Kanzlei droht: Karnevalisten sollen auf „Lachendes Werl“ verzichten

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WERL - Es könnte der Stoff sein, aus dem Narren sich den Honig für ihre Büttenreden saugen – wenn es nicht so verdammt ernst und keinesfalls spaßig wäre. Eine große Kölner Anwaltskanzlei setzt den Werler Karnevalisten die Pistole auf die Brust und fordert sie im Auftrag eines bekannten Veranstalters auf, umgehend ihr „Lachendes Werl“ zu beerdigen - weil sie angeblich kein Recht an diesem Namen besitzen.

Von Matthias Dietz

Hans Joachim Billecke, ehrbarer Brudermeister der Werler St.-Sebastianus-Schützen, hatte gerade seine Einladung für die Festschrift der Traditionsveranstaltung am 31. Januar formuliert, da flatterte ihm ein Brief aus Köln auf den Frühstückstisch. Einer von der Sorte, die schon auf den ersten Blick Eindruck zu schinden vermögen. Weil der Briefkopf der Kanzlei Loschelder 30 Anwälte ausweist, allesamt mit Doktortitel.

Einer von ihnen, Dr. Thomas Schulte-Beckhausen, holt weit aus, bemüht die Geschichte, um dann zur Sache zu kommen: Die Theater-, Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH mit Sitz in der Karnevalshochburg Köln hat die Juristen beauftragt, sich mit den Werler Narren anzulegen. Weil man bereits seit 1964 Veranstaltungen unter der Oberbezeichnung „Lachende Hallen“ durchführe und sich verschiedene Marken, die den Bestandteil „Lachende“ enthalten, beim Deutschen Patent- und Markenamt unter der Nr. 306.30.510 habe sichern lassen. Folglich dürfe niemand sonst Veranstaltungen durchführen, die das Wort „Lachende“ im Titel führten.

„Vor kurzem“ sei Hofner darauf aufmerksam geworden, dass in Werl am 31. Januar eine Veranstaltung unter der Bezeichnung „Lachendes Werl“ geplant sei. Weitere Recherchen hätten ans Tageslicht gefördert, dass „Sie wohl in der Vergangenheit bereits Karnevalsveranstaltungen unter der Bezeichnung ‘Lachendes Werl’ durchgeführt haben“, heißt es in dem anwaltlichen Schreiben weiter. Das sei ein klarer Verstoß gegen Kennzeichen-, Titel- und Markenrechte.

In zwei anderen Fällen sei man bereits aktiv geworden – und habe vor dem Landgericht Köln obsiegt, schreibt der Kölner Rechtsanwalt, der „zusammenfassend festhält, dass Sie unserer Mandantin gegenüber zur Unterlassung, zur Auskunftserteilung und zum Schadenersatz verpflichtet sind“. Bis zum 19. Januar hätten die Werler Narren gefälligst schriftlich zu bestätigen, dass sie ab sofort auf den Namen „Lachendes Werl“ verzichten und sich verpflichten, für jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe in Höhe von 6.000 Euro zu zahlen. Natürlich hätten Schützen und Karnevalisten auch die Anwaltskosten zu übernehmen.

Hans Billecke hat sich ratsuchend an den Werler Obernarren Lutz Langschmidt gewandt – und der zeigt sich kampfeslustig, nachdem er zunächst kurz davorstand, „die Brocken hinzuschmeißen“, wie er zugibt. Am Donnerstag hat er ganz lange mit einer Hammer Fachanwältin gesprochen, die ihm Mut macht. Vor allem, weil es in Werl nachweislich schon vor 1964 Veranstaltungen mit dem Namen „Lachendes Werl“ gegeben hat. Alte Plakate und Zeitungausschnitte belegen dies. 1964 – das war das Jahr, als Hofner erstmals als Großveranstalter aktiv wurde.

Zunächst, sagt Langschmidt, werde die Juristin ihre Kölner Kollegen schriftlich über diese Hintergründe aufklären und sie auffordern, die Angelegenheit umgehend zu den Akten zu legen. Der Brief wird kurzfristig verschickt, damit die von der Kölner Kanzlei genannte Frist 19. Januar gewahrt wird. „Wir gehen gemeinsam davon aus, dass sich das damit in Luft auflösen wird“, ist Langschmidt zuversichtlich. „Falls nicht, werden wir klagen“, lässt der Werler Karnevalist allerdings auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass man nicht klein beigeben werde.

Auch wenn man optimistisch sei, dass die vorliegenden Beweise ausreichten, bittet Lutz Langschmidt dennoch die Werler um weitere Belege dafür, dass es schon vor 1964 „Lachendes Werl“ gab: alte Eintrittskarten, Handzettel, Plakate, Zeitungsausschnitte.

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