandwirt Henning Cloer. Dennoch sei die Entwicklung seit dem vergangenen Jahr sehr bedenklich.

Sintflutartiger Starkregen und Hagel erwischte den Werler Westen und Büderich noch im Mai. Im Juli schnellten die Thermometer dann bis an die 40-Grad-Marke. Die Wetterkapriolen ließen die Sorgenfalten bei den Werler Landwirten größer werden. Henning Cloer gab jetzt eine erste Entwarnung.

Die Erträge beim Weizen seien gut. Ende Juli hatte Kreislandwirt Josef Lehmenkühler gerade bei Weizen und Triticale noch mit Einbußen gerechnet. „Bei der Gerste ist alles dabei – von gut bis schlecht“, sagt Cloer. Die Raps-Ernte sei allerdings nicht gut ausgefallen. „Wir hatten zu wenig Niederschlag und Spätfröste“, so Cloer. Im vergangenen Jahr seien die Ernteausfälle extremer gewesen. 

Lage in anderen Regionen dramatisch

Henning Cloer blickt aber auch über den Tellerrand hinaus. In Mecklenburg-Vorpommern sei die Lage deutlich dramatischer. „Dort geht es mittlerweile um Existenzen“, erklärt Cloer. Die Sandböden im Nordosten Deutschlands litten unter extremem Wassermangel – das wirke sich auch stark auf die Ernte aus. Auch im Münsterland habe die lange Trockenphase Spuren hinterlassen. „Dort ist der Mais zur Zeit viel zu trocken und bildet zum Teil gar keine Kolben mehr aus“, sagt Cloer. Zwar mache sich auch in Werl das Niederschlagsdefizit bemerkbar, aber die Böden hätten das bislang einiger Maßen kompensiert. 

Ein ähnliches Bild zeichnete auch Theo Arndt, Landwirt und Vorsitzender der Wickeder Bauerschaft auf Anzeiger-Anfrage. Einige Äcker hätten durchschnittliche Getreide-Ergebnisse geliefert, andere hingegen eher mäßige. Für die anstehenden Mais- und Kartoffel-Ernten sieht Henning Cloer ebenfalls noch nicht ganz schwarz. „Das geht alles noch“, sagt er. 

Bewässerung für Kartoffeln

In Wickede hat ein Landwirt bereits auf eine ungewöhnliche Methode zurückgegriffen. Er hat seine Kartoffelfelder gewässert. „Das ist eine Möglichkeit bei Sonderkulturen“, sagt Cloer. Dazu zählen auch Gemüse-Felder. 

Auch Kreislandwirt Josef Lehmenkühler hatte Ende Juli im Anzeiger-Gespräch vorausgesagt, dass man in Zukunft mehr Bewässerungsanlagen sehen werde. Und zwar weniger beim Getreide, sondern vielmehr bei den hochwertigen Früchten wie Kartoffeln oder Gemüse. Da lohnt sich der Aufwand schon eher, und man investiert auch in solche Anlagen. 

Die Qualität von Gerste und Raps habe laut Cloer durch das Wetter gelitten. Das sei auch bei Kartoffeln und Mais zu befürchten. 

Erntezeiten verschieben sich

Durch die extreme Trockenheit haben sich die Erntezeiten bereits um einige Wochen verschoben. „Normalerweise würden wir jetzt erst mit der Weizen-Ernte beginnen“, erklärt Cloer. Die sei aber schon vorbei. Cloer rät aber von Schnellschüssen ab: „Es ist zu früh, die komplette Fruchtfolge umzustellen.“ 

Man müsse die nächsten Jahre abwarten. Zunächst setzen die Landwirte in Werl weiter auf stressresistentere Pflanzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare