Neue Verteilung bei Grundschulplätzen

Schulgesetz sorgt bei Werler Eltern für Unmut

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Erhielten eine Absage von der Walburgisschule: Mutter Julia Wasem (32) mit ihren Zwillingen Alexandra (rechts) und Viktoria (beide 5). Ab August gehen die Mädchen nun in die Petrigrundschule.

Werl - Das Schulgesetz, das die Stadtverwaltung bei den Bewerbungen für die ersten Schulklassen zu Grunde legt, sorgt bei den Eltern im Werler Süden für viel Unmut. Kinder, die gemeinsam in den Kindergarten gegangen sind, werden getrennt – den Schulweg zur Norbertschule sehen sie als nicht sicher genug an.

Das Stadtgebiet wurde in den vergangenen Jahren durch das neue Schulgesetz neu aufgeteilt. Das bedeutet, dass bei der Vergabe der Schulen bei den Eingangsklassen nicht mehr Gebiete als Grundlage dienen, sondern der kürzeste Weg zur Schule.

Von dieser Gesetzgebung sind besonders die so genannten „Musikerstraßen“ im Werler Süden betroffen. Gehörte der Werler Süden früher als Schulbezirk zur Walburgisschule, sollen nun einige Schüler zur Norbertschule gehen, da dort der Weg kürzer ist. „Wir können hier nicht für Einzelne Gesetze machen. Uns sind bei der Vergabe der Plätze die Hände gebunden“, begründet Iris Bogdahn, Fachbereichsleiterin der Stadt Werl, das Auswahlverfahren. „Nachdem die Schulbezirke abgeschafft wurden, zählt für uns als Vorgabe, die Entfernung zur nächstgelegenen Schule.“

Eltern kritisieren Reglung

Die Eltern im Werler Süden sind über die neue Reglung nicht glücklich. „Wir haben in unseren Bereich nur einen Kindergarten, wo auch alle Kinder hingehen. Da entstehen Freundschaften, die durch diese neuen Gesetze kaputtgemacht werden“, ist Mutter Tanja Neugebauer verärgert. „Besonders als alleinerziehende Mutter sind in unserer Wohngegend viele auf Unterstützung angewiesen. Das ist es von großer Hilfe, wenn mal ein Nachbar beim Hinbringen oder Abholen helfen kann. Dies fällt bei dieser Trennung alles weg“, ergänzt Mutter Nina Flormann.

Für Julia Wasem, sie ist alleinerziehende Mutter von Zwillingen, kam die Norbertschule gar nicht in Frage. „Ich habe an der Walburgisschule eine Absage bekommen. Da ich in Welver arbeite, habe ich mich für die Petrischule entschieden“, so die 32-Jährige. „Meine Kinder wissen noch nicht, dass sie demnächst nicht mehr mit ihren Freundinnen aus dem Kindergarten zusammen sind“, ergänzt sie. Sie habe Glück, dass ihr Vater sie unterstützen kann.

Kein Schulbus im Werler Westen

Die Eltern finden den Schulweg zur Norbertschule nicht sicher genug. Die Kinder müssen über die im Winter dunkle Brücke am Hönningen gehen und später mehrere Haupt- und Nebenstraßen überqueren. Zudem fährt kein Bus zur Schule im Werler Westen. Die Stadt ist diesem Weg gemeinsam mit der Polizei abgegangen. Beide haben diese Route als verkehrssicher eingestuft.

Allerdings entscheidet nicht die Polizei. Sie gibt der Stadt nur Ratschläge, wie Gisbert Finke, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei Soest, mitteilte. Die Polizei gibt der Stadt eine Empfehlung und die trifft am Ende die Entscheidung. „Die Eltern können nicht wirklich einschätzen, ob der Schulweg sicher ist“, so Finke.

Die Kapazitäten der Walburgisschule sind begrenzt. In diesem Jahr konnte Rektorin Andrea Humpert 75 Schüler aufnehmen. Da 82 Anmeldungen vorlagen, musste sie sieben Eltern absagen. „Für die Bewertung der Aufnahme gibt es zwei Faktoren. Zum einen, ist ein Geschwisterkind in der ersten, zweiten oder dritten Klasse? Wenn ja, wird das Kind genommen“, erklärt die Rektorin. „Als Nächstes zählt dann die Entfernung zur Schule. Da zählt der kürzeste Schulweg.“

Gleiche Bedingungen für alle

Es kann zudem aber auch noch Härtefälle geben. „Ich kann die Eltern sehr gut verstehen, aber wir handeln nach dem Gesetz“, so Iris Bogdahn. Wie sie weiter mitteilte, werden an allen Schulen die gleichen Rahmenbedingungen geschaffen. Das bedeutet, dass kein Kind in einer überfüllten Klasse unterrichtet wird. Das der Bus vom Süden der Stadt bis zur Schule fährt, ist aus Sicht von Iris Bogdahn ein glücklicher Umstand. „Das ist eine normale Buslinie, die zur Walburgisschule fährt“, so die Beamtin.

Ein weiteres Ärgernis für die Eltern im Süden ist die spätere Kommunion. Da der Kommunionunterricht an den Schulen stattfindet, werden auch hier die Kinder getrennt. Die zur Walburgagemeinde gehörenden Kinder müssen in der Norbertkirche zur Kommunion gehen.

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