Gaststätten

Gastronomen haben Angst vor Corona-Mutationen und längerem Lockdown

Christiane und Volker Damm vom Fischlokal in Westönnen sind froh, dass sie Verkaufswagen vor dem Lokal stehen haben und somit Einnahmequllen haben.
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Christiane und Volker Damm vom Fischlokal in Westönnen sind froh, dass sie Verkaufswagen vor dem Lokal stehen haben und somit Einnahmequellen haben.

Die heimischen Gastronomen haben Angst. Sie befürchten, dass wegen der in Deutschland immer häufiger auftretenden Corona-Mutationen ein weiterer Lockdown für die Gastronomie droht.

Werl - Seit dem 2. November sind die Gaststätten komplett dicht, die Restaurants dürfen ihr Essen nur außer Haus anbieten. Aber dies ist für viele Betreiber nur ein kleiner Zusatzverdienst, der die anfallenden Kosten bei weitem nicht decken kann. Zwar ist die vom Staat versprochene Novemberhilfe in den vergangenen Tagen eingetroffen, doch die Betriebskosten müssen von den Gastronomen weiter gezahlt werden.

Bruno Quadrelli und sein Geschäftspartner Francesco Bianco vom „Ristorante Rimini“ waren froh, dass sie sich mit ihrer Hausbank während des Lockdowns einig wurden und die Abzahlung der Kredite für einige Monate ausgesetzt werden konnte. „Jetzt zahlen wir wieder, aber für knapp sechs Monate ist uns unsere Bank entgegengekommen“, freute sich Bruno Quadrelli.

Gastronomie im Lockdown: Umsatz fehlt

Die Zeit sei hart für die Gastronomen, berichtet der Italiener. In der Woche sei es sehr ruhig, da kämen nur wenige Bestellungen an. An den Wochenenden laufe es ganz gut. Doch fehle der Umsatz der Getränke. Trotzdem ist Bruno Quadrelli dem deutschen Staat dankbar, wenn er an die Verhältnisse in seinem Heimatland Italien denkt.

„Da werden viele Gastronomen nach der Pandemie nicht mehr aufmachen können“, weiß er von italienischen Berichten. „Die bekommen nicht die finanzielle Unterstützung wie wir hier“, fügt er hinzu. Mit seinem Geschäftspartner Francesco Bianco hofft er, dass es im März weitergeht. Die Gesundheit gehe vor, aber er denkt, dass die Gastronomie alle Regeln der Corona-Schutzmaßnahmen respektiert und die Lokale sehr behutsam damit umgehen. Seine Stammgäste würden ihn aufmuntern. „Ich bekommen viele Nachrichten und das ist schön, dass die Gäste an uns denken“, berichtet er.

Gastronomie im Lockdown: Fischbude ist ein Segen

Christiane und Volker Damm vom Fischlokal in Westönnen finden es einen Segen, dass sie die Fischbuden vor dem Lokal aufgestellt haben. „Die laufen ganz gut und halten uns über Wasser“, sagen die Inhaber. Nur vom „Außer-Haus-Verkauf“ könnten sie die entstehenden Kosten nicht decken.

Erst am vergangenen Mittwoch sei die Novemberhilfe eingegangen. „Mich wundert es, wie es einige Kollegen schaffen. So viele Rücklagen kann man gar nicht haben“, erzählt Volker Damm. Bis zur Zwangsschließung Anfang November sei das Westönner Fischlokal richtig gut gelaufen. „Wir waren seit der Eröffnung Mitte August fast jeden Tag ausgebucht. Allerdings haben wir im Oktober die steigenden Zahlen in Werl und den Anstieg der Infektionen gespürt. Da wurde es in der Woche etwas ruhiger“, erzählt das Ehepaar.

Die Geschäftspartner Francesco Bianco und Bruno Quadrelli (von links) hoffen, dass sie ihr Ristorante Rimini im März wieder öffnen können.

Das „Außer-Haus“-Essen werde zwar angenommen, laufe aber nur an den Wochenenden gut. Das Fischlokal in Bönen haben die Dammes nach vier Wochen „Außer-Haus-Verkauf“ wieder schließen müssen. „Das lief einfach überhaupt nicht und so müssen wir bis zur Wiedereröffnung in Bönen warten“, so Volker Damm.

Er ist zwar zufrieden, dass es die Unterstützung vom Staat gibt, aber er hätte sich gewünscht, dass die Bundesregierung den Gastronomen auf eine andere Art geholfen hätte. „Anstatt der monatlichen Hilfen hätte der Staat uns bei Schutzkonzepten wie dem Einbau einer Luftfilteranlage helfen sollen“, sagt er. Und meint, dass der Bund damit weniger gezahlt hätte, aber die Restaurants die Sicherheit gehabt hätten, um nicht schließen zu müssen.

Gastronomie im Lockdown: gutes Konzept

„Wir hatten vorher schon ein gutes Konzept; bei uns waren alle Gäste eingetragen, war alles nachvollziehbar.“ Das Ehepaar Damm schaut nun mit Sorgen auf die Osterfeiertage. „Karfreitag ist unser bester Tag im Jahr“, sagt Christiane Damm. Auch Ostern seien alle Plätze belegt. „Wir benötigen bald mal klare Aussagen, wie es weitergeht, damit wir planen können. An den Tagen können wir nicht Gäste im Lokal bedienen und gleichzeitig noch Essen außer Haus anbieten“, sagen sie.

Beim Markt20 hat Wolfgang Farendla den Eindruck, dass sich seine Gäste nicht nur auf das Essen freuen. „Wenn die das Essen abholen, werden immer gute Gespräche geführt“, sagt er. „Durch die Trennscheibe wird so mancher Witz erzählt und auch häufig über ernste Themen gesprochen“.

Gastronomie im Lockdown: nicht alleine

Die Kunden würden die Sorgen der Gastronomen ernst nehmen. „Das zeigt uns, dass wir in den besonderen Zeiten nicht alleine sind. Wir sind dankbar für jeden Kunden, der uns in der schwierigen Zeit unterstützt“. Bei der Wiedereröffnung denkt er, dass die Fallzahlentwicklung wohl den Takt vorgibt. Trotzdem freut er sich schon auf die Zeit, wenn bei dem schönen Wetter wieder alle auf der Terrasse sitzen können.

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