1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Werl

Millionenschaden bei Großbrand und Überraschung bei der Feuerwehr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gerald Bus

Kommentare

An der ehemaligen Kettler-Halle stehen Container für die Entsorgung.
An der ehemaligen Kettler-Halle stehen Container für die Entsorgung. © Moesch, Vanessa

Die Ursache für das verheerende Feuer in Werl ist noch unklar. Feuerwehrleiter Karsten Korte blickt auf den schweren Einsatz zurück.

Werl – Dass der Schaden in die Millionen gehen wird, ist mittlerweile klar. Aber was das verheerende Feuer in der Galvanik des Betriebs „F&D Metallveredlung“ am Maifeld ausgelöst hat, steht noch nicht fest. Die Brandermittler der Kriminalpolizei waren unter Einbindung von Sachverständigen am Mittwoch an der ausgebrannten Galvanik, bestätigte die Polizei. In den rund 3000 Quadratmeter großen Hallenteil konnten sie wegen der Gefahren dort aber noch nicht. Aussagen, was das Feuer ausgelöst haben könnte, gibt es noch nicht.

Feuerwehr: „Cocktail“ von Chemikalien

Unterdessen hat eine Spezialfirma mit der Beseitigung der Schadstoffe begonnen. Noch immer ist nicht klar, was alles an Chemikalien gelagert worden und dann ausgetreten ist. Der Leiter der Feuerwehr Werl, Karsten Korte, spricht von einem „Cocktail“.

Der hat auch dazu beigetragen, dass die Halle unerwartet schnell „durchzündete“. So etwas kann immer passieren, weil Rauchgase brennbar sind. Sammeln sie sich unter der Decke und werden durch die Flammen weiter erhitzt, kann sich das brennbare Gasgemisch schlagartig entzünden und eine Feuerwalze rollt durch die brennende Immobilie.

Wir haben bemerkt, dass da was kommt – aber das es so schnell kommt, damit hatten wir so nicht gerechnet.

Karsten Korte, Wehrleiter

So ist es auch am Montagabend geschehen. Ein Szenario, mit dem die Feuerwehr rechnen musste – aber dass es dann so „schnell und extrem“ passierte, hat auch die erfahrenen Feuerwehrkräfte überrascht. „Wir haben bemerkt, dass da was kommt – aber das es so schnell kommt, damit hatten wir so nicht gerechnet“, sagt Korte. „Das ist wohl durch das Öl, die Chemikalien und die hohen Temperaturen beschleunigt worden.“ Alle Gerätschaften und Fahrzeuge wurden zügig und rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich gebracht, bevor sich extreme Temperaturen in der Feuerwalze entluden und die Flammen hoch in den Himmel schossen.

Dabei hatten die Kameraden der Feuerwehr, die zuvor in der Halle zur Erkundung waren, bereits den Rückzug angetreten, als klar war, dass es der Gefahrstoffbereich in der Galvanik ist, der da brennt. „Und das war genau richtig“, sagt Korte.

Risiko für Löschangriff von innen war zu hoch

Dabei war ein Löschangriff unter Vollschutz bereits vorbereitet. Aber Giftstoffe samt Durchzündungsgefahr waren ein viel zu hohes Risiko für einen Löschangriff von innen. Als Beispiel neben dem brennenden Salzsäure-Öl-Gemisch nennt der Wehrleiter heiße Flüssigkeit aus einer geplatzten Leitung. „Da konnte keiner ausschließen, dass das, was von der Decke tropft, nicht gefährlich ist“. Sicherheit für die Einsatzkräfte gehe immer vor – und Korte ist heilfroh, dass bei diesem schwierigen Großeinsatz niemand verletzt worden ist mit Ausnahme eines Kameraden, der sich den Fuß vertrat.

Dass es zudem trotz Durchzündung gelungen sei, durch die eingeleiteten Maßnahmen und den inneren Brandwandschutz 75 Prozent der Gewerbehalle zu erhalten, in denen Gebhardt-Stahl produziert, sei unter den Voraussetzungen nicht unbedingt zu erwarten gewesen. „Die Jungs haben gut gearbeitet“, lobt der Wehrleiter die Einsatzkräfte aus Werl und den Helfenden aus dem Umkreis.

„Materialschlacht“

Für die Feuerwehr stehen die Tage danach im Zeichen des Aufräumens und der Reinigung nach einer „Materialschlacht“ am Einsatzort. Das dafür zertifizierte Unternehmen Plümper aus Menden habe sich bereits in der Brandnacht gemeldet und angekündigt, bis Freitag alle Einsatzkleidung gereinigt haben zu können, sagt Korte.

Die Dokumentation, was bei dem Brand alles benötigt worden ist, läuft noch. „Aber unsere Fahrzeuge waren schon in der Nacht wieder einsatzbereit“, sagt der Wehrleiter unter Verweis darauf, dass die Kräfte auch nach dem Abrücken noch stundenlang damit beschäftigt waren, alles wieder herzurichten für den womöglich nächsten Einsatz. Auch der Atemschutzgerätewart hat schnell gearbeitet, sodass 50 Geräte wieder genutzt werden können.

Verunreinigte Schläuche noch in der Halle

Sämtliches Material hat die Feuerwehr aber noch nicht zurück – zum Beispiel Schläuche, die im Löschwasser in der Halle lagen. Sie blieben zunächst vor Ort am Brandort, wo das mit Chemikalien verseuchte Wasser hoch steht. So, wie es sein soll, damit möglich nichts in die Umwelt gelangt.

Auch interessant

Kommentare