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Kita-Plätze: Bei Kindern über drei Jahren wird es eng

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Die neue Leiterin Heike Hennemann hatte zu viele Anmeldungen im Kindergarten Westönnen – so wie ihr ging es vielen Kitas in Werl.

Werl – In den Werler Kindergärten zeichnet sich ein Engpass im Ü3-Bereich ab. Viele Einrichtungen melden mehr Anmeldungen als Plätze für die älteren Kinder. Einige haben keinen einzigen Ü3-Platz anbieten können. Daher habe man Anfragen abweisen und die Kita-Anmeldekarten zurückgeben müssen.

Ein Grund für den Engpass: Viele Eltern melden mittlerweile ihre Kinder bereits an, wenn diese zwei oder jünger sind: Diese Kinder wachsen später in den Ü3-Bereich hinein. Dort werden dann Plätze knapp. Problematisch ist das für Familien, die zuziehen oder Eltern, die ihr Kind erst mit drei Jahren in den Kindergarten geben wollen. Die Leiterinnen haben sich jetzt getroffen, um die Anmeldekarten abzugleichen. Auf der Kita-Karte des Kreisjugendamts ist schließlich Platz für einen Zweit- und Drittwunsch, falls die erhoffte Kita voll ist. Und das sind fast alle, wie die Umfrage unserer Redaktion zeigt. Einige Eltern werden also ausweichen müssen.

St. Peter: „Es war noch nie so schlimm, einen Mangel an Plätzen verwalten zu müssen“, sagt Leiterin Ulrike Leder. Anmeldungen von Kindern über drei Jahren habe man überhaupt nicht berücksichtigen können, weil kein Platz frei war. 14 Kinder wechseln im Sommer in die Schule, wegen der Überbelegung gibt es aber nur zwölf Neuaufnahmen – allesamt für Kinder unter drei. 30 Anmeldungen lagen vor. „Jede Ablehnung tut weh“, sagt Ulrike Leder. Dass sogar Geschwisterkinder nicht berücksichtigt werden können, sei unschön. Immerhin: Im kommenden Jahr werde es besser aussehen, das ist absehbar. Dass der Kindergarten das Kind nicht nur sprichwörtlich „schon schaukeln“ wird, liegt an einer Neuanschaffung: eine Schaukel für vier Kinder, die alte fiel dem Pilzbefall zum Opfer. Nun soll ein Stahl-Exemplar her, das länger haltbar, aber dem entsprechend teurer ist. Rund 19 000 Euro sind aufzubringen. Man sei dankbar über die Hilfe des Fördervereins, sagt Ulrike Leder.

Martini: Es ist „alles voll“, teilt Leiterin Isolde Gerstemeyer mit. Auch dort hat es zu viele Anmeldungen für ältere Kinder im Ü3-Bereich gegeben, rund eine Hand voll. Nicht viele Kinder gehen im Sommer, 18 verlassen die Einrichtung im Schatten der Paulus-Kirche. Der Kindergarten war überbelegt, daher werden weniger Kinder neu aufgenommen. Die zwölf U3-Plätze sind voll, nur ganz wenige Ü3-Kinder können aufgenommen werden. Immerhin: 2021 werde man mehr Schulabgänger haben, das werde etwas entspannen.

St. Norbert: Wie im Vorjahr „relativ ausgeglichen“ und damit entspannt, ist die Lage in St. Norbert. „Alle Plätze sind belegt“, sagt Leiterin Angelika Klose. Da der Kindergarten nur eine Gruppe mit sechs U3-Plätzen hat, gab es in diesem Bereich einen Überhang von vier Anmeldungen, die man nicht berücksichtigen könne. Die anderen Gruppen sind für Kinder über drei. Hier habe die Anmeldung „auf den Punkt genau“ gepasst. 21 Neuaufnahmen kann es geben, da so viele Kinder in die Schule wechseln. Die Sanitäranlagen sind mittlerweile erneuert, nun werden nach und nach die Gruppenräume umgestaltet. Es gehe um Mobilar und Ausstattung. Dazu gibt es Gespräche mit dem Träger. Im Kindergarten steht ein Jubiläum an: Er wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt. „Das werden wir feiern, wir sind schon in der Vorplanung“, sagt die Leiterin.

Marianne-Heese: Zurückhaltend bei der Auskunft zeigt sich die kommissarische Leiterin Ute Mansfeld. Man sei „übervoll“ und „wie immer überbelegt“. 18 Kinder verlassen im Sommer die viergruppige Einrichtung. Der Kindergarten habe aber „deutlich mehr Anmeldungen“ erhalten, könne also nicht alle berücksichtigen. Das betreffe vorwiegend den Bereich der U3-Kinder. Zahlen will Ute Mansfeld nicht nennen. Aber: Es steht ein Jubiläum ins Haus am Westuffler Weg: Seit 25 Jahren besteht der Marianne-Heese-Kindergarten 2020.

