Beschuldigter schon verstorben

Missbrauchs-Vorwürfe gegen früheren Werler Vikar

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Gegen einen früheren Werler Vikar gibt es mehrfache Missbrauchsvorwürfe. Sie werden aber ungeklärt bleiben, weil der Beschuldigte mittlerweile verstorben ist.

Werl - Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen einen katholischen Priester werfen ihre Schatten bis in die Wallfahrtsstadt Werl. Der mittlerweile verstorbene Beschuldigte war im Zeitraum, auf den sich ein Teil der Vorwürfe bezieht, Vikar in Werl.

Das bestätigt Thomas Throenle, Pressesprecher des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn, auf Anfrage. Das Thema wurde publik Anfang Januar dieses Jahres. 

Da, so Throenle, habe die Katholische Frauengemeinschaft im Bezirk Wormbach einen anonymen Brief sowie anonyme Anrufe mit Hinweisen an die lokale Presse erhalten. „Darin wurden Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester formuliert.“ Das Erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn habe die Missbrauchsvorwürfe bestätigt. 

In den 70er Jahren in Werl tätig 

„Bei einem Gemeindeabend in Wormbach wurden Gemeindemitglieder und auch die Öffentlichkeit informiert, indem Hintergründe zu den Missbrauchsvorwürfen in Wormbach vorgestellt wurden, soweit das Erzbischöfliche Generalvikariat darüber Kenntnis hatte und soweit es der Opferschutz, der uns sehr wichtig ist, zulässt“, teilt das Generalvikariat mit. Demnach hätten Beschuldigungen gegen den 2015 verstorbenen Priester den damaligen Missbrauchsbeauftragten erstmals am 22. März 2010 erreicht. 

Diese Meldung hätten Vorgänge aus den 70er Jahren betroffen, sie lagen schon damals also rund 40 Jahre zurück. Das war die Zeit, als der Beschuldigte Vikar in Werl war. Zu Art und womöglicher Häufigkeit der vermeintlichen Übergriffe kann Throenle nichts sagen. „Nicht ein Betroffener selbst hat sich 2010 bei uns gemeldet, sondern jemand, der mitteilte, er habe von einem sexuellen Übergriff aus den 70er Jahren erfahren.“ 

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Am 22. April 2010 aber habe eine zweite Meldung den Missbrauchsbeauftragten aus noch früherer Zeit erreicht. „Es meldete sich nun eine selbst betroffene Person“, teilt der Sprecher mit. „Es gab Telefongespräche mit dem Betroffenen. Telefonnummern und Anschriften wollte der Betroffene ausdrücklich nicht mitteilen“, sagt Thomas Throenle. Benannt worden seien Missbrauchsvorwürfe aus den 60er Jahren, als der Beschuldigte Student der Theologie in Paderborn war. 

„Es gab im Rahmen dieser beiden Meldungen zahlreiche Gespräche“, so der Erzbistums-Sprecher. Der Beschuldigte sei vom Erzbistum Paderborn vorgeladen und mit dem Tatvorwurf konfrontiert. 

„Vorwürfe entschieden zurückgewiesen“ 

„Er hat alle Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.“ Die kirchenrechtlichen Vorgaben sähen bei solchen Vorwürfen eine Weiterleitung an die „Kongregation für Glaubenslehre“ in Rom vor. Das sei im Juli 2010 geschehen. „Im Oktober 2010 antwortete die Glaubenskongregation, dass, nach eingehender Untersuchung, die Eröffnung eines kanonischen Strafverfahrens nicht angezeigt ist.“ Dennoch habe das Generalvikariat Paderborn weitere Gespräche, insbesondere mit möglichen Zeugen geführt. Aber: „Es ergaben sich zu diesen Vorwürfen keine weiteren Erkenntnisse.“ 

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes des Beschuldigten habe sich allerdings ein anderer, „dem Erzbischöflichen Generalvikariat bis dahin noch nicht bekannter Betroffener“, beim Missbrauchsbeauftragten gemeldet. Es seien Missbrauchsvorwürfe erhoben, Tathergang und Tatort beschrieben und benannt worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Zeitraum in den 80er Jahren. 

Mit dem Betroffenen seien Gespräche geführt worden. „Ausdrücklich erbat sich der Betroffene Opferschutz: Keinesfalls sollte über diese Missbrauchsmeldung Öffentlichkeit hergestellt werden. Dieser Schutz wurde seitens des Missbrauchsbeauftragten und des Generalvikariates zugesagt“, teilt Throenle mit. Weitere Beschuldigungen seien bis heute nicht bekannt.

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