30 Arbeitsplätze gefährdet

Werler Landbäckerei Hünnies vor dem Aus

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Völlig überraschend, so Veronika Hünnies, hat die Landbäckerei die Kündigung für die Edeka-Filiale in Werl erhalten.

Werl - Mit „Sauer-Teig“ wird es sicher nichts mehr. Denn bei Edeka Sauer darf die Landbäckerei Hünnies nicht mehr backen. Völlig überraschend habe man von Sauer die Kündigung erhalten, sagt Veronika Hünnies. Nun steht das Familienunternehmen aus Niederbergstraße mit 30 Mitarbeitern vor dem Aus.

Mitte 2019 werden die Öfen in der Produktion an der Kapellenstraße kalt bleiben – „wenn nicht noch ein Wunder geschieht“. Zum 30. Juni greift die Kündigung für die Filiale des Edeka-Markts an der Unnaer Straße in Werl, die die Familie Hünnies zum Jahresende kalt erwischt hat.

Man sei von einer Fortsetzung des Kontrakts nach dem Umbau des Edeka-Markts ausgegangen, sagte Veronika Hünnies gestern auf Anzeiger-Anfrage. Klar ist aber auch: Ohne dieses Haupt-Standbein hat die gesamte Landbäckerei keine Zukunft. Nur durch die kleine Filiale in Westönnen – ebenfalls bei Sauer –, die beiden Verkaufswagen und den nur samstags stundenweise geöffneten Laden in Niederbergstraße kann der Betrieb nicht überleben.

Landbäckerei bangt um den Fortbestand

Nun ringt die Landbäckerei um den Fortbestand, muss aber auch Konsequenzen ziehen und langjährigen Mitarbeitern wegen der Fristen schon kündigen. Wie schwer es fällt, das Traditionsunternehmen nun den Bach runtergehen zu sehen, daraus macht Veronika Hünnies, deren Sohn Alexander die Bäckerei führt, keinen Hehl. Es habe Tränen gegeben, als sie den Mitarbeitern von dem Schritt berichtet habe. Dabei kämpfe man darum, es doch noch irgendwie hinzubekommen.

Mit der Kreishandwerkerschaft hat Hünnies Kontakt aufgenommen, auch mit der städtischen Wirtschaftsförderung, der Innung und zu anderen Bäckereien. Die Hoffnung: Irgendwo in der Region hört vielleicht ein Bäcker auf und es findet sich eine Verkaufsfläche. „Wenn wir einen Ersatz finden würden, könnte alles beim Alten bleiben.“ Man könne dann auch die beginnende Abwicklung zurücknehmen. Obwohl auch dann Probleme drohen: Was tun, wenn es weitergehen könnte, aber die Mitarbeiter andere Jobs gefunden haben?

Man habe sich stets an Edeka vertraglich gebunden und auch darauf fixiert. Dass es trotz der schon länger geplanten Um- und Ausbaupläne von Sauer zu Problemen mit jenem Vertrag kommen könne, darauf wäre Hünnies nicht im Traum gekommen. „Wir sind davon ausgegangen, dass es weitergeht.“

Azubis erst seit drei Monaten dabei

Das war auch der Grund, warum Hünnies zuletzt noch viel Geld in den Betrieb investierte, sei es in Software für den Ofen, die Brötchenstraße oder auch ein Silo. „Das hätten wir nicht gemacht, wenn wir das geahnt hätten.“ Ein Schock ist das nahende Ende für das gute Dutzend fester Mitarbeiter, aber auch alle Aushilfen, darunter Schüler und Studenten.

Leid tut es Hünnies auch um die Auszubildende, die erst vor drei Monaten ihre Stelle angetreten hat. Sie sei aber zumindest bereits vermittelt Dass es nicht an der Qualität liegen könne, betont Veronika Hünnies. Man habe regelmäßig, auch 2018 noch, an den Brot- und Brötchenprüfungen teilgenommen und oft Medaillen gewonnen. Noch will Bäckermeister Alexander Hünnies die Flinte nicht ins Korn werfen.

Schock für die Mitarbeiter

„Wir bemühen uns weiter.“ Sicher sei die Nachricht ein Schock, zumal es Zusagen gegeben habe, weitermachen zu können und man auch schon an Konzepten für die erneuerte Filiale an der Unnaer Straße gearbeitet hat. Auch sei er „enttäuscht“, sagt der 34-Jährige. Aber Vorwürfe in Richtung Sauer will er nicht formulieren: „Wir haben immer gut zusammengearbeitet.“

Zu den Gründen der Vertragskündigung gab es am Freitag von Franz und Max Sauer noch keine Stellungnahme. Man werde sich aber kurzfristig äußern. Kurz bestätigt wurde nur, dass die Bäckerei Hosselmann an der Unnaer Straße nachfolgen soll.

Die Bäckerei ist unter Telefon 02922/82280 zu erreichen.

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