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Kita-Ausbau: Politik trifft überraschende Entscheidung

Die Politik trifft beim Kita-Ausbau in Werl eine überraschende Entscheidung.
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Die Politik trifft beim Kita-Ausbau in Werl eine überraschende Entscheidung.

Beim Kindergarten-Ausbau in Werl wurde aus dem „oder“ überraschend ein „und“. Anders als in der ersten Beschlussvorlage der Verwaltung vorgesehen, sprachen sich die Politiker im Sozialausschuss am Dienstagabend einstimmig für die Erweiterung von Martini-Kindergarten und Walburga-Kindergarten um jeweils eine Gruppe mit zehn Plätzen für Unter-Dreijährige aus.

Werl - Eigentlich war vorgesehen, dass die Politik entweder eine Empfehlung für die Evangelische Kirche (Martini-Kindergarten) oder die Kita gGmbH (St. Walburga) als Träger einer weiteren Gruppe in der Kernstadt ausspricht. Eine Entscheidung, die besonders brisant zu werden drohte, nachdem die Evangelische Kirchengemeinde sich jüngst öffentlich über einen „Eindruck der Einseitigkeit“ zu Gunsten der katholischen Kirche beklagt hatte.

Ein Vorschlag der CDU machte diese schwierige Entscheidung nun unnötig. Gerd Petermann begründete den Vorschlag mit dem hohen Bedarf an Kita-Plätzen, der sich auch für die Zukunft weiter abzeichne. Gerade bei Kita-Neubauten mache es Sinn, von vorneherein größer zu planen. „Bislang sind wir dem Bedarf meist hinterher gehechelt.“

Gudrun Hengst, Leiterin des Kreisjugendamtes, bestätigte, dass der Bedarf für zwei Gruppen auf jeden Fall vorhanden sei. Hendrik Weber (SPD) warb ebenfalls für den doppelten Ausbau: „Wir sollten jetzt Mut beweisen, damit wir nicht jedes Jahr darum bangen müssen, wo wir die Kinder unterbringen.“

Kritik am Finanzierungsmodell

Petermann sprach sich allerdings deutlich gegen das von der Evangelischen Kirche angestrebte Investorenmodell beim Ausbau des Kindergartens aus. Denn langfristig fielen der Stadt die Mietkosten über die Jugendamtsumlage teuer auf die Füße. Hengst bestätigte: „Das Investorenmodell ist eine schnelle Lösung, aber langfristig teuer.“ Auch Weber übte Kritik am Investoren-Modell. Zur Not müsse die Stadt künftig darüber nachdenken, selber zu bauen.

Die Verwaltung wurde letztlich beauftragt, mit der Evangelischen Kirche nochmals über das Finanzierungsmodell zu sprechen.

Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Jugendhilfeausschuss sieht die angestrebte Ausbauplanung nun so aus: Kindergarten St. Cäcilia Westönnen (plus 30 Plätze), Kita Saatkorn (plus 10 Plätze), Martini-Kindergarten (plus 40 Plätze), Walburga-Kindergarten (Ersatz-Neubau mit 10 zusätzlichen Plätzen). Außerdem soll das Provisorium Vinzenzhaus Büderich (30 Plätze) unter neuem Träger zur regulären Kita werden.

Kommentar: Am Ende gewinnen die Kinder

Von Dominik Maaß
Der (Aus-)Weg aus dem Kindergarten-Dilemma, den die CDU ins Spiel brachte, ist eigentlich ziemlich simpel, aber deswegen nicht weniger klug. Und es ist gut, dass sich die Politik gemeinsam auf diesen Weg begibt. Denn statt einem Verlierer gibt es nun ausschließlich Gewinner – in erster Linie die Kinder, denen zusätzliche Plätze angeboten werden können. Endlich wird beim Kita-Ausbau mal agiert, statt immer nur reagiert.

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