Unwetter

Wenn der Starkregen kommt: Ortsteil in Werl als Beispiel für Probleme mit Hochwasser

Glücksbringer in Sachen Hochwasserschutz: Regenrückhaltebecken an der Wickeder Straße
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Glücksbringer in Sachen Hochwasserschutz: Das Hufeisen-förmige Regenrückhaltebecken an der Wickeder Straße in der Nähe des Kleeblatts Autobahnkreuz gehört zu einer Kette von Schutzbauten am Fuß der Haar.

Glück gehabt. Alles gut gegangen in Westönnen nach den Starkregenereignissen. Auch dieser Ortsteil hat eine beispielhafte Stelle in der Ortsdurchfahrt an der alten B1, wo es bei Unwettern und den damit verbundenen Oberflächenwassern kritisch werden kann.

Westönnen - Dort ist im schlimmsten Fall dann die Feuerwehr gefragt. Anwohner greifen aber ebenso aus ureigenem Interesse immer wieder zur Selbsthilfe.

Die für die Kanäle zuständigen Behörden haben solche „Juckelpunkte“ aber ebenfalls im Blick.

Hochwasser-Gefahr: Das sagt ein Anwohner

Klaus Brecht kennt diese „nassen Füße“ wie andere unwettererfahrene Westönner auch. Nicht so drastisch, wie es in früheren Zeiten immer mal wieder der Fall gewesen ist in Westönnen, aber seine Erfahrungen mit den strömenden Fluten aus der Feldflur die Haar abwärts macht er seit 1998 als direkter Anrainer an der alten Bundesstraße. Kaum hatte er die Unwetterwarnung vernommen, machte er sich vorausschauend erneut mit Schüppe auf den Weg. Erster Anlaufpunkt: Der „Großgully“ gegenüber seinem Grundstück. „Erheblich mit Schlamm, Geäst und Grünzeug zugesetzt“, diagnostiziert Klaus Brecht und legte die Schaufel an. Und: „Dieser Gully zeigte sich dann dem (diesmal relativ gemäßigten) Starkregen gewachsen“.

Auf der alten B 1 hätten sich jedoch binnen kurzer Zeit wieder erhebliche Wasserflächen gebildet. Aus Brechts Sicht eine Folge der „ohnehin sehr kleinen Fahrbahngullys, die sich unmittelbar mit Grünschnitt zugesetzt hatten.“ Das sei wiederum Folge der tags zuvor erfolgten Grünflächenpflege am Straßenrand gewesen. „Während des relativ kräftigen Regens am 13. Juli gegen 23.30 Uhr habe ich die ‘Grünzeugkissen’ von den fünf Gullys in unserem Bereich entfernt, die daraufhin sofort laut rauschend das Wasser verschlangen“. Auch wenn der Anwohner keinerlei Vorwürfe in Richtung des zuständigen städtischen Kommunalbetriebs (KBW) richtet: Er bittet dennoch um regelmäßige Fahrbahnreinigung. Insbesondere nach Arbeiten an den Grünflächen sollte aus seiner Sicht kein Grünschnitt auf bzw. an der Fahrbahn verbleiben. Besonders bei vorhersehbaren Unwetterlagen hält der Anwohner eine zusätzliche Fahrbahnrandreinigung für unerlässlich.

Und da richtet er seinen Blick dann auch auf den „Großgully“ auf der anderen Straßenseite, ein Abfluss im Graben, der ebenfalls Oberflächenwasser von der Haar in die richtigen Bahnen lenken soll. Dafür zuständig ist, weil die alte B1 inzwischen eine Landesstraße ist, Straßen-NRW. Auch dort würden unter anderem beim turnusmäßigen Grünschnitt rund um die dortige Trafostation „regelmäßig größere Mengen Grünschnitt auf dem Gullydeckel“ liegen bleiben. Er entferne sie regelmäßig und er hält daher eine regelmäßige Pflege an der Stelle „aus einer (einzigen zuständigen) Hand“ für sinnvoll.

Hochwasser-Gefahr: Das sagt die Stadt

KBW-Abteilungsleiter Jürgen Staubach hat eine Starkregen-Bilanz gezogen. Er spricht von einem 25-jährigen Niederschlagsereignis. An keiner Stelle aber sei Wasser aus der Kanalisation getreten. Rückstauerscheinungen wie Wasser im Keller habe es aber durchaus gegeben.

Die bemängelten „Klein“-Einläufe an der B1 in Westönnen – insgesamt sind es dort 20 Stück – seien zuletzt noch im Juni gereinigt und überprüft worden, sagt Staubach. Gleichwohl kennt er bei Starkregenereignissen wie jetzt diese „oberflächlichen Abschwemmungen von Boden und Sediment als auch von Pflanzenteilen, die dann die Leistungsfähigkeit der Bodeneinläufe beeinträchtigen können“.

Die städtischen Fachleute haben solche Problemstellen im Blick; sie gibt es im Verlauf der (alten) B1 in Büderich, in Werl und eben auch in Westönnen. Bei einem dortigen Ortstermin waren sich Jürgen Staubach, Heribert Dröllner von der Stadtentwässerung sowie Waldemar Frikkel (Gewässerunterhaltung) einig: „Es muss nachgebessert werden“. Und das werde noch im Laufe des Jahres geschehen, sagt der KBW-Chef.

Hochwasser-Gefahr: Das wird gemacht

Zum einen geht es um einen Auffanggraben in der Feldflur, den die Stadt vor zwei Jahren bereits vertieft hat, um mehr Oberflächenwasser in ungefährdetere Bereiche ableiten zu können. Der werde nun weiter ausgebaut, um den Bereich „weiter unten“ und damit die heutige Landstraße zu entlasten. Auch an dem Einlaufbauwerk, dem besagten „Großgully“, werde man in Absprache mit der zuständigen Behörde Straßen-NRW bauliche Veränderungen vornehmen: einen Notüberlauf, damit dieser Gully nicht mehr so anfällig für (Grünschnitt-)Verstopfungen ist und leistungsfähiger wird.

Eine weitere Stellschraube, an der man laut Jürgen Staubach gemeinsam mit Straßen-NRW drehen werde, seien die Kleingullys entlang der Ortsdurchfahrt. Die Abdeckungen seien zwar normgerecht, ein Austausch aber durch Deckel mit größeren Gitterrostbreiten, die dann auch mehr durchlassen, sei denkbar. Abgesehen davon erfolgt die Straßenreinigung durch den KBW an der alten B1 in Westönnen turnusmäßig alle zwei Wochen.

Langfristig soll aber auch der Westönner Bach einen neuen Bachlauf westlich um Westönnen herum erhalten. Die Maßnahme gehört zu den wichtigsten drei Maßnahmen, die der Kreis Soest in Sachen Hochwasserschutz plant.

Für die Durchführung sei Grunderwerb erforderlich, erläutert Staubach. „Hierzu sind bereits Gespräche mit Grundstückeigentümern geführt worden. Solche Maßnahmen lassen sich allerdings erfahrungsgemäß nicht schnell umsetzen.“

Und dann sind da noch die Landwirte mit Feldern an der Haar. Auch dort ist zu beobachten, dass sie auf die zunehmenden Extremwetterereignisse reagieren. Manch ein Gemüse- bzw. Kartoffelanbauer hat die Pflanzreihen inzwischen quer zur Fließrichtung des Oberflächenwassers angelegt. Auch das bremst neben bewusst angelegten Grünstreifen mögliche Regenfluten von der Haar.

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