Thema im Rat

Klima-Krise: Das will die Werler Politik unternehmen

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Werl – Notstand – das ging vielen im Rat dann doch zu weit. Aber „Klima-Krise“, darauf konnte sich die Politik durchaus einigen. Nach langer Debatte beschloss der Rat einen Arbeitskreis und ein Bürgerforum – und die SPD zog den Antrag, dass Werl den „Klima-Notstand“ ausrufen solle, zurück.

„Das ist nicht von uns erfunden“, hatte Meinhard Esser (SPD) den Antrag begründet. Man habe ihn von anderen Städten übernommen, „was ihn nicht schlechter macht“. 36 machen bislang mit. Man rede ja auch nicht konkret über Werl, sondern global. Kommunal gebe es diesen Klima-Notstand nicht.

„Aber wir müssen uns ernsthaft damit auseinandersetzen, wie wir als Stadt helfen können, die Klimaziele zu erreichen“, sagte Esser. Es gehe eben auch um Symbolik. Wichtig sei, die Bürger mitzunehmen auf dem Weg, zumal die womöglich Ideen haben, „auf die wir Politiker gar nicht kommen“. Am Ende solle ein Klimakonzept für Werl stehen. „Wir glauben, dass wir etwas tun können – und wir sind zum Handeln aufgefordert“, sagte Esser.

Beispiel Zirkushalle

Matthias Fischer (WP) stimmte ein. Wenn er sehe, wie im Norden rund um die Zirkushalle massenhaft Bäume gefällt worden sind, die nur zurückgeschnitten werden sollten, sei genau das ein Beispiel dafür, wo Werl genauer hinschauen müsse.

Er kenne auch drei Fälle, wo in der Stadt „rigoros riesige Blutbuchen einfach gefällt wurden“. Die Werler Politik müsse jetzt die Frage beantworten, ob sie in der Lage sei, „jugendlich zu denken“. Dem SPD-Antrag zur Ausrufung des Klimanotstands wolle man „natürlich“ zustimmen, sagte Uwe Jansen (Grüne). „Aber plakative Maßnahmen sind unzureichend.“ Es sei schön, dass nun in Werl erste Initiativen entstehen, die sich an die „fridays for future“-Bewegung junger Menschen anschließen.

Für die Grünen kündigte Thomas Schulte zudem ein Klimaschutzkonzept für Werl an. Siegbert May (BG) nannte Klimaschutzkonzepte gut, „aber wir brauchen keine Symbolpolitik“. Besser sei, vor Ort zu erarbeiten, „was wir erreichen wollen“.

Beispiel Pools

Sei es der Verbrauch in öffentlichen Gebäuden oder die Analyse von Luft. „Und ich wundere mich über all die Pools in den Gärten“, sagte May. Der „Notstand“-Begriff sei gleichwohl nicht erforderlich. „Und der Antrag der SPD bezieht sich auf ein Papier, das wir gar nicht kennen.“ 110 Seiten umfasse es, darüber könne man verantwortlich nicht einfach abstimmen. Der BG-Fraktionschef merkte an, dass er eine Anfrage gestartet habe, die sich um die Energierückgewinnung aus Abwässern dreht.

Beispiel Postfächer

Und auch die Tatsache, dass die Postfächer am Briefzentrum im Norden statt in der Innenstadt sind und dadurch viele Fahrten notwendig werden, sei nicht klimafreundlich. Und wo er schon dabei war: „Was ist mit Kunstrasenplätzen? Brauchen wir die in der Menge?“ Das Thema Klimaschutz sei nicht neu, sagte Gerd Petermann, CDU. „Gefühlt stand das immer schon an erster Stelle.“

Der Christdemokrat erinnerte daran, dass 80 bis 90 Prozent der Investitionen in die energetische Erneuerung von Gebäuden geflossen sei. Den Begriff „Notstand“ hielt Petermann aber auch „für übertrieben“. Wenn man den ausrufe, müsse man den Bürgern auch sagen, was das bedeutet. Der SPD hielt er süffisant vor, dass sie „vor 50 Tagen und einer Wahl“ noch vehement für Beleuchtung an der Boke gekämpft habe.

Beispiel Kunstrasen

„Und bei den Kunstrasenplätzen hätten wir nicht über eine Erneuerung gesprochen, sondern daraus wieder Naturrasen gemacht“, sagte Petermann. Werl stehe vor Großmaßnahmen wie den Um- und Ausbau der Walburgisschule. Hier sei eine Erdgaswärmepumpe geplant – nicht klimaneutral. „Da müssten wir die ganze Planung noch mal auf den Prüfstand stellen.“ Petermanns Fazit: „Die Dramaturgie eines Notstands wollen wir nicht haben.“

Der plakative Antrag der SPD helfe nicht weiter; der Bildung eines Gremiums könne die CDU aber etwas abgewinnen. Das schließe eine Resolution nicht aus, entgegnete Karl-Joseph Lippold (SPD). Die sei „Ausdruck einer Haltung“. Werl habe sich der Klimaverantwortung spätestens im Integrierten Stadtentwicklungskonzept zu stellen. Esser freute sich über den Konsens in der Politik, sich des Themas anzunehmen. Die Zeit sei reif, darüber zu reden, der Begriff „Notstand“ angebracht.

Essers Frage klang rhetorisch: „Was wir hier haben, ist kein Notstand?“ Die SPD sei bereit, den Antrag zurückzuziehen, wenn man die Dinge per „Arbeitskreis Klimaschutz“ und Bürgerforum weiterbringe. So brachte es der Rat auf den Weg – bei einer Enthaltung von Friedrich Böllhoff (CDU).

„Parents4future“: Eltern sind gefragt

Die Klima-Frage erreicht nun auch Werl: Katja Kurte, die sich als „besorgte Werler Bürgerin“ bezeichnet, will die Bewegung „Parents4future Werl“ stärken. Bislang gebe es zwei mitglieder, das Interesse am Thema sei aber sehr spürbar. Bürgermeister Michael Grossmann griff das im Rat auf und informierte kurz über das Vorhaben.

„Die aktuellen Berichte über die Entwicklung unseres Klimas erfüllen mich mit großer Sorge“, sagt Katja Kurte; bei einem Vortrag in Soest von Klimaforscher Dr. Udo Engelhardt haben sie von erschreckenden Zahlen und Fakten gehört. Daher will sie zum Dialog einladen. Ein erstes Treffen soll am 9. Juli um 19 Uhr im Café Dreiklang stattfinden. Dr. Engelhardt versuche, zu dem Treffen zu kommen und habe „grundsätzlich auch zugesagt, für einen Vortrag oder mehrere zur Verfügung zu stehen. Wer keine Zeit, aber Interesse an Parents4future Werl“ haben, kann per Mail Kontakt aufnehmen: k.kurte@vita-communis.de

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