Karnevals-Sitzung in der Stadthalle

"Lachendes Werl": Raus aus dem Alltag, rein ins Kostüm

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"Werler sucht Frau" hieß es beim Auftritt von "Helenes Jungs".

Werl - 400 Werler Jecken befanden sich am Samstag im Ausnahmezustand, tanzten in der Stadthalle verkleidet als Elvis Presley, Brings und Kiss sogar auf den Stühlen: Beim Lachenden Werl zündete Sitzungspräsident Lutz Langschmidt mit seinen Gästen ein buntes Feuerwerk der Narretei, das ebenso viel unterhaltsames Lokalkolorit wie beeindruckende Showtänze umfasste.

Denn wenn et Trömmelche jeht… kann vieles, aber nichts muss! Umso erfreuter war die ausrichtende St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft über so viele Werler, die sich von ihren Alltagszwängen befreit hatten und so sein konnten, wie sie wollen. „So viele verkleidete Menschen wie in diesem Jahr waren hier noch nie“, meinte Lutz Langschmidt. 

Mit viel Power war die Narrenschar dann auch jeck auf Dauer – das Publikum riss es immer wieder von den Stühlen. Gelegenheiten dafür gab es zuhauf, immerhin reihte sich ein Show-Höhepunkt an den nächsten: Während die Seniorengarde der LSG Ense-Bremen die Zuschauer gleich zu Beginn mit ihrem Gardetanz in Deutschlands 17. Bundesland entführte und zu Mia Julias „Mallorca, da bin ich daheim“ über die Bühne fegte, punktete sie im Laufe des Abends zudem mit dem gefährlich-schönen Showtanz über die Fahndung nach entflohenen Häftlingen. Sitzungspräsident Langschmidt fand anerkennende Worte: „Diese Mädchen sind bereit, für ihre Leidenschaft einen großen Teil der Freizeit aufzugeben, das ist bemerkenswert.“ 

Lachendes Werl 2020 Teil 1

Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020 Teil 1

Nach seiner Premiere im letzten Jahr hieß es anschließend „Bütte frei“ für Michael Lutter aus der zweiten Kompanie. Er thematisierte die Vorbereitung einer Hochzeit aus Sicht des Bräutigams. Ob Kirchenhefte oder selbstgebastelte Karten, alles wurde eher schlecht als recht in Handarbeit angefertigt: „Bestellt wäre das ja teuer und sähe auch noch gut aus.“ Für den passenden Trauspruch nutzte er Google – und wurde rasch fündig: „Dann sah ich ein anderes Zeichen am Himmel, groß und wunderbar. Ich sah sieben Engel mit sieben Plagen, den sieben letzten.“ Sein Fazit: „Junge sei helle, bleib Junggeselle!“ 

Was dann folgte, nannte Lutz Langschmidt „professionelle Spitzenklasse“: Energiegeladen entführten die Kangaroos des Werler TV ihre Zuschauer nach Ägypten, präsentierten sich mit Kamelen, Pyramiden und prunkvollen Kostümen. Die jungen Tänzerinnen feierten das Fest der Ägypter, zeigten den Jecken mit eindrucksvoller Akrobatik und Würfen durch die Luft eine Welt voller Glanz und Spektakel. 

Deutlich bodenständiger, aber ebenso unterhaltsam, waren hingegen die Alltagsgeschichten des „Duos H+G“ um Heinz Steinkötter und Georg Huneke. „Sag mal Georg, duschst du nach dem Sex?“, fragte Steinkötter. „Ja selbstverständlich!“, erwiderte Huneke. Steinkötter: „Dann solltest du mal wieder duschen…“ Auf der Suche nach einem neuen Nasenfahrrad wusste Huneke seinem Freund zu helfen: „Eine Brille, die so richtig zu deinem Gesicht passt, findest du am besten auf dem Klo!“ Steinkötter: „Aber dann hab ich doch nur ein Monokel.“ In Planung sei auch ihr nächster Besuch der Bad Sassendorfer Bördetherme, immerhin würde man im dortigen Wasser die Schmerzen nicht spüren. „Ich habe so Probleme mit der Prostata und kann ganz schlecht pinkeln, aber wenn ich im warmen Wasser liege, dann geht es“, meinte Steinkötter. 

