Nachschlag zum „Macheten-Prozess“

Haftstrafen für zwei Werler Schläger

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Werl/Soest – Der sogenannte „Macheten-Prozess“ lässt Werl offenbar nicht los. Hatte das Landgericht Arnsberg die beiden Hauptangeklagten jener Schlägerei vom September 2018 nach etlichen Verhandlungstagen bereits im April verurteilt, so mussten sich am Donnerstag auch ihre beiden Mittäter verantworten, wenngleich „nur“ vor dem Soester Amtsgericht. Ungeschoren kamen auch sie nicht davon: Freiheitsstrafen von einem Jahr ohne Bewährung sowie von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung sind für sie das Ergebnis ihrer nächtlichen Spritztour.

Die beiden 27-jährigen und 37-jährigen Angeklagten sollen am 2. September 2018 gegen 3 Uhr mit ihren beiden Mittätern zwei Schlägereien auf öffentlicher Straße in Werl nahe des Rathauses vom Zaun gebrochen haben. Bei der zweiten Rangelei sollen sie gemeinschaftlich auf einen jungen Mann derart eingetreten haben, dass er sich mehrere schwere Verletzungen im Kopfbereich, einen abgebrochenen Schneidezahn und einen Mittelfußbruch zuzog. Im Anschluss habe der 27-Jährige außerdem das Smartphone eines der Opfer gestohlen.

Hochzeitsnacht in Polizeigewahrsam

Allerdings hatten der Richter und der Staatsanwalt wie bereits zuvor ihre Kollegen am Landgericht allerhand damit zu tun, den Tathergang zu rekonstruieren. Neben den Angeklagten wurden sieben weitere Zeugen vernommen – jeder einzelne erzählte seine Geschichte anders.

Der 27-jährige Werler berichtete, dass die Gruppe von einer Hochzeit gekommen sei – wie aus Arnsberg bekannt, war dies die Vermählung eines der anderen beiden Autoinsassen. Der wiederum hatte seine Hochzeitsnacht in Polizeigewahrsam verbringen müssen. Er hatte gegen seine Arnsberger Verurteilung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft zunächst Revision eingelegt, diese aber zurückgezogen. Dass er dem Soester Strafgericht in Handschellen vorgeführt wurde, darf man als Beleg dafür werten, dass er seine Haftstrafe bereits angetreten hat. Der Vierte im Bunde, der drei Jahre und sechs Monate hinter Gittern verbringen soll, erschien ohne Fesseln. Offenbar läuft seine Revision noch.

Als die vier mit dem Auto in der Nähe des Rathauses ankamen, soll es einen Schlag aufs Auto gegeben haben. Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen zweien der Fahrzeuginsassen und zwei Azubis, die auf dem Heimweg von einer Feier waren. Einer der beiden flüchtete, der andere ging nach einem Faustschlag bewusstlos zu Boden.

Danach seien die vier wieder in den Wagen eingestiegen und losgefahren, hielten aber, kaum, dass sie um die Ecke gebogen waren, erneut an. Eine Gruppe völlig unbeteiligter junger Leute, die vom Stadtschützenfest kam, war ihnen gefolgt, um mit einem Handy Beweisfotos zu machen.

Unter Drogeneinfluss zugeschlagen

Zwei von ihnen büßten besonders übel für so viel Zivilcourage: Auf einen jungen Mann sollen alle vier Insassen des Wagens eingetreten haben, mit entsprechenden Prellungen, einem gebrochenen Fuß und dem Verlust eines Zahns als Folgen. Noch heute habe er Probleme, im Dunkeln allein vor die Tür zu gehen. Schützend warf sich einer seiner Freunde über ihn, kassierte weitere Schläge und Tritte, wurde schließlich von einem der beiden in Arnsberg Verurteilten mit der Machete bedroht. Er konnte sie abwehren, trug jedoch dauerhaft eine zwölf Zentimeter lange Narbe im Nacken davon.

Die Chronologie des Falls: 

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Alle Angeklagten standen zum Tatzeitpunkt unter Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss. Der 37-Jährige gestand, zuvor Kokain, Amphetamine und Marihuana konsumiert zu haben. Nicht zum ersten Mal, wie sich schnell herausstellte: Er kommt auf 14 Vorstrafen. Die begründete er mit „viel Leid in meinem Leben und vielen psychischen Problemen und Krankheiten“. Daher suche er auch häufig den Drogenkonsum als Ausweg, da die Drogen ihn „ruhiger machten“. Der 27-Jährige dagegen stand zum ersten Mal unter Anklage vor Gericht stand.

Im abschließenden Urteil wurden diese Vorgeschichten berücksichtigt. Der 37-Jährige sei aufgrund des Drogenkonsums verringert schuldfähig. Da dies allerdings bereits sein 15. Strafdelikt war und keine Besserung in näherer Zukunft zu erwarten sei, wurde seine einjährige Freiheitsstrafe nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Sein Kumpel wurde sowohl wegen schwerer Körperverletzung als auch wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, jedoch auf Bewährung, da es seine erste kriminelle Tat war. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, zudem muss der Angeklagte seinem Opfer ein Schmerzensgeld von insgesamt 1200 Euro zahlen.

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