St. Benedikt: Im Marianne-Heese-Kindergarten konnten Eltern auch Kinder für die geplante Übergangseinrichtung in Büderich anmelden. Der Träger ist jeweils die Stiftung. Es gebe Anmeldungen, sagt Ute Mansfeld. Zur Zahl schweigt sie sich aus.

Vinzenz-Kindergarten: Der Werler Kindergarten entlässt zum Sommer 16 Kinder und nimmt ebensoviele wieder auf, sagt Leiterin Nadine Brauner. Ein gutes halbes Dutzend zu viele Anmeldungen gab es für sechs U3-Plätze, während es bei den zehn Plätzen für Kinder über drei Jahren „gut gepasst“ habe.

St. Walburga: Mehr Anmeldungen als Plätze und zwar sowohl bei den älteren, als auch bei den jüngeren Kindern – das meldet die neue Leiterin Heike Gruchot. Der Kindergarten ist zurzeit mit vier Plätzen überbelegt, daher werden bei 23 Abgängen nur 19 Kinder neu aufgenommen. Die sechs U3-Plätze und 13 Ü3-Plätze waren zum Ende der Anmeldungen allesamt vergeben. Ein gutes Dutzend Karten ging zurück ans Kreisjugendamt.

St. Michael: 14 Schulkinder meldet der zurzeit überbelegte Kindergarten, der nur elf Neuaufnahmen anbieten kann – allesamt für U3-Kinder. In beiden Bereichen habe es zu viele Anmeldungen gegeben, sodass die Anmeldekarten weiter gereicht werden müssen, sagt die stellvertretende Leiterin Sonja Herrmann.

Kita Nord I: Die Einrichtung an der Droste-Hülshoff-Straße wies die Eltern früh darauf hin, dass man keine Ü3-Kinder aufnehmen könne. Daher gab es dafür auch keine Anmeldung. 15 Kinder wechseln zur Schule, aber nur zwölf kommen neu, um der chronisch überbelegten Kita etwas Raum zu verschaffen. Alle zwölf Neuanmeldungen sind für den Krippenbereich mit Kindern ab 4 Monaten – und alle sind vergeben. Drei Ablehnungen für U3-Kinder habe man vornehmen müssen, sagt Leiterin Ingrid Ostrowski. In der Kita freut man sich auf 2020: Es gibt eine neue Küche für die Kita-Kinder.

Kita Nord II: Das Haus am Kiebitzweg meldet eine entspannte Anmelderunde. „Es ist alles passgenau gelaufen“, sagt Leiterin Manuela Wohlgethan. 20 Kinder gehen im Sommer, wegen der Überbelegung rücken regulär nur 16 nach, davon der überwiegende Teil (13) im U3-Bereich. Die Kita ist voll, nach Maßnahmen rund um das Gebäude sei man „topp aufgestellt“.

"Wichtelhausen": Am Langenwiedenweg gab es einen Überhang an Anmeldungen für Kinder über drei Jahren. Sieben Ü3-Plätze kann die Kita anbieten. Es gehen 17 Kinder im Sommer. Noch Platz war nach der Anmeldung für eine gute Hand voll Kinder unter drei Jahren, sagt Leiterin Kornelia Fleper; dass es Nachbelegungen gibt nach dem Abgleich der Kita-Karten, ist zu erwarten. An der Kita habe sich viel getan: Schallschutzmaßnahmen, eine Giebelverkleidung am Gebäude, eine neue Matschanlage. 2020 ist ein Anstrich geplant, zudem gibt es weitere Überlegungen für den Außenbereich. „Aber das ist noch nicht spruchreif.“

„Little Foot“: Die eingruppige Kita entlässt vier Kinder und nimmt nach einer leichten Überbelegung drei im U3-Bereich neu auf, sagt Leiterin Ines Beyer. Nach der Anmeldung war nur noch ein Platz frei für ein Kind unter drei Jahren. Es gab aber insgesamt mehr Anmeldungen als möglich, vier Anmeldekarten (zwei Ü3 und zwei mit Kindern unter zwei Jahren) gingen zurück.

"Abenteuerland": Nach dem Neubau ist die jetzt dreigruppige Kita in Büderich an der Budberger Straße nahezu voll. Zunächst gab es noch wenige freie Plätze im Bereich über drei Jahren; aber da der Austausch mit den anderen Kitas noch anstand, zeigte sich Leiterin Martina Lang „gelassen“. Keinen Platz gibt es mehr für Kinder unter drei Jahren, man habe nicht alle Anmeldewünsche erfüllen können und Kita-Karten zurückgegeben – „vermehrt im U2-Bereich“, eine gute Hand voll. 15 Kinder werden im Sommer in das Abenteuer Schule starten. Als nächstes stehen Außenarbeiten an. Es fehle noch an Bepflanzungen und einigen Spielgeräten.