Lachendes Werl 2020 Teil 2

Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020
Lachendes Werl 2020 Teil 2

Mit Zeilen wie „Immer wieder sonntags fehlt die Erinnerung“ und „Eine neue Leber ist wie ein neues Leben“ besang der Chor der „Schnapsdrosseln“ ihr Vereinslokal „Im Winkel“. Die Idee zur Winkelhymne war an der dortigen Theke entstanden. Hochmoderne Seniorenwitze präsentierte schließlich Ehrenpräsident Uli Peters, „das sind immerhin die Witze der Zukunft, wenn man auf die demografische Entwicklung guckt“. Bürgermeister Grossmann habe kürzlich einem 100-jährigen Werler zum Geburtstag gratuliert und nach der schönsten Zeit seiner 70-jährigen Ehe gefragt. Die Antwort: „Die fünf Jahre in russischer Gefangenschaft.“ 

Apropos Bürgermeister: Als vorsichtiger Start in den Kommunalwahlkampf dürfte auch die Präsenz der beiden Bürgermeisterkandidaten Torben Höbrink und Meinhard Esser zu verstehen gewesen sein – in schillernden Kostümen mischten sich die potenziellen Obrigkeiten schon mal ganz bodenständig unter das gemeine Narrenvolk. „Ich bin mir sicher, dass in diesem Jahr ein Westönner gewinnen wird“, meinte Lutz Langschmidt. 

Der Sitzungspräsident würdigte außerdem das Engagement des mittlerweile verstorbenen Werner Mellmann, der bis 1990 Karnevalspräsident war, mit einer mannshohen Karikatur des Cartoonisten Jürgen Tomicek. „Powerfrauen“ in coolen Outfits Während die „Powerfrauen“ des BVB-Fanclubs zu Songs wie „Daddy cool“ als junges Gemüse in coolen Outfits und rüstige Rentner mit Rollatoren-Tänzen performten, wollten die Sketch-Darsteller der aus der Pfarrjugend St. Peter hervorgegangenen „Karnevalsgang“ einen Zeitungsartikel erwerben. Zur Auswahl standen Publikationen wie die „Bravo“ oder die „Neue Post“. „Bei der Neuen Post haben schon die renommiertesten Journalisten angefangen, die sind nachher sogar zum Soester Anzeiger gegangen“, so Johannes Langschmidt. Unterdessen übertrug die fünfte Kompanie das Märchen „Frau Holle“ mit zeitgemäßen Ausdrücken wie „Boah ey“ und „voll krass“ sowie dem „Bofrost-Mann“ ins moderne Zeitalter. 

Für ihre Zauberei, Jonglage und Comedy sind Johannes Langschmidt und Maximilian Sauer als „DuMaJo“ seit Jahren bekannt. Diesmal banden sie aber auch Dr. Markus Dahlmann mit in ihren Auftritt ein, dem für einen kurzen Moment der Atem stockte: Nachdem eine Guillotine Möhren und Gurken problemlos entzweihackte, folgte der Arm des Unfallchirurgen, der nach einem Moment der Stille dank der Zauber-Künste aber ganz blieb. 

Auf Partnersuche machten sich hingegen „Helenes Jungs“: Amor und seine Helfer zeigten „Günni“ zu Liedern wie „Verdammt ich lieb’ dich“, was Liebe ist. Dass das „Lachende Werl“ von der Sebastianus-Schützenbruderschaft gestaltet wird und Schützenfest eben nicht nur einmal im Jahr ist, zeigte im großen Finale der Spielmannszug der Schützenbruderschaft: Mit der Darbietung von „Auf der Vogelwiese“ endete das Programm lautstark, denn das ganze Publikum sang aus voller Kehle mit.

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