Mitarbeiter wünschen sich mehr Verständnis

Mit der Müllabfuhr auf den Werler Straßen unterwegs

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Bei jedem Wetter sind die Mitarbeiter des KBW im Einsatz.

Werl - Piep, piep, piep – dieses Geräusch kennt wohl jeder und wird unmittelbar mit einem rückwärtsfahrenden Lkw in Verbindung gebracht. Diesen Ton hört man an diesem Morgen nicht nur einmal: Unterwegs mit der Werler Müllabfuhr.

Vier Fahrzeuge sind an diesem verschneiten Tag auf den Werler Straßen. Es wird alles gleichzeitig abgeholt: Restmüll, Altpapier, Grünabfälle und Weihnachtsbäume. Nur die Gelben Säcke werden von einem anderen Dienstleister mitgenommen. Das Fahrzeug Werl 7 holt heute den Restmüll der Tour A ab.

Hinterm Steuer des Müllfahrzeugs sitzt Thorsten Olonscheck (53). Früher hat der Mann aus Kamen unter Tage gearbeitet, unter anderem auf der Zeche Heinrich- Robert in Hamm. Als es mit dem Bergbau bergab ging, bewarb er sich beim KBW – mit Erfolg. Seit 2002 ist er bei der Müllabfuhr. Zehn Jahre lang ist er Lader, dann macht der Körper nicht mehr mit. „Tennisarm“, sagt Thorsten Olonscheck knapp, „vom ständigen Tonnenziehen.“ Mit 49 holt er seinen Lkw-Führerschein nach, seit vier Jahren ist er Fahrer.

Zusammen mit Nikolaj Donst, der gebürtig aus Kasachstan kommt, und Detlef Pallus (54), der seit 29 Jahren dabei ist, fährt er die heutige Tour. „Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Das läuft wie ein Uhrwerk. Sie wissen, wie ich fahre, und ich weiß, wie sie laufen.“ Wenn viele Tonnen stehen, geht er gleich mit raus, um die Kollegen zu unterstützen. Das ist nicht selten an diesem Morgen. Immer wieder steht der 53-Jährige auf, eilt vom warmen Fahrzeuginneren nach draußen in die Kälte.

Wie ein Pilot in seinem Cockpit

Im Fahrerhaus blinken viele Knöpfe, mehrere Kameras und Bildschirme helfen dem Fahrer, den Überblick zu bewahren. Thorsten Olonscheck wirkt wie ein Pilot im Cockpit – wäre da nicht der orangene Anzug. „Den müssen wir alle tragen. Zur Sicherheit“, so Olonscheck. Die Tür öffnet sich wie die eines Schulbusses – immer wieder geht es raus und wieder rein.

Unterwegs mit der Müllabfuhr des KBW in Werl

Das neue Müllfahrzeug, auf dessen Seiten das Logo „800 Jahre Werl“ prangt, ist 2,50 Meter breit (mit Spiegel sogar 2,95 Meter) und 10,45 Meter lang. „Es ist größer und breiter als die anderen Wagen“, erzählt der 53-Jährige. Das macht das Manövrieren in den engen Gassen noch schwieriger.

Um 7.30 Uhr beginnt die Schicht. Vom Bauhof geht es los zur ersten Station – und direkt muss Olonscheck am Woolworth-Parkdeck zweimal rückwärts fahren. Die beiden Lader dienen als Einweiser, helfen dem Fahrer zusätzlich zu den Kameras. Als es weiter geht, grüßen vorbei gehende Kinder auf ihrem Weg zur Schule. „Die Müllabfuhr kommt bei ihnen gleich nach dem Nikolaus“, sagt Olonscheck. „Die Kinder sind auch die einzigen, die sich freuen, wenn sie uns sehen.“

Pöbeleien von Autofahrern und Bewohnern

Nicht selten kommt es vor, dass Autofahrer die Müllmänner beleidigen. „Ich wünsche mir, dass die Leute mehr Verständnis haben. Wir machen nur unseren Job. Wir stehen nicht nur so aus Spaß auf der Straße und stehen auch nicht extra im Weg“, sagt der Fahrer.

Hinzu kommt, dass einige ihre 80-Liter-Tonnen auch voller packen, als sie es dürfen. „Wenn da dann oben drauf noch Säcke mit Müll liegen und wir die stehen lassen, bekommen wir Ärger mit den Anwohnern. Aber es ist eine Anweisung. Wir dürfen keinen Müll mitnehmen, der neben oder auf der Tonne liegt“, betont Olonscheck. Ausgenommen hiervon sind die zusätzlichen Restmüllsäcke, die es im Rathaus gibt.

Es kann sogar gefährlich werden. „Wir hatten auch mal, dass die Tonnen voll waren mit Steinen. Die hätten uns im Inneren alles kaputtgemacht.“ Um 7.58 Uhr steht der Wagen an der Kreuzung am Melstergraben. Hinter dem Fahrzeug bildet sich ein Stau, links wollen die Autos vorbei, rechts wollen sie fahren. Mittendrin steht der Müllwagen, Olonscheck bleibt ruhig. „Das kann brenzlig werden“, sagt er. Links drängen sich die Autos auf dem Bordstein am Fahrzeug vorbei. Fast kommt es zur Kollision.

Auto blockiert den Wendehammer

Um 8.21 Uhr geht es in den Gartenweg, viel Platz ist an den Seiten nicht. Zu allem Überfluss steht im Wendehammer auch noch ein Auto, das das Wenden schwieriger macht. „Als Fahrer stehst du immer unter Strom, aber hast das Körperliche nicht mehr so. Du musst auf deine Kollegen aufpassen, auf Kinder, auf Autos. Das musst du alles auf dem Schirm haben“, erklärt Olonscheck.

Brenzlig wird es auch in der Einbahnstraße am Steinergraben. Nur Zentimeter trennen das Müllfahrzeug von den Häusern und parkenden Autos. „Da kommt man leicht ins Schwitzen“, meint Olonscheck. Um 8.48 Uhr begegnen sie den Kollegen, die den Biomüll abholen. „Wir versuchen schon, uns in den Bezirken aus dem Weg zu gehen“, so der 53-Jährige, „aber das klappt nicht immer.“

Kurze Zeit später biegt der Wagen in die Fußgängerzone ein. Die Männer versuchen, immer vor 9 Uhr dort zu sein, bevor die Geschäfte öffnen. „Sonst ist es auf der Straße zu voll“, erklärt Olonscheck. Er packt wieder mit an, beim Vorbeigehen am Müllwagen hält sich eine Passantin die Nase zu. Nach 9 Uhr schneit es wieder heftiger. Die Müllmänner sind bei Wind und Wetter unterwegs. Bei ihnen gibt es keine schlechte Witterung, nur schlechte Kleidung. Der Spaß kommt dabei nicht zu kurz, beide Lader werfen ab und an mal Schneebälle an die Außenspiegel.

Pro Fuhre passen elf Tonnen in den Wagen

Nach einer kurzen Frühstückspause am Bahnhof geht die Tour weiter. Hinter der Stadthalle kommen sich wieder zwei Wagen in die Quere. Diesmal ist es das Fahrzeug, das die Tannenbäume abholt. „Kein Problem, wir setzen zurück und lassen die Kollegen vorbei“, sagt Olonscheck. Danach geht es zum Abladen zur Mülldeponie.

Pro Fuhre passen rund elf Tonnen in den Wagen, zwei Fuhren werden pro Tag geleistet. Im Winter geht die Schicht bis 16.30 Uhr. Im Sommer, wenn es früher hell ist, geht die Arbeit um 7 Uhr los. „Wir würden gerne auch eher anfangen, aber das ist leider nicht möglich. Um 6 Uhr wäre gut“, findet Olonscheck. Aber bis 6 Uhr herrscht noch Nachtruhe und es wäre dunkler. „Das Leben ist halt kein Wunschkonzert“, sagt der Fahrer und lacht.

Im Anzeiger-Gespräch betont KBW-Chef Franz Josef Büker, dass im Leben vieles zu selbstverständlich genommen wird – so auch die Müllabfuhr. Der Kommunalbetrieb ist dabei, ein Rückfahrkataster zu erstellen. „Da liegen wir momentan bei 260 Stellen in Werl“, so Büker. Danach wird für jede Rückfahrstelle eine Gefährdungsbeurteilung erstellt. So wissen die Mitarbeiter zukünftig, in welchen Straßen sie noch rückwärts einfahren dürfen.

Es wird in Einzelfällen dazu kommen, dass Bürger ihre Tonne zu einer Sammelstelle ziehen müssen. „Damit wollen wir die Bürger nicht ärgern, sondern die Sicherheit für alle Beteiligten erhöhen“, schildert Büker. Umgesetzt werden soll das Rückfahrkataster abschnittsweise im Jahr 2019. Darüber wird der KBW die betroffenen Anlieger dann rechtzeitig informieren.

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