"Saatkorn": „Die Anmeldung war gut“, heißt es bei der Hilbecker Kita. 13 Kinder wechseln in die Schule. Der zweigruppige Kindergarten bildet eine Ausnahme: Hier gab es nach der Anmeldung noch ein paar Plätze für Kinder über drei Jahren. Der U3-Bereich ist hingegen voll, sagt Leiterin Heike Fischer. Die Kita ist seit Mai „Bewegungskindergarten“; den gelte es mit den Kooperationspartnern nun mit Leben zu füllen.

St. Antonius: „Keine großen Gedanken“ müsse man sich um die Situation in Sönnern machen, teilt Leiterin Sarah Schulte mit. Nach der Anmeldung gab es noch „etwas Platz“; aber der Kartenabgleich bringe noch Änderungen mit sich. Genaue Zahlen wollte die eingruppige Einrichtung nicht nennen. Drei Kinder wechseln zur Schule. Maßnahmen rund um den Kindergarten seien nicht geplant.

St. Cäcilia: Leiterin Heike Hennemann konnte nicht alle Anmeldungen für Kinder über drei Jahren berücksichtigen. Eine gute Hand voll Anmeldungen zu viel meldet Westönnen. Der zurzeit schon überbelegte Kindergarten wird wieder voll sein, auch wenn 16 Kinder im Sommer zur Schule wechseln. 14 Neuaufnahmen gibt es, davon nur zwei im Ü3-Bereich. Zum Ende der Anmeldung war noch ein U3-Platz frei. Für den Außenbereich plant der Kindergarten eine neue Schaukel im Frühjahr für drei Kinder.

Ohne Angaben: Wegen Abwesenheit der Leitung äußerte sich die Kita Kirchspiel Westönnen nicht. Der Büdericher Kindergarten St. Vinzenz wollte keine Auskunft geben.

Das sagt der Kreis Soest

Der Kreis Soest weiß nichts von fehlenden Plätzen für Kinder über drei Jahren in Werl. Kreissprecher Wilhelm Müschenborn wollte „keine Wasserstandsmeldung“ abgeben. Die entscheidende Jugendhilfeausschusssitzung sei am 12. März, Anmeldungen zum Landesjugendamt müssten bis 15. März erfolgen. „Im Übrigen sind die Kita-Karten für Werl noch nicht ausgewertet“, sagt Müschenborn. „Wir sind aber zuversichtlich, den bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen.“ Nichts sagt der Kreis zum Stand der Übergangs-Kita im Vinzenzhaus (künftig St. Benedikt) an der Büdericher Friedrichstraße, die Überhänge auffangen soll. Die ist lang geplant, aber noch nicht gestartet. „Details in Sachen St. Benedikt werden in den nächsten Monaten mit dem Träger besprochen und geprüft“, heißt es.

Kommentar

Kreis verschließt erneut die Augen

Er ist wieder da. Der Schlendrian bei der Kreisverwaltung. Die Behörde macht erneut die Augen zu bei den Fragen, die in Werl den Kitas, vor allem aber Eltern unter den Nägeln brennen. Warum auch die gemütliche Adventszeit stören? Es ist ja noch so viele Zeit. Zeit, die die Eltern in diesem stets quälend langen Verfahren nicht haben. Der Kreis hat nichts gelernt aus seinem Versagen in der Bedarfsplanung für Büderich vor einigen Jahren, als die Behörde viel zu spät reagierte, obwohl der Engpass auch da augenfällig war. 

Auch das grenzenlose Erstaunen zu Beginn dieses Jahres, wo denn plötzlich all die kleinen Kinder herkommen, spricht Bände. Denn dem Kreis fehlt Weitsicht. Dann wird geredet vom Gruppenausbau in Westönnen – und ein Jahr später ist noch nichts passiert? Die Stadt Werl und die Bürger dürfen erwarten, dass der Kreis aus dem Dornröschenschlaf erwacht und nicht nur gähnend die Hand aufhält, um mehr Geld bei der Kreis- und Jugendamtsumlage zu kassieren. Das gilt auch im Bereich der Kommunikation. 

Da heißt es nur gebetsmühlenartig: „keine Wasserstandsmeldungen“. Aber wenn das Wasser bis zum Hals steht, darf man vom Kreis Soest mehr Engagement und Einfühlungsvermögen verlangen. Beides lässt die Behörde vermissen. Vielleicht sollte es Werl beim Überweisen der Jugendamtsumlage künftig auch gemächlicher angehen klassen. Und erst zahlen, wenn der Kreis geliefert hat.

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