KBW testet neues Verfahren

In Werl unterwegs mit dem "Weedkiller" - mit kochendem Wasser gegen das Unkraut

+
Bekämpft das Unkraut auf dem Büdericher Friedhof: Hilfsgärtner Wolfgang Poscher. 

Werl - In diesen Tagen sind Mitarbeiter des Kommunalbetriebs mit einem Trecker unterwegs, auf dessen Anhänger sie einen dicken Wassertank und eine Maschine namens „Weedkiller“ spazieren fahren. Der Name ist Programm: Es ist ein Unkrautkiller – aber das Grünzeug wird schonend beseitigt.

Der Begriff „Unkraut“ mag umstritten sein – letztlich handelt es sich um Pflanzen, die dort wachsen, wo sie nicht erwünscht sind. In der Regel sind sie ungefährlich (vom Bärenklau einmal abgesehen), aber so hartnäckig, dass man „eine Bombe drauf werfen könnte und die Distel samt Wurzel hinterher frei im Krater schweben würde“. 

Früher ging man mit Herbiziden dagegen vor. Doch die giftigen Unkrautbekämpfungsmittel boten neben dem Vorteil, dass eine Behandlung einmal im Jahr ausreichte, nur Nachteile für die Umwelt. Können sie im Boden noch gebunden und von Bodenlebewesen abgebaut werden, funktioniert dies zum Beispiel auf gepflasterten Wegen, in denen das Grünzeug zwischen den Steinen frech hervorwurzelt, nicht.

Hier spült der Regen die Chemikalien in die Kanalisation, von dort können sie in den Wasserkreislauf und im schlimmsten Fall ins Trinkwasser gelangen. Die Anwendung von Herbiziden auf befestigten Wegen und Flächen ist daher verboten. 

Selbiges gilt für Mittel wie Grünbelagsentferner, Wege- und Steinreiniger, die der Unkrautvernichtung indirekt dienen, auch wenn auf der Verpackung oder in der Gebrauchsanleitung Anwendungsgebiete wie „Wege und Plätze“ genannt sind.

Das ideale Mittel: Hohe Temperaturen

Also versucht man es über hohe Temperaturen – die aktuelle Hitzewelle reicht dazu nicht aus, und die derzeitige Lösung kennt manch Kleingärtner von daheim: kochendes Wasser. Wer jedoch in großen Dimensionen denken muss, kann kaum mit dem Wasserkocher ausrücken – schon gar nicht der Kommunalbetrieb. 

„Wir benutzen professionelle Geräte“, sagt Jürgen Staubach, beim KBW für die Grünflächen zuständig, „während man in Soest ein großes Fahrzeug nutzt, das das heiße Wasser versprüht, haben wir Flächen, die dafür zu eng wären, zum Beispiel die Wege auf dem Friedhof.“

Gerät in Testphase

Derzeit hat sich der KBW ein solches Gerät ausgeliehen, um zu sehen, ob es sich bewährt. Hilfsgärtner Wolfgang Poscher war damit auf dem Büdericher Friedhof anzutreffen.

Langsam regnete das brühend heiße Wasser auf den Weg, „und man sieht gleich, wie der Löwenzahn hier die Blätter hängen lässt.“ Im Tank brodeln 1000 Liter Wasser bei 98 Grad vor sich hin, die mit einer speziellen Vorrichtung auf das Gestrüpp gerichtet werden.

Enttäuschung für alle Heimgärtner

Alle jene, die sich nun Hoffnung machen, man könne sich das Gerät vielleicht mal für die heimische Terrasse ausleihen, muss Staubach enttäuschen: „Die Kosten für solche Einsätze möchte niemand daheim haben – bei kleinen Flächen sollte man doch besser beim Wasserkocher bleiben. Das heiße Wasser zerstört die Zellstruktur der Blätter, sodass die Fotosynthese verhindert wird. Sickert das Wasser nach unten, erreicht es auch die Wurzel, sofern sie nicht zu tief reicht, und beschädigt auch diese.

Staubauch: „Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass die Pflanze wie beim Abflammen dabei verbrannt wird und nur einen schwarzen Fleck hinterlässt.“ Vielmehr vertrocknet das Unkraut nach und nach, da es nicht mehr genügend Nährstoffe und Feuchtigkeit aufnehmen kann, und stirbt schließlich ab. Entfernt werden muss das tote Gemüse später dennoch.

Die Nachteile

Ein weiterer Nachteil ist neben dem Wasserverbrauch die geringe Nachhaltigkeit, der Vorgang muss mehrmals im Jahr wiederholt werden. Wer einen Hochdruckreiniger besitzt, der Wasser erhitzen kann, kann seinen Fugen daheim auch damit auf den Leib rücken. 

Und zwar ganz egal, ob man dem Unkraut nun mit dem Wasserkocher oder dem Tank des KBW auf den Leib gerückt ist: Vier- bis fünfmal im Jahr muss das Gerät dieselben Flächen behandeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare