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Lidl kann Rewe am Bahnhof beerben - muss aber auf einen Teil verzichten

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Von: Gerald Bus

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Das Lidl-Logo wird bald auch in Nähe des Werler Bahnhofs zu sehen sein.
Das Lidl-Logo wird bald auch in Nähe des Werler Bahnhofs zu sehen sein. © Symbild: Robert Szkudlarek

Das „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ kennen Kunden von der Fleischtheke. Nun aber muss sich Lidl mit ein bisschen weniger begnügen – und ist sprichwörtlich „bedient“: Der Discounter, der nach Informationen unserer Zeitung den heutigen Rewe-Standort zwischen Langenwiedenweg und Brandisstraße gekauft hat, muss auf rund 15 Prozent der Fläche verzichten.

Denn die Stadt wird ihr Vorkaufsrecht für den südlichen Zipfel des Areals ausüben, der künftig für die Bahnunterführung am Langenwiedenweg genutzt werden soll. Die fristgerechte Entscheidung zum Kauf jener 860 Quadratmeter-Fläche hat Bürgermeister Torben Höbrink auf Anfrage mitgeteilt.

Weg ist frei für Discounter

Zugleich bedeutet das aber auch, dass der Weg für Lidl für das Rest-Rewe-Areal frei ist. Denn die Option, dass die Stadt sogar das Gesamt-Areal erwirbt, ist vom Tisch. Das, sagt Höbrink, wäre auch juristisch schwierig geworden und die Notwendigkeit, Lidl das Gesamtareal streitig zu machen, kaum begründbar gewesen.

Das sieht bei jenem südlichen Zipfel ganz anders aus. Denn das ist ein überplanter Teil des Grundstücks, für den es seit Jahren einen rechtskräftigen Bebaungsplan gibt. Über dieses Teilstück soll irgendwann mal die Bahnunterführung verlaufen. Heißt: die Stadt braucht es. Gleichwohl habe es intensive juristische Prüfungen und Gespräche mit der Eigentümerin des heutigen Rewe-Areals gegeben. Das Verfahren der Nutzung des gesetzlichen Vorkaufsrechts sei zwar noch nicht abgeschlossen, sagt Höbrink. Aber er sei „guter Dinge“, dass das so realisiert wird.

Für Lidl verbleiben rund 5 200 Quadratmeter

Für Lidl verblieben dann noch rund 5 200 Quadratmeter. Klar ist, dass der Discounter nur das aktuelle Rewe-Gebäude nutzen kann, weil es dafür einen Bestandsschutz gibt. Eine Erweiterung oder gar Neubau auf der Fläche ist ausgeschlossen, wenn die Stadt den Weg dafür nicht freimacht. Lidl weiß das – und will trotzdem ansiedeln.

Möglich ist aber, dass Lidl jenen Zipfel, der bald der Stadt gehört, dennoch nutzen kann – als Parkraum. Denn natürlich wolle die Stadt den „städtebaulichen Missstand“ im Grundstücks-Eck nicht so belassen, sagt der Bürgermeister. Ein Abriss der maroden Gebäude ist wahrscheinlich.

Parkplatz wohl weiter nutzbar

Zudem werde die Stadt überlegen müssen, wie sie mit dem Teilgrundstück verfährt, so lange es noch nicht gebraucht wird für die Unterführung – vermutlich also etliche Jahre. Auch Rewe, das laut Höbrink vor 2024 kaum umziehen wird zum neuen Standort an der Kleinbahn, darf jenen Zipfel aktuell zunächst als Parkplatzfläche weiternutzen, weil der Kauf eines Grundstücks die Miete nicht bricht. Möglich ist demnach, dass erst Rewe, später Lidl, für die Nutzung des Teilstücks etwas an die Stadt zahlen.

Gutachten spricht von „Kannibalisierung“

Rewe wird den heutigen Standort bald verlassen und gemeinsam mit Aldi das neue Nahversorgungszentrum-Nord hinter dem Bahnhof bilden. Klar ist, dass beide Anbieter die Lidl-Ansiedlung in unmittelbarer Nähe alles andere als begrüßen. Auch die Stadt ist nicht erbaut über den zusätzlichen Discounter, zumal ein Gutachter von „Kannibalisierungseffekten“ spricht, wenn drei Lebensmittler auf engem Raum ihre Waren anbieten – neben Lidl sind das dann Rewe und Aldi im Nahversorgungszentrum.

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