Jede Menge auf dem Kerbholz

"Nachbar in Not" beklaut: Werler wegen Diebstahl, sexueller Belästigung und Beleidigung vor Gericht

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Werl/Soest/Warstein - Die Liste ist ellenlang. Die Vorwürfe, für die sich ein 45-Jähriger Werler seit Donnerstag in Soest vor dem Schöffengericht verantworten muss, umfassen 20 Taten.

Diebstahl ist dabei, ebenso sexuelle Belästigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und vieles mehr, eine bunte Mischung. Der Mann, der sich derzeit zur Therapie in der LWL-Klinik in Warstein befindet, soll auch die Aktion „Nachbar in Not“ beklaut haben.

Als er die Spenden-Sparschweine in zwei Werler Geschäften sah, soll er zugegriffen haben. Er soll auch die Hilflosigkeit einer gehbehinderten Frau ausgenutzt und einen Rucksack gestohlen haben, den sie kurz abgestellt hatte. Eine Polizistin im Einsatz soll er als Schlampe beschimpft und einen empörten Gastwirt, dessen Weihnachtsdeko er zerstört hatte, obendrein noch gedroht haben, gleich eine Knarre zu holen.

20 Minuten für die Anklageschrift

Ein Urteil fiel am Donnerstag nicht. Zwei Fortsetzungstermine sind angesetzt. Gut 20 Minuten brauchte der Staatsanwalt, um sämtliche Punkte der Anklageschrift vorzulesen. Der 45-Jährige allerdings gab zu verstehen, er könne nicht viel zur Wahrheitsfindung beitragen. „Das weiß ich nicht“, lautete die immer gleiche Antwort auf alle Fragen des Richters.

Letztendlich fügte der 45-Jährige hinzu: „Kann sein. Wenn die Leute das meinen, dann muss es wohl so gewesen sein.“ Dass er viel getrunken, auch Rauschgift konsumiert habe, räumte er wortkarg ein.

Ein 37-Jähriger, der ihn ab und zu begleitete, saß mit ihm auf der Anklagebank. Der allerdings ist zwischenzeitlich für weitere Gesetzesverstöße insgesamt dreimal verurteil wurden. Er sitzt im Gefängnis und wurde in Handschellen vorgeführt. Weil er ohnehin noch eine Freiheitsstrafe von mehreren Monaten verbüßen muss, stellte das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft das jetzige Verfahren gegen ihn ein.

16 Zeugen auf dem Gerichtsflur

Allerdings sollte sich der Vater zweier Kinder noch als Zeuge zu einem Fahrraddiebstahl äußern, um zu klären, ob sein Bekannter beteiligt war. Doch auch er schüttelte den Kopf. „Ich würde Ihnen ja gerne helfen“, erklärte er. Doch er könne sich beim besten Willen nicht erinnern, wäre es anders, würde er alles offen und ehrlich auf den Tisch legen. 16 Zeugen warteten auf dem Gerichtsflur, weitere sollen in der nächsten Woche gehört werden.

Eine junge Frau berichtete von einem Vorfall im vorigen März: Sie habe am Glascontainer gestanden und dann bemerkt, wie jemand sie am Po berührte. Sie habe sich umgedreht, einen Mann gesehen, ihn aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen, der allerdings habe ihr zugerufen: „Freu dich doch!“ Bei ihren Schilderungen zeigte der Angeklagte leise Regungen: „Wenn ich das wirklich getan habe, dann möchte ich mich dafür entschuldigen.“ Einer anderen Frau soll er ebenfalls ans Gesäß gefasst – und ihr den Stinkefinger gezeigt haben.

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