Meyserel Ayverdi bringt den Fastenmonat Ramadan und die Schule unter einen Hut

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Meyserel Ayverdi besucht das Ursulinengymnasium und treibt trotz des Ramadan bei jedem Wetter Sport.

Werl/Wickede - Während des  Ramadan  dürfen Muslime nur in der Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang essen und trinken. Auch die 15-jährige Meyserel Ayverdi aus Wickede fastet. Im Gespräch mit Maximilian Zienau erklärt sie, wie man den Alltag und das Fasten unter einen Hut bringt:

Fällt dir der Einstieg in den Fastenmonat schwer?

Meyserel Ayverdi: Manche kriegen Kopfschmerzen und liegen den ganzen Tag nur. Aber meine Freundinnen und ich waren total motiviert. Wir haben uns gegenseitig gepusht. Wir sind zehn bis elf Mädchen. Das ist sehr praktisch. Dazu habe ich noch meine Familie, die lässt mich auch nicht allein. Im Ramadan verzichtet man tagsüber auf sämtliche Speisen und Getränke.

Ist man am Abend stolz, es geschafft zu haben? 

Meyserel: Wenn man dann beim Fastenbrechen etwas isst, dann fühlt es sich so an, als habe man den ganzen Tag hindurch gegessen. Eigentlich ist das traurig. Aber das Warten lohnt sich auch. Es gibt Speisen, von denen man sonst nur träumt. Das ist immer sehr traditionell. Wenn für mich dann Salat auf dem Tisch steht, bin ich glücklich. Mein Papa freut sich eher über ein Stück Fleisch.

Trotz des Ramadan hast du ja ganz normal Schule. Wie steht man das durch? 

Meyserel: Es ist schon anstrengend. Man steht mitten in der Nacht noch einmal auf, um etwas zu essen. Da komme ich auf etwa viereinhalb Stunden Schlaf pro Nacht. Dann gehe ich in die Schule, aber damit habe ich kein Problem. Die acht Stunden gehen einfach rum und man denkt nicht an Essen. Man konzentriert sich ja auf den Unterricht. Das ist praktisch. Aber man merkt den Unterschied schon. Sonst kommt man mittags nach Hause und setzt sich zum Mittagessen zusammen.

Das passiert im Ramadan

Der Fastenmonat Ramadan gehört zu den religiösen Pflichten der Muslime. Andere Pflichten sind die Gebete, Spenden an Bedürftige und die Pilgerreise nach Mekka.

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Dieser hat jedoch elf Tage weniger als der Gregorianische Kalender, sodass der der Ramadan nicht immer auf die selbe Jahreszeit fällt. Jedes Jahr wandert der Ramadan gut elf Tage nach vorne. Damit ändern sich auch die Bedingungen für die Gläubigen, da in den Wintermonaten die Sonne früher untergeht und sich die tägliche Fastenzeit verringert.

Fasten müssen nur diejenigen, die sich damit nicht schaden. Schwangere Frauen, Alte oder Kranke sind von der Pflicht befreit. Außerdem besteht die Möglichkeit, Geld zu spenden, wenn es nicht möglich ist zu fasten.

Das Fest des Fastenbrechens, das unmittelbar nach dem Ramadan gefeiert wird, gehört zu den höchsten muslimischen Feiertagen und dauert drei Tage. Dieses Fest ist besonders der Familie gewidmet und viele Muslime verbringen Zeit mit ihren Verwandten. Dazu steht das gemeinsame Essen im Vordergrund.

Fällt es dir schwieriger, deinen Alltag zu bewältigen? 

Meyserel: Man muss seinen Termine ganz normal nachkommen. Es ist schon anstrengend. Zwischendurch kommen auch mal Kopfschmerzen dazu. Dann legt man sich am besten mal eine Stunde hin. Ansonsten hab ich weiterhin meine Hobbys. Ich spiele Geige, singe und spiele Fußball. Aber das alles klappt schon. Vor dem Ramadan hatte ich eine richtige Essphase. Nach jeder Doppelstunde hatte ich so Hunger, dass mein mitgebrachtes Essen nicht ausgereicht hat. Und dann muss man acht Stunden ohne auskommen. Der Unterschied ist schon krass. Dabei esse ich sonst immer sehr gerne.

