In Soest und Werl fallen jede Menge Veranstaltungen aus

Kulturschaffende maßlos enttäuscht von Corona-Regelung

Sebastian Pufpaff war letzte  Spaßmacher, der vor dem Lockdown in der Werler Stadthalle auftreten durfte.
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Sebastian Pufpaff war letzte Spaßmacher, der vor dem Lockdown in der Werler Stadthalle auftreten durfte.

Soest/Werl - „Ich bin enttäuscht.“ Dieser Satz einer Musikerin beschreibt exakt die aktuelle Stimmungslage in der Kulturszene. Allenthalben haben sich Sorgen und tiefe Niedergeschlagenheit breitgemacht, nachdem am Mittwoch verkündet wurde, dass der gesamte Kulturbereich im November heruntergefahren werden soll. Weder Konzerte noch Theater- oder Museumsbesuche soll es geben. Dr. Thomas Wachtendorf vom Kulturhaus „Alter Schlachthof“ in Soest sagt sogar: „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr überhaupt nicht mehr öffnen.“

Dabei gibt es noch gar nichts Schriftliches von der Landesregierung. Die Stadt Soest, Träger unter anderem von Museen und Stadtbücherei, will erst mal abwarten, bis heute neue Regelungen schwarz auf weiß vorliegen und erst dann handeln. In der Musikschule weiß man beispielsweise nicht, ob man als Schule oder als Freizeiteinrichtung gilt.

In Werl geht man anders vor: Dort war schon klar, dass nach dem Auftritt von Sebastian Pufpaff am Donnerstag (29. Oktober) die Mitarbeiter den Schlüssel herumdrehen und den Laden im November zumachen. Fünf Veranstaltungen fallen aus, einige ersatzlos. „Wie sollen wir neue Termine machen, wenn die auch wieder auszufallen drohen“, meint Fabienne Grewe vom Team der Stadthalle.

In der Regel können Karten bei allen Spielstätten zurückgegeben werden. Gleichzeitig appellieren die Veranstalter an die Gäste, dies nicht zu tun, sondern sich solidarisch zu zeigen und gegebenenfalls einen Ersatztermin zu nutzen. Zu den ersten Betroffenen zählt in Soest die „Wertstoffbühne“. Nächste Woche wollte sie an drei Abenden Arthur Millers „Hexenjagd“ zeigen. Jetzt müssen die Aufführungen zum zweiten Mal verschoben werden.

Ärgerlich ist die Situation für die Kinos. „Es ist weltweit kein einziger Fall bekannt, dass sich jemand im Kino mit Corona angesteckt hätte“, sagen Richard Nüsken vom „Schlachthof“-Kino und Marcus Königsdorfer vom Universum-Kino übereinstimmend. Beide halten in ihren Häusern jeweils die Hygiene-Bestimmungen penibel ein und sehen, dass auch das Publikum sich daran hält. Gleichwohl bleiben Leinwände ab Montag überall weiß.

Nüsken sagt, dass wegen des Lockdowns nicht nur das Novemberprogramm ausfällt, sondern dass er auch sein geplantes Dezemberprogramm umstricken muss. „Wenn‘s nur beim November bliebe...“, meint Königsdorfer. Die Regierung habe versprochen, 75 Prozent vom Erlös des Vergleichsmonats zu zahlen, damit komme man über die Runden. „Es geht aber nicht, dass im Dezember geöffnet und ein paar Tage später wieder geschlossen wird“, sagt der Universum-Programmchef. „Die Unsicherheit ist das Schlimmste.“ Der HDF Kino, der Interessenverband der deutschen Kinos, fürchtete fatale Folgen des Lockdowns für die Kinowirtschaft und spricht von Millionenverlusten.

Bitter ist die Absage geplanter Konzerte für die Soester Kirchenmusiker. Sie wollten die fehlende Allerheiligenkirmes kompensieren und jeden Termin, der zur Kirmes wichtig wäre, mit einer kleinen Darbietung in einer der Soester Altstadt-Kirchen markieren. Acht Konzerte sollte ihre überkonfessionelle Reihe „Funfair Sound“ umfassen, die sie schon lange vorbereitet hatten. Jetzt gibt‘s überhaupt keine Kirmes – weder traditionell noch musikalisch.

Die Kirchenmusiker hatten vor, Spenden zu sammeln und diese an die Klinik in Paradiese und das Hospiz weiterzugeben. Wer dennoch spenden möchte, findet die Kontoverbindung auf der Website der Petri-Pauli-Kirchengemeinde (www.petri-pauli.de).

Soests Büchereileiterin Alexandra Eckel gibt sich zweckoptimistisch: „Wir versuchen immer, eine Minimalversorgung unter den gegebenen Umständen aufrecht zu halten.“ Die Mitarbeiterinnen hätten sich schon Gedanken über die verschiedenen Möglichkeiten gemacht und seien flexibel genug, entsprechend zu reagieren. Schon jetzt wissen sie beispielsweise, dass die traditionelle Silvesterlesung nicht wie üblich stattfinden kann und werden sie daher digital zeigen.

„Schlachthof“-Chef Wachtendorf meint, dass die Schließungen im Kulturbereich ohnehin „ohne große Wirkung“ für die Pandemie-Bekämpfung seien. „Die Katastrophe begann im März.“

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