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„Liebhaber-Immobilie“: Geschwisterpaar kauft das alte Amtsgericht

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Von: Thomas Nitsche

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Das alte Amtsgericht am Markt hat neue Besitzer. Offen ist, wie es genutzt wird.
Das alte Amtsgericht am Markt hat neue Besitzer. Offen ist, wie es genutzt wird. © NITSCHE, Thomas

Die Tinte auf den notariellen Vertrag ist inzwischen getrocknet. In der vergangenen Woche wurde der Verkauf des ehemaligen Werler Amtsgerichtes offiziell besiegelt. Neuer Eigentümer des klassizistischen Baus ist die Familie Voss aus Werl. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW hat das unter Denkmalschutz stehendes Gebäude nach dem Bieterverfahren nun an den Höchstbietenden verkauft.

Werl- Die Geschwister Burkhard Voss und Monika Voss-Raker haben am Ende den Zuschlag für das historische Gebäude erhalten.

Nachdem die Ausschreibung des Objekts im Juni dieses Jahres vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW veröffentlich wurde, hat sich der heute in Berlin lebende Burkhard Voss lange mit dem Gebäude beschäftigt. Seit 24 Jahren lebt er mit seiner Werler Lebensgefährtin Dr. Annette Rother in der Bundeshauptstadt und beide tragen sich mit dem Gedanken, wieder in die Heimat zurückzukehren.

Burkhard Voss findet, dass das Gebäude eine „Liebhaber-Immobilie“ ist. Nach intensiver Prüfung konnte er seine Schwester Monika Voss-Raker mit ins Boot holen. Sie arbeitet als Restauratorin in der Wallfahrtsstadt.

Ideen zur Nutzung verworfen

„Mit meiner Berliner Brille waren zu Beginn der Überlegungen sechs Altbauwohnungen oder ein ‚Coworking-Space‘ die erste Idee zur Nutzung des ehemaligen Amtsgericht“, so der Wahl-Berliner. Das Coworking wird als eine Entwicklung im Bereich „neuer Arbeitsformen“ gesehen. Diese Form steht für die Anmietung eines Schreibtisches oder Büros in einem Gemeinschaftsgebäude, wo zumeist kreativ tätige Personen in einem Großraumbüro arbeiten. Aus seiner Sicht könnten im alten Amtsgericht 25 bis 30 „Einzelkämpfer“, die Gemeinschaftsflächen nutzen. Aber Burkhard Voss glaubt, dass das „Coworking“ in Werl nicht so einfach umsetzbar ist. Außerdem gibt es schon vereinzelte Anbieter dieser neuen Arbeitsform in Werl.

Gespräche mit der Werler Stadtplanung

Erste Gespräche mit der Werler Stadtplanung verliefen ermutigend hinsichtlich der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Die zukünftige Nutzung soll den Standort aufwerten und Frequenz in die Fußgängerzone bringen. Es gab einen Vorschlag, dass man in den Gebäude Stadtbibliothek, Musik- und Malschule zusammenlegen könnte. „Dieser Vorschlag wurde allerdings nicht weiter verfolgt“, so Voss.

Ein erfolgreiches Projekt Ärztehaus oder kleines medizinisches Versorgungszentrum wäre für alle Beteiligten sicherlich eine sehr gute Lösung

Adrian Gruschka, GWS-Geschäftsführer

Vom GWS-Geschäftsführer Adrian Gruschka kam der Tipp, sich an die Anwerbestelle des Kreises für Ärzte zu wenden. „Ein erfolgreiches Projekt Ärztehaus oder kleines medizinisches Versorgungszentrum wäre für alle Beteiligten sicherlich eine sehr gute Lösung“, berichtet er.

Das denkmalgeschützte, klassizistische Gebäude aus dem Jahr 1846 verfügt über knapp 670 qm vermietbare Fläche. Dazu kommen Vollkeller und Dachboden sowie das Eingangsportal mit dem geräumigen Treppenhaus.

Zugang ist weitgehend barrierefrei

Wie Burkhard Voss berichtet, ist von Renovierungsarbeiten abgesehen, das Gebäude fast „löffelfertig“ zur Vermietung bereit. „Es überzeugt mit seinen Grundrissen und den Raumhöhen, abgesehen vom Dachgeschoss und dem 1910 als Gefängnis angebauten Seitenflügel“, teilt er mit. Der Zugang ist weitgehend barrierefrei.

Im ersten Quartal des kommenden Jahres wird eine Aussage des Energieberaters zur Machbarkeit einer kompletten oder teilweisen energetischen Ertüchtigung vorliegen. Für den Wahl-Berliner wäre ansonsten eine Großkanzlei oder ähnliches die idealen Nutzer der Immobilie. „Es sind aber auch etagenweise Nutzungen oder einzelne Büros oder Praxen zwischen 69 und 170 Quadratmeter denkbar.“

Beratend zur Seite standen der Familie Voss Michelle und Jan Tillmann von KOBA Immobilien, die jetzt die Vermietung übernommen haben.

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