Neue AG am Marien-Gymnasium

"Gutes Klima": Kein Streik an Werler Schulen

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Umweltfreundlich: Carolin Helfer, Carina Müller, Jana Specht, Michael Prünte, Luca Zuleger und Marco Hagedorn setzen sich am Marien-Gymnasium mit dem Thema Klimaschutz auseinander.

Werl - Deutschlandweit demonstrieren Schüler gegen den Klimawandel – während der Unterrichtszeit. In Werl gibt es solche Streiks bislang nicht, was zum Teil an Maßnahmen der Schulleitungen liegt. So geht das MG mit einer Umwelt-AG neue Wege.

„Wieso sollen wir für eine Zukunft lernen, die wir gar nicht haben?“, steht auf vielen Plakaten bei den so genannten „Fridays for Future“. Am jeweils letzten Schultag der Woche sind die Jugendlichen aufgerufen, Heft und Stift liegenzulassen und auf die Straße zu gehen, um ein Zeichen zu setzen.

„Eigentlich eine lobenswerte Sache“, findet Michael Prünte, Schulleiter des Marien-Gymnasiums. Wenn Schüler sich für ein ehrenwertes Ziel einsetzen, stehe er grundsätzlich erstmal hinter ihnen. Dennoch ist die Situation ein Dilemma für Prünte: Es besteht Schulpflicht. Wer während der Unterrichtszeit protestiert und damit schwänzt, macht sich strafbar.

„Eine Beurlaubung ist nicht möglich“, stellt Prünte klar. Solange keine andere Anweisung von der Regierung kommt, werde das MG alles für die Einhaltung der Regelung tun. Das würde im Ernstfall unentschuldigte Fehlstunden bedeuten. Michael Prünte sieht das Ganze aber gelassen: „Die Schüler haben bisher kein Streik-Bedürfnis geäußert.“ Den Grund dafür sieht der Rektor im Konzept seiner Schule, das Thema wird in den Lehrplan eingebracht.

AG für den Klimaschutz

Und wenn es hart auf hart kommt, soll nach einem Kompromiss gesucht werden. „Wir würden gemeinsam im Gespräch mit den Schülern eine Lösung finden.“ Marco Hagedorn ist als Verbindungslehrer zur Schülervertretung (SV) nah an den Gymnasiasten dran. Auch er bestätigt: „Der Wunsch nach Demos ist nicht so groß.“ Präventiv sorgt das MG dafür, dass das Thema Klimawandel immer wieder aufgegriffen wird – ab Februar auch mit einer neuen AG.

Zum Halbjahreswechsel bieten Carolin Helfer und Carina Müller im Rahmen eines freiwilligen Kurses die „Umwelt AG“ an. Dabei sollen Aspekte wie Plastik- und Müllvermeidung, erneuerbare Energien sowie umweltschonendes Verhalten im Alltag, aber auch klimabewusste Gestaltung der Schule angesprochen werden. Die Lehrerinnen wollen dies nicht nur in der Theorie behandeln, sondern auch Tipps für die Praxis geben und für Außenwirkung sorgen.

Aktionstag gewünscht

Aus solchen Ideen wachsen meist neue Projekte, eigene Versuche oder private Diskussionen, weiß Marco Hagedorn: „Durch den Unterricht und die Zusatzangebote haben die Schüler mehr Infos, sind mittendrin.“ Die Schüler am MG sind nachhaltig für das Thema Klimawandel sensibilisiert. Bereits 1984 beschäftigten sie sich damit.

Auch heute laufen noch Projekte wie Mülltrennung oder CO2-Vermeidung. Seit 2003 hat die Schule zum Beispiel eine Fotovoltaikanlage für Solarenergie auf dem Dach. Von der Stadt Werl gab es für die ökologische Ausrichtung sogar schon den Umweltpreis. Michael Prünte wünscht sich darüber hinaus einen landesweiten Aktionstag. „Wenn die Regierung diesen Vorschlag umsetzt, hätten wir einen rechtlichen Rahmen – auch für Demos.“

Soester Schüler wollen fürs Klima streiken

Am Ende zählt für ihn vor allem, dass den Schülern mit Vertrauen und Respekt begegnet wird. Tatsächlich sagt SV-Schülerin Jana Specht: „Zurzeit ist das bei uns wirklich nicht akut. Aber selbst wenn wir eine Demo planen würden, egal zu welchem Thema, dann würden wir das vorher bei den Lehrern und der Schulleitung ankündigen.“ Ihr Mitschüler Luca Zuleger ergänzt: „Falls die sich dann querstellen, ziehen wir das natürlich trotzdem durch.“ Immerhin sei das Sinn eines Protests, so der 17-Jährige.

So sehen es die anderen Schulen:

Auch an den Ursulinenschulen sind Streiks noch kein Thema. Schulleiterin Anne-Kristin Brunn sagt: „Dem Unterricht fernzubleiben geht natürlich nicht. So etwas ist bei uns aber auch gar keine konkrete Anregung der Schüler.“ Man befinde sich im Gespräch mit der Schülervertretung, die aktuell zumindest Interesse am Klimaschutz zeigt. Auch hier gibt es Überlegungen, das Thema noch mehr im Unterricht einzubinden. „Uns ist wichtig, einen positiven Beitrag durch Kleinigkeiten zu leisten“, so Brunn. Ähnlich ist es bei der Sälzer-Sekundarschule. „Wir diskutieren darüber mit unseren Schülern, haben eine sehr aktive Vertretung. Streiks gab es bislang nicht“, sagt die stellvertretende Leiterin Martina Schmitz.

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