Letzte Mahnung beeindruckte 74-jährige Werlerin nicht

WERL -  Der Brief der „WIN 24.AG“ an eine 74-jährige Werlerin endet mit „freundlichen Grüßen“, ist aber nichts anderes als ein simpler Betrugsversuch. Der Betreff lautet „Letzte Mahnung“. Die Firma, die angeblich in Istanbul sitzt, gibt an, dass die Werlerin eingewilligt habe, an einem kostenpflichtigen Gewinnspiel teilzunehmen. Dafür solle sie nun 354 Euro zuzüglich 19,95 Euro Mahngebühren bezahlen. Nur so könne sie weitere rechtliche Schritte, Verfahren- und Anwaltskosten vermeiden.

Dem Brief hängt ein Gesprächsprotokoll an, dass die Bestätigung des Auftrags belegen soll. Die Adressatin soll demnach auf fast alle Fragen mit einem knappen „Ja“ geantwortet haben. Doch die Werlerin sagt, sie habe dieses Gespräch nie geführt. Der Mitarbeiter der Firma beendete den angeblichen Dialog mit den Worten: „Toi Toi Toi viel Glück Tschüss“. Sowohl im Brief, als auch im offensichtlich gefälschten Gesprächsprotokoll wimmelt es von Rechtschreibfehlern. Auf den ersten Blick macht das Schreiben aber durchaus einen förmlichen Eindruck.

Das Opfer des Betrugsversuchs ließ sich von der Mahnung nicht beeindrucken und ging direkt zur Werler Polizeiwache. Besonders überrascht zeigte sich die Frau darüber, dass in dem Brief ihr richtiges Geburtsdatum, ihre Adresse und ihre Kontodaten genannt wurden.

Frank Meiske, Sprecher der Polizei im Kreis Soest, wundert das nicht: „Diese Daten werden weltweit gehandelt.“ Zuletzt seien zudem immer wieder Fälle bekannt geworden, in denen die Kundendaten großer Firmen von Kriminellen abgefischt worden seien. Aus Sicht der Polizei habe die 74-jährige Werlerin genau richtig gehandelt. Die Firma „Win24.AG“ ist der Polizei im Kreis Soest noch nicht untergekommen. Ähnliche Briefe gebe es aber immer mal. Die Polizei leitet sie an die Staatsanwaltschaft weiter. Meist handele es sich um Briefkastenfirmen im Ausland. Die Straftaten zu verfolgen, sei deshalb kaum möglich.

Die Internetseite, die auf dem Brief an die Werlerin angegeben ist, existiert nicht. Die Betrüger spielen aber offenbar mit der Namensgleichheit des deutschen Gewinnspielservices Win24.de, der sich im Internet von diesen Machenschaften distanziert.

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