Transfergesellschaft springt ein

Nach Aus bei Kettler in Werl und Ense: Ex-Mitarbeiter finden neue Jobs

+

Werl/Ense - Das Kettcar war oft über Jahrzehnte ihre „Tretmühle“. Nun müssen sie neuen Antrieb für einen Neustart finden, sich freistrampeln nach der Kündigung. Für 119 ehemalige Kettler-Mitarbeiter startete das Jahr mit einem neuen Arbeitgeber: eine Transfergesellschaft. 30 haben mittlerweile einen neuen Job.

Für bis zu sechs Monate beschäftigt die ComJob-consult GmbH, Trägerin der Transfergesellschaft, die Mitarbeiter, die zum Opfer der Kettler-Krise wurden. Für 216 Beschäftigte war nach der Übernahme des Traditionsunternehmens durch die „Lafayette Mittelstand Capital“ Anfang Dezember kein Platz mehr. Ihnen wurde zum Februar gekündigt.

170, so hieß es damals, sollten in die Transfergesellschaft wechseln, um sie für den Übergang in einen anderen Job zu qualifizieren. Aktuell ist auf Anfrage von 119 die Rede. Ziel sei es, bis Mitte Juni den Arbeitnehmern aus den Werken in Parsit, Sönnern und Werl „neue berufliche Perspektiven aufzuschließen“, sagt Katja Lange, Geschäftsführerin von ComJob-consult. Viele seien echte Kettler-„Gewächse“ mit über 35-jähriger Betriebszugehörigkeit, andere schon Vertreter der zweiten Generation.

Mit dem Kettcar groß geworden

Mit dem Kettcar, den ersten Alu-Rädern und den Freizeit- und Gartengeräten, seien sie alle groß geworden. Wenn auch die Schieflage des Unternehmens allen bekannt war und es bereits zum zweiten Mal in die Insolvenz gegangen war, sei der Verlust des Arbeitsplatzes „für jeden erst einmal ein Schock gewesen, der verarbeitet werden musste“, so Katja Lange. „Da ist häufig Trauerarbeit notwendig.“

34 Arbeitnehmer in der Transfergesellschaft sind 60 Jahre und älter. „Die rund 20 rentennahen Beschäftigten werden die Arbeit am Montageband, am Schreibtisch oder in der Galvanik vielleicht nicht so sehr vermissen wie die Gruppe derer, die noch mindestens zehn Jahre arbeiten müssen“, sagt Lange.

Chancen für Ausbildungslose

Neben Bewerbungstraining und Arbeitsmarkterkundung ist für die Transfergesellschaft deshalb die berufliche Qualifizierung wichtig, geht es doch darum, im Wettbewerb um gute Jobs zu überzeugen. Insbesondere diejenigen, die keine Berufsausbildung haben, können profitieren. Aktuell starten drei Arbeitnehmer eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer, ein weiterer will Berufskraftfahrer werden.

Veränderte Förderbedingungen ermöglichen nachhaltige Qualifizierungskonzepte, so die Transfergesellschaft. Für die späten „Azubis“ bedeutet dies, dass sie nach Ende der Transfergesellschaft weiter durch die Arbeitsagentur gefördert werden. Von den 119 Beschäftigten aus dem Hause Kettler seien bereits 30 in neuen Jobs angekommen, alle in der Region.

Leiharbeit hat "leider die Nase vorn"

Direkte Nachfragen um ehemalige Kettler-Mitarbeiter aus Unternehmen gebe es, allerdings seien die Angebote für gewerbliche Arbeitnehmer aus der Produktion dünn gesät, so die Sprecherin der Transfergesellschaft. Hier habe Leiharbeit „leider die Nase vorn – zum Nachteil der Arbeitnehmerschaft“, die mit einem Lohn in Höhe von unter zehn Euro regelmäßige Verbindlichkeiten wie Häuserkredite kaum stemmen könne.

Pessimismus komme aber nicht in Frage: manchmal dauere es etwas länger, „als die unterm Strich doch knappe Zeit von sechs Monaten, um bei einem neuen Unternehmen Platz zu finden.“ Kettler war zum Jahresende nach langem Ringen quasi in letzter Minute gerettet worden. 500 Arbeitnehmern blieb damit der Job in der neuen Gruppe erhalten. Zwischendurch hatte das Unternehmen vor dem kompletten Aus gestanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare