Geschäftsführer erklärt

Deshalb verzichtet Büdericher Möbelhaus auf verkaufsoffene Sonntage

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Werl/Büderich - Paukenschlag bei den verkaufsoffenen Sonntagen in Werl: Weil die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi der Stadt Werl erneut mit einer Klage gedroht hat, wird sich das Büdericher Möbelhaus Turflon nicht an den nächsten Aktionssonntagen beteiligen.

Man mache das aus Respekt und Rücksicht vor den anderen Händlern in Werl, da man nicht auch für sie die Durchführung des „Offenen Sonntags“ gefährden wolle, sagt Turflon-Geschäftsführer Guido Münstermann auf Anfrage.

Sein Haus wolle Schaden von Werl abwenden. Der hätte aber gedroht, wenn Verdi mit der Klage per einstweiliger Verfügung den gesamten Offenen Sonntag gestoppt hätte – so wie in anderen Städten bereits geschehen. Nun habe Verdi auch gegen die Werler Vorhaben „unmissverständlich“ gedroht.

Schaden von Werl abwenden

Daher, bestätigt Münstermann, habe Turflon den Antrag auf Beteiligung an den vier geplanten Werler Terminen für dieses Jahr zurückgezogen. Das heiße aber nicht, dass man das Thema für alle Ewigkeiten beerdigt habe, sagt der Turflon-Chef. Eher könne er sich auch vorstellen, einen Antrag für die zweite Jahreshälfte zu stellen, sprich die Michaeliswoche und den Münztag – und es dann, mit mehr zeitlichem Vorlauf, auf eine Klage ankommen zu lassen.

Das Vorgehen der Gewerkschaft sei befremdlich, da mit zweierlei Maß gemessen werde. Es gebe vergleichbare Fälle, wo Möbelhäuser durchaus geöffnet haben dürften. „Daher fühlen wir uns ungerecht behandelt.“ Die Waffengleichheit fehle. „Und es wäre schön, wenn wir wieder das Gefühl von Planungssicherheit bekommen können“, sagt Münstermann. Das Verdi-Vorgehen erschließe sich nicht, kritisiert Münstermann.

Willkür bei Verdi

„Nicht nur wir, auch unsere Mitarbeiter finden es schade, dass wir da nicht mitmachen sollen dürfen.“ Derzeit sehe das Agieren von Verdi doch sehr nach Willkür aus. Für das Büdericher Möbelhaus bedeuteten die Sonntage immer gute Umsätze, da auch von außerhalb viele Kunden gekommen seien. Immerhin stecken jetzt noch keine Kosten in den Planungen. Aber die Einnahmen werden wegfallen. Die Arbeitsuntersagung an Sonntagen sei schlicht nicht mehr zeitgemäß, sagt der Turflon-Chef.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Streit um den Umfang der Sonntage gibt. Schon 2017 blieb Turflon geschlossen; dann aber änderte die Landesregierung den Gesetzespassus im „Entfesselungsgesetz“, das den Kommunen und dem Handel mit neuen gesetzlichen Grundlagen mehr Freiraum geben sollte.

Passagen "unglücklich formuliert"

Demnach dürfen, so zitiert die Werler Verwaltung, „Verkaufsstellen im öffentlichen Interesse an jährlich höchstens acht Sonn- und Feiertagen bis zur Dauer von fünf Stunden geöffnet sein“. Die bis dahin geltende Vorgabe, dass „Offene Sonntage“ anlassbezogen sein müssen, entfiel. Aber offenbar, so Münstermann, seien einige Passagen im Gesetzestext „unglücklich formuliert“ worden, sodass die Gerichte noch immer Handhabungen gegen die Sonntagsöffnungen fanden.

Daher habe er 2018 auch jeweils bis kurz vor dem Sonntag gebibbert, ob nicht doch noch eine einstweilige Verfügung der Gewerkschaft ins Haus flattert. Offenbar sei die Rechtslage noch immer nicht klar genug. Darauf bezieht sich Verdi.

Gewerkschaft mit Einbeziehung nicht einverstanden

Die Gewerkschaft „hat sich mit der Einbeziehung des Möbelhauses Turflon nicht einverstanden erklärt und angekündigt, ein Klageverfahren einzuleiten“, lässt die Verwaltung in der Vorlage zum Rat (21. März, 18 Uhr im Rathaus) wissen. Münstermann habe sich „daraufhin bereit erklärt, sein Geschäft an den Sonntagen geschlossen zu lassen, um die Ladenöffnung für den Innenstadtbereich nicht zu gefährden.“ Demnach dürfen nur in einem bestimmten Bereich in der Stadt die Geschäfte an den vier offenen Sonntagen öffnen – zunächst.

Offene Sonntage in Werl:

Folgende offene Sonntage hat der Wirtschaftsring für 2019 beantragt. Dann werden die Geschäfte im Innenstadtbereich von 13 bis 18 Uhr geöffnet haben: Darüber soll der Rat am 21. März befinden:

7. April: Werler Autofrühling

12. Juni: Siederfest

29. September: Michaeliswoche

3. November: Münztag

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