Welche Bedeutung hat der Ramadan für Muslime? 

Meyserel: Es ist der heiligste und bedeutendste Monat im muslimischen Mondkalender. Hier sollen sich die Menschen regenerieren und sich besinnen. Es ist ein Monat des Guten.

Was gehört sonst noch zu den Verpflichtungen des Ramadan? 

Meyserel: Es ist wichtig, dass man seinen anderen religiösen Verpflichtungen nachkommt. Nur weil man fastet, soll man nicht einfach 24 Stunden lang schlafen. Man muss seine Gebete beten und ganz normal im Alltag weitermachen. Dazu gehört auch das Lesen des Korans.

Seit wann fastest du schon? 

Meyserel: Seit ich 13 Jahre alt bin. Also ist es jetzt mein drittes Mal. Mein kleiner Bruder ist zwölf und fängt jetzt an. Früher hat er nicht den ganzen Tag gefastet, sondern hat zum Beispiel vom Aufstehen bis 13 Uhr nichts gegessen. Er hatte danach dann Fastenbrechen. So konnte er sich langsam an die Fastenzeit gewöhnen. So war das bei mir damals auch. Meine kleine Schwester ist fünf Jahre alt und fastet natürlich noch nicht.

Wie verbringst du deine Zeit? Lenkst du dich ab? 

Meyserel: Ich lese viel den Koran und ich treffe mich häufig mit meinen Freunden. Es ist praktisch wenn man sich in der Fastenzeit mit Leuten trifft, die auch fasten. Die stellen dann keine Fragen wie: „Willst du auch was trinken?“ Aber ich hab auch deutsche Freunde, die ich während des Ramadan häufig treffe. Auch in der Schule haben sich alle darauf eingestellt. Ab und zu kommen dann so Witze wie: „Willst du echt nichts essen? Hier ich geb dir meinen Schokoriegel!“ Darüber kann ich lachen, das bin ich auch gewohnt. Allerdings kriege ich sonst elf Monate im Jahr nichts angeboten.

Was passiert, wenn die Fastenzeit endet? 

Meyserel: Am 26. beginnen die drei Festtage. Da kommt die ganze Familie zusammen und morgens gibt es ein riesiges Frühstück. Es wird gegrillt, alle ziehen sich schick an. Es ist eine richtig tolle Zeit. Wir haben einen relativ großen Bekanntenkreis mit dem wir uns treffen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn alle zusammenkommen.

Zieht sich die Fastenzeit?

Meyserel: Ich finde, sie vergeht richtig schnell. Wir haben einen Kalender in der Küche, mit dem wir die restlichen Tage zählen. Jetzt sind es nur noch ein paar Tage.

Hast du trotz des Fastens weiter Fußball gespielt?

Meyserel: Ja klar. Ich war immer beim Training und bei den Spielen. Papa meinte: „Bleib doch Zuhause“ und riet mir davon ab, an den heißen Sommertagen zu spielen. Ich hab aber gesagt, dass ich das schon packe. Und ich lebe noch. Ich spiele bei der TuS Wickede im Sturm und muss mir die Bälle selbst erobern. Ich hab eine Mitspielerin, die auch noch fastet. Das ist ganz gut, man kann sich auch mal gegenseitig unterstützen.

Verliert man nicht während des Ramadan ordentlich an Gewicht? 

Meyserel: Das stimmt. Bis jetzt habe ich schon drei Kilogramm abgenommen. Am Ende landet man meistens so bei fünf Kilo. Aber die sind nach den ersten drei Tagen schnell wieder drauf.

Gab es mal eine Situation, in der du das Fasten nicht durchgehalten hast? 

Meyserel: Nein, noch nie. Wenn es mal kritisch wurde, mit Schwindel und Kopfschmerzen, dann habe ich mich Schlafen gelegt. nach ein bis zwei Stunden geht es dir meist auch wieder gut.

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