Corona-Zwangspause

Klassenarbeiten online? Was Werler Schulen davon halten

Es müssen noch etliche Klausuren oder Klassenarbeiten geschrieben werden bis zu den Ferien. Aber wo? Und wie?
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Es müssen noch etliche Klausuren oder Klassenarbeiten geschrieben werden bis zu den Ferien. Aber wo? Und wie?

Michael Prünte nimmt kein Blatt vor den Mund. Und auch keinen Klausurbogen. Der Rektor des Mariengymnasiums macht deutlich, was er von einer Diskussion über Online-Klausuren oder Klassenarbeiten per Laptop hält: „Nichts“. Und die Ursulinenschulen zeigen sich bemüht, „Möglichkeiten zu finden, die Belastung für die Schüler zu reduzieren“.

Werl – Drei der vier weiterführenden Schulen aus Werl bezogen Stellung zur umstrittenen Frage, wie es mit den Klassenarbeiten weitergehen soll angesichts einer nur noch kurzen Zeit bis zu den Sommerferien.

Das sagt das Mariengymnasium

Michael Prünte hält es dabei für ausgeschlossen, dass Online-Klausuren oder Klassenarbeiten über Laptop oder Tablet ein Weg sind, um den Schülern und den Erfordernissen des Lernens in ganzheitlicher Begleitung gerecht zu werden. Das sagt der Schulleiter auf Anfrage. Sicher, es gebe Online-Klausuren derzeit auch an den Universitäten in Zeiten von geschlossenen Bildungseinrichtungen. „So etwas kann man Erwachsenen zumuten – aber nicht Schülern“, sagt Prünte. Und daher wolle sich das städtische Mariengymnasiums „solchen Formaten versagen“.

Die Frage ist aber, was das NRW-Schulministerium will. Derzeit ist die Zahl der Klassenarbeiten von drei auf zwei pro Fach reduziert, die Zentralklausuren der EF sind fallen gelassen worden. An die Vorgaben aus Düsseldorf ist auch das MG gebunden. Aber auch Michael Prünte weiß um die Diskussionen bei Schülern und Eltern, ob und wie die vielen Klassenarbeiten überhaupt noch geschrieben werden können. Gut zehn Wochen vor den Sommerferien drückt die Zeit. Und es ist offen, wann die Schüler nach der neuerlichen Corona-Zwangspause überhaupt in die Schulen zurückkehren. Überlegungen, Klassenarbeiten daher online schreiben zu lassen, ergeben sich dadurch fast zwangsläufig.

Aber der MG-Chef sieht nicht nur „technische Hürden“, sondern auch Ungerechtigkeiten für die Schüler, die sich daraus ergeben. Es fehle an Betreuung und Rückfragemöglichkeiten. „Mit unserer Philosophie ist das nicht vereinbar“, betont Prünte. Ganz davon abgesehen, dass dem kreativen Einsatz von Spickzetteln und anderen Hilfsmaßnahmen durch Schüler, die im häuslichen Umfeld Klausuren schreiben sollen, Tür und Tor geöffnet wären.

Und so hat das MG eher die Idee „anderer Prüfungsformate“, die ja auch zum Einsatz kommen könnten als Ersatz für Klassenarbeiten oder Klausuren. Die Möglichkeit von Referaten, Portfolios/Dokumentensammlungen, Lesetagebüchern oder mündlichen Prüfungen in Kleingruppen seien „interessante Ideen“, sagt der Schulleiter. „Da sind wir immer kreativ am MG.“ Und er betont, dass die Lehrer ihre Schüler auch anhand einer oder aber sogar gar keiner Klassenarbeit gerecht beurteilen könnten, aller aktuellen räumlichen Distanz zum Trotz. „Aber natürlich muss das valide und objektivierbar sein – und nicht beliebig.“

Das sieht Michael Prünte am MG aber gewährleistet durch „kontinuierliche Betreuung“. Im gesamten Prozess müsse aber der Schüler an erster Stelle stehen, kein Kind dürfe in Zeiten der Pandemie auf der Strecke bleiben. Daher baue das städtische Gymnasium auf die ganzheitliche Begleitung der Schüler, in der auch der sozial-emotionale Baustein wichtig ist. Der, so Prünte, habe „Priorität gegenüber der Lernerfolgskontrolle“.

Das sagen die Ursulinenschulen

„Es liegt uns sehr am Herzen, dass wir Möglichkeiten finden, die Belastung für die Schüler zu reduzieren“, sagt Anne-Kristin Brunn, Leiterin der beiden Ursulinenschulen Werl, zum drängenden Problem offener Klassenarbeiten an weiterführenden Schulen nach der neuerlichen Schließung. „Natürlich“, ergänzt die Rektorin auf Anfrage, „würden wir uns hier durchaus einen größeren Spielraum durch die ministeriellen Vorgaben wünschen – insbesondere für die Wahlpflichtbereiche, die zur Zeit ja nicht in klassenübergreifenden Kursen unterrichtet werden dürfen.“ Gleichzeitig seien die Ursulinen jedoch „zuversichtlich, dass wir gute Lösungen im Sinne unserer Schüler finden werden.“

Dass die Zeit drängt in den wenigen Wochen bis zu den Sommerferien, wissen auch die Privatschulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. „Die Problematik mit der fortschreitenden Zeit sehen wir in den Schulen natürlich direkt aus erster Hand“. Man sei den Fachschaften im Gespräch, „und so haben alle Fachschaften entschieden, auf jeden Fall von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, jetzt nur noch eine Klausur zu schreiben, dort wo das zulässig ist“, sagt Anne-Kristin Brunn. Das betreffe allerdings im Wesentlichen die Jahrgangsstufe EF des Gymnasiums. Für alle anderen Jahrgänge bestehe tatsächlich die Vorgabe, „mindestens zwei Klassenarbeiten“ zu schreiben. „Hier werden wir uns natürlich auf die Mindestzahl beschränken.“

Darüber hinaus sehen laut Schulleiterin sowohl die ministeriellen Vorgaben, als auch das Konzept zum Lernen auf Distanz vor, dass es auch Leistungsüberprüfungen im Distanzunterricht geben darf. „Auch darauf greifen wir zurück, um eine bessere Verteilung der Klassenarbeiten zu erreichen.“ Dabei könnten in manchen Fächern auch Lesetagebücher oder Projektarbeiten als Klassenarbeiten gewertet werden. In den Fremdsprachen könne es auch mündliche Prüfungen geben, die ebenfalls digital stattfinden können. „Insgesamt sind die Kollegen untereinander und dort, wo es geht, auch mit den Lernenden im Gespräch, um hier die verschiedenen Möglichkeiten transparent zu machen und zu beraten“, sagt die Schulleiterin.

Von der Sälzer-Sekundarschule blieb eine Stellungnahme zunächst aus.

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