Vom Dornröschenschlaf zu internationaler Bedeutung

Museum "Forum der Völker" in Werl  ist gerettet

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Erleichtert über den Museumserhalt: Werls Bürgermeister Michael Grossmann, Markus Richter, Martin Obertrifter, Pater Reinhard Kellerhoff, Pater Dr. Cornelius Bohl und Bruder Antonius Diekmann (Leiter Franziskaner Mission, von links).

Werl - Aus dem „Dornröschenschlaf“ in eine Zukunft mit „internationaler Bedeutung“? Das Missionsmuseum „Forum der Völker“ ist gerettet.

Nun soll ein Jahr lang an einem Konzept gearbeitet werden, das auch einen vorgelagerten Neubau vorsieht. Das schließt die Chance auf Tagungsräume und auch den Bau eines Hotels mit ein. So weit sei man aber „noch lange nicht“, so die Initiatoren einer neuen Stiftung, die unter Beteiligung von Industriepartnern den Verbleib des Völkerkundemuseums in Werl sichert.

Der Werler Martin Obertrifter, ehrenamtlicher Leiter des Projektteams, und Ausstellungsmacher Markus Richter stellten gestern auf einer Pressekonferenz die Grundzüge vor. Der Neubau könne groß ausfallen und damit auch die Grundstücke der Immobilien von der „Melsterhofe“ bis zur Eckbebauung Melstergraben umfassen – allesamt im Besitz der Franziskaner.

Kleine Vorbau-Lösung denkbar

Es sei aber auch eine kleinere Vorbau-Lösung denkbar, die nur die Baulücke vor dem heutigen Museum an der Melsterstraße schließt. „Da wollen wir nicht vorgreifen“, sagt Richter. Er sei kein Freund von Abrissen, aber wenn ein passendes Konzept das vorsehe, müsse man sich damit auseinandersetzen. „Wenn wir die Planung haben, sehen wir weiter.“

Den Initiatoren schwebt ein Architekturwettbewerb vor. Je nach Vorschlag werde man sehen, wie groß der Neubau ausfällt. Es gehe dabei um gestalterische, nicht um finanzielle Fragen. Über allem steht zunächst aber eins: die Sicherung der Sammlung von Pater Reinhard mit ihren 14.000 Exponaten, für die lange eine Lösung gesucht wurde. Schließlich drohte der Verlust des Museums, wenn die Franziskaner im September Werl verlassen. Das ist abgewendet. Der Erhalt vor Ort mit behutsamer Neustrukturierung als Mindestziel ist gesichert.

Museum weiterentwickeln

Gleichwohl sei man noch in einem frühen Stadium, sagt Martin Obertrifter, Geschäftsführer eines sauerländischen Technologieunternehmens, der nach eigenem Bekunden erst spät in die Rettungsversuche für das Forum eingebunden worden ist. Es gebe ausreichend regionale und überregionale Industrieunternehmen, die sich in die Stiftung einbringen wollen. Man wolle das Museum weiterentwickeln. „Aber die Arbeit beginnt jetzt erst.“ Zunächst soll es für einen einjährigen Übergang eine kleine gemeinnützige Stiftung geben. Später, wenn das Konzept steht und sich zeigt, dass alle Überlegungen – auch baurechtlich – realisierbar sind, soll sie auf breitere Füße über Zustiftungen gestellt werden.

Noch sei es zu früh, die Unternehmensnamen zu nennen. Aber das Grundziel, der Museumserhalt in Werl, sei erreicht. Für Individualbesucher wird das Forum geschlossen bleiben. Gruppen können sich aber für Führungen anmelden. Man befinde sich für ein Jahr „in Klausur“. Nun arbeite man an Dingen und wolle zeigen, „wo es hingehen kann, aber nicht muss“: eine größere Lösung. Die skizzierte Kurator Markus Richter aus dem Projektteam, der sich bereits mit Neustrukturierungen von Ausstellungen befasst hat.

Noch keine feste Planung

Man habe noch keine feste Planung für das Forum, allenfalls „Ideen“. Aber: Das Missionsmuseum sei „eine Wunderkammer“. Daher brauche man ein Konzept, „das sich zum Ziel setzt, die Sammlung in der heutigen Form zu erhalten.“ Die Grundstruktur solle erhalten bleiben, aber das Museum erweitert und die Konzeption weiterentwickelt werden. Eine Machbarkeitsstudie durch ein Architekturbüro liege vor. Dreh- und Angelpunkt sei der vorgelagerte Neubau, um Platz zu haben und die Sammlung „behutsam restrukturieren zu können“.

Ein Anbau mit neuem Eingang und Tagungsräumen im Obergeschoss ist der Wunsch, samt Rezeption, Shop, „attraktivem Gastronomiebereich“, Übernachtungsmöglichkeiten, neuem Didaktikbereich, Residenzräumen für Künstler. Man wolle eine „hochwertige Architektur“, die sich aber auf die Kleinteiligkeit der Werler Altstadt einlasse. Die Architektur könne auch Werkzeug sein, um das Forum bekannter zu machen. Das habe es laut Richter verdient, in einer anderen Liga zu spielen. „Wir wollen dem Haus internationale Geltung verschaffen“.

Über "ungelegte Eier"

Klar, man rede über „ungelegte Eier“; aber aus dem Forum sei etwas zu machen, nicht zuletzt durch Wechselausstellungen von Künstlern. Zeitgenössische Kunst mit ethnologischen Themen soll eingebunden werden. Nicht vergessen wolle man aber die „Provenienzforschung“, die Klärung der Frage, ob die Herkunftsländer der Exponate Anspruch auf Rückgabe der Kunstwerke erheben. Dazu werde man den Dialog suchen